Im Gründungsjahr der Komödienspiele Porcia zeigte Herbert Wochinz Georges Feydeaus „Der Gefoppte“ in einer Übersetzung, die er gemeinsam mit H. C. Artmann geschaffen hat. Am Freitag hat Florian Eisner die 65. Spielzeit mit dieser rasanten Verwechslungskomödie eröffnet. Schließlich hat der Intendant dem diesjährigen Theaterfestival das Motto verpasst: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ Und im „Gefoppten“ verstricken sich alle Figuren irgendwann in einem Netz aus Täuschung, List und Affären und schaffen sich durch ihre Lügen ihre eigenen Wirklichkeiten.
Feydeau zeigte meisterlich die bröckelnde bürgerliche Fassade im Paris der Jahrhundertwende: Anstand und Vernunft verabschieden sich schnell, wenn Eifersucht, Angst oder Eigeninteresse ins Spiel kommen. Im Schloss Porcia verankert Nina Balls zeitloses Bühnenbild die Farce mühelos zwischen gestern und heute, während Alexia Engels herrlich skurrile Kostüme die amourösen Verwicklungen pointiert unterstreichen. Irgendwann verheddern sich alle im pikanten Verwirrspiel rund um Herrn Pontagnac, der einer unbekannten Frau seit Tagen nachstellt – um dann herauszufinden, dass sie mit seinem Freund verheiratet ist.
Grotesk-komisch
Bald mischen neben untreuen Ehemännern und auf Rache sinnenden Frauen auch schmachtende Galane, überraschender Besuch aus England und ein aus der Provinz angereistes Ehepaar mit. Florian Eisner vertraut in seiner grotesk-komischen Inszenierung ganz auf Feydeaus ausgeklügeltes Uhrwerk: Jede (Not-)Lüge macht die Lage aussichtsloser. In diesem präzise choreografierten Chaos schwanken alle zwischen Lust, Verzweiflung und Staunen darüber, wer wann mit wem im Bett gelandet ist. Oder, um es mit dem häufig zitierten Louis de Funès zu sagen: „Nein! Doch! Ohh!“
Dabei spielt sich das bestens gelaunte Ensemble lustvoll durch die turbulente Handlung. Ingo Paulick als treuherzig-verzweifelter Vatelin wird seinen einzigen Seitensprung noch bitter bereuen, Sonja Kreibich als seine Frau Lucienne genießt die Bewunderung anderer Männer, ist ihrem Ehemann aber treu ergeben. Auch Julia Urban als köstliche Britin Maggy weiß genau, was sie will – während ihr Mann (Reinhardt Winter) sie ganz gerne loswerden möchte. Markus Weitschacher als schmachtender Redillon entpuppt sich als im wahrsten Sinn des Wortes müder Liebhaber, herrlich absurd sind Felix Krasser und Leila Müller als Ehepaar Pinchard, das ständig fremde Menschen im Hotelzimmer und gar im Bett findet.
Lügenkonstrukt
Und dann ist da noch Johannes Sautner, der als „ein bisschen“ verheirateter, liebeshungriger Pontagnac irgendwann feststellen muss, dass er der Gefoppte ist – schließlich wurde er zweimal in flagranti mit Frauen erwischt, die er überhaupt nicht kennt. Während andere noch einmal glimpflich davonzukommen scheinen, hat sich Pontagnac im eigenen Lügenkonstrukt verfangen. Doch ein letzter Kuss macht klar: Die amourösen Spiele werden weitergehen.