Eigentlich sollte das Halleiner Stadtfest die Innenstadt beleben und die heimische Gastronomie stärken. Stattdessen sorgt die Veranstaltung nun für politischen Wirbel und heftige Diskussionen. Auslöser sind die Teilnahmebedingungen für Gastwirte sowie blickdichte Bauzäune, mit denen zwei Lokale während des Stadtfests vom Veranstaltungsgelände getrennt wurden. Die Bilder der Absperrungen verbreiteten sich rasch und brachten dem Tourismusverband scharfe Kritik ein.
Im Zentrum des Konflikts stehen die Vorgaben des Tourismusverbands Hallein, der das Stadtfest seit 2019 organisiert. Teilnehmende Gastronomiebetriebe mussten eine Teilnahmegebühr von 960 Euro entrichten und sich verpflichten, auf ihren Außenflächen ausschließlich Getränke des offiziellen Veranstaltungssponsors auszuschenken. Zwei Betriebe am Florianiplatz lehnten diese Bedingungen ab. Daraufhin wurden ihre Gastgärten mit blickdichten Bauzäunen vom übrigen Festgelände getrennt.
Offener Brief
Die betroffenen Wirte sprechen von einer unverhältnismäßigen Maßnahme und werfen dem Veranstalter mangelnde Transparenz sowie einen unangemessenen Umgang mit lokalen Betrieben vor. In einem offenen Brief kritisieren sie das Konzept des Stadtfests und fordern ein Umdenken. Nach Medienberichten wird das Schreiben inzwischen von mindestens 15 weiteren Gastronomie- und Handelsbetrieben in der Halleiner Altstadt unterstützt.
Der Tourismusverband weist die Vorwürfe zurück. Geschäftsführer Rainer Candido betont, die Teilnahmebedingungen seien seit Jahren bekannt und notwendig, um vertragliche Verpflichtungen gegenüber dem Getränkesponsor einzuhalten. Als Veranstalter müsse man zudem auf die Einhaltung einheitlicher Regeln achten. Ob das Stadtfest unter den aktuellen Voraussetzungen künftig fortgesetzt werden könne, ließ Candido offen.
Rücktritte gefordert
Der Konflikt hat mittlerweile auch die Politik erreicht. Die Grünen fordern den Rücktritt der gesamten Führung des Tourismusverbands und sprechen von einem erheblichen Imageschaden für Hallein. Auch Vertreter von ÖVP und FPÖ verlangen eine umfassende Aufarbeitung der Ereignisse und kritisieren das Vorgehen gegenüber den betroffenen Wirten.
Runder Tisch angekündigt
Bürgermeister Alexander Stangassinger (SPÖ) kündigte einen runden Tisch mit allen Beteiligten an. Ziel sei es, den Konflikt aufzuarbeiten und Lösungen zu finden, damit das Stadtfest künftig wieder seinem ursprünglichen Zweck gerecht wird: die Belebung der Altstadt und die Zusammenarbeit zwischen Tourismusverband, Gastronomie und Wirtschaft.
Damit ist aus einem ursprünglich als Fest der Begegnung geplanten Wochenende eine Grundsatzdebatte über Veranstaltungsorganisation, Sponsorenverträge und den Umgang mit lokalen Unternehmern geworden. Ob sich die Fronten in den kommenden Wochen wieder annähern, dürfte auch darüber entscheiden, in welcher Form das Halleiner Stadtfest künftig stattfinden kann.