„Es hat angefangen mit Verhackertbrot und Kastanien“, erzählt Franz Schwarz, Geschäftsführer der Sobeges Birkfeld über den ersten Tag der offenen Tür. Mittlerweile strömen jährlich rund 1000 Gäste zu der Veranstaltung – heuer ist es eine ganz besondere. Immerhin wird am Freitag das 25-jährige Jubiläum gefeiert – mit Musik, Kulinarik, Kinderprogramm und einem Glückshafen. Die Preise für letzteren verstellen bereits das Büro des Geschäftsführers. Er war von Anfang an dabei.
15 Privatpersonen, größtenteils Eltern von Menschen mit Behinderung, sowie zehn Gemeinden und die Raiffeisenbank gründeten die „Sozialbetriebsgesellschaft Birkfeld Raum GmbH“. Der Antrieb? Es gab für behinderte Jugendliche nach dem Ende der Schulpflicht kaum Beschäftigungs- und Betreuungsangebote in der Umgebung.
Heute stehen bei der Tageswerkstätte mehrere Angebote zur Verfügung. Kreativ beteiligen können sich 28 Menschen mit Behinderung etwa in der Schulungsküche, der Kreativ- oder Keramikwerkstatt oder in der Holzwerkstatt. In letzterer machte Schwarz seine Anfänge. Als Tischler bewarb er sich und meint: „Mir sind ganz andere Fragen gestellt worden als bei anderen Bewerbungsgesprächen. Etwa: Was würdest du tun, wenn du mit fünf betreuten Mitarbeitern über eine Kreuzung gehst?“
Mittlerweile arbeitet er nicht mehr in der Werkstatt, vor 15 Jahren hat er die Geschäftsführung übernommen. Er meint jedoch: „Man sollte eigentlich genau so wie wir in der Arbeitswelt arbeiten, sich Zeit nehmen für Mitarbeiter und Gespräche. In der Tischlerei ist oft die Stoppuhr gerannt.“
Bei der Sobeges geht es nicht darum: Wie viel produziere ich?, ergänzt Sabine Mandl, die pädagogische Leiterin. „Wir schauen, dass jeder so viel selbstständig machen kann wie möglich.“ Der jüngste Mitarbeiter ist 17 Jahre alt, der älteste 72.
Die betreuten Mitarbeiter können die Arbeitsplätze durchwechseln, beispielsweise drei Tage in der Holzwerkstatt und zwei in der Kreativwerkstatt verbringen. Talente werden gefördert. Auf die einzelnen Menschen wird eingegangen.
Mandl erinnert sich gern an Urlaubsausflüge oder die Theateraufführungen. „Anfangs wollten wir das nur für die Eltern machen, damit sie ihr Kind einmal auf einer Bühne sehen können“, erzählt Schwarz. Dann wollten die Tanten mitkommen und irgendwann haben die Schauspieler Menschen auf der Straße eingeladen.
„Bei uns ist Inklusion nicht nur ein Wort“, bekräftigt Mandl. Im Birkfelder Raum ist Sobeges bekannt. „Das Autohaus Felber hat uns gebeten, das Dienstauto zu lackieren, er fährt jetzt mit buntem Auto in Birkfeld herum“, erzählt Schwarz. Der Verkaufsraum lädt ein, sich mit Schneidebrettern, Billets, Honig und Deko einzudecken, auch Spezialanfertigungen für Geburtstagsgeschenke oder Störche nimmt die Sobeges in Auftrag. Im Rahmen der Erstkommunion oder der Firmung werden die Kinder aus der Region eingeladen.
Beliebt bei Zivildienern
Stolz ist man auch auf die geringe Fluktuation unter den Betreuerinnen und Betreuern. 41 Mitarbeiter zählt die Sobeges, zudem ist der Job bei Zivildienern sehr beliebt. „Vier ehemalige Zivildiener sind bei uns geblieben“, erzählt Mandl. „Bis 2028 sind wir mit den Zivildienern ausgebucht.“
Einer der Meilensteine in der Sobeges-Geschichte ist die Eröffnung des Wohnhauses. 14 beeinträchtigte, vollbetreute Menschen leben darin. „Es hat sieben Jahre bis zur Eröffnung gedauert“, erzählt Schwarz. 2021 konnten die Bewohner einziehen. Ein wichtiger Schritt für die Selbstständigkeit. Weiteres Angebot ist die Freizeitassistenz, die derzeit fünf beeinträchtige Menschen in Anspruch nehmen.
Finanziert wird die Sobeges einerseits über das Land Steiermark. „Damit können wir Lohnkosten bezahlen. Alles Zusätzliche erarbeiten wir uns selbst. Wir müssten keinen Tag der offenen Tür oder kein Theater machen“, stellen Schwarz und Mandl klar. Doch es ist ihnen ein Anliegen, in der Region präsent zu sein und den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.