Jedes Jahr sterben viele Rehkitze, wenn sie im Mai und Juni im hohen Gras von Mähwerken erfasst werden. Da die bisher vorhandenen Mittel zur Rettung der Jungtiere nicht ausgereicht hatten und um weiteres Tierleid zu verhindern, gründete der Reichenfelser Hegeringleiter Franz Kühweidler (59) im Februar dieses Jahres das Team „Kitzrettung Reichenfels“, das sechs Mitglieder umfasst.
Voraussetzung, um dort mitzumachen, war der Besitz eines Pilotenscheins für das Lenken einer Drohne. Die Kosten für dieses Flugobjekt mit Wärmebildkamera betrugen 6300 Euro, die zu 90 Prozent von den 60 heimischen Jägern aufgebracht wurden. Der Rest kam von Spenden seitens der Landwirte und heimischer Betriebe.
Kitze flüchten nicht
„Die Rehgeißen legen ihre Kitze bewusst im hohen Gras ab. Dort sollen sie vor Fressfeinden geschützt sein. Die Kitze folgen ihrem natürlichen Drückinstinkt und bleiben bei Gefahr regungslos liegen, selbst dann, wenn ein Mähwerk unmittelbar auf sie zufährt“, erklärt Kühweidler, der für fünf Gemeindejagden und acht Eigenjagden zuständig ist.
Nachdem die Landwirte die Jagdausübungsberechtigen einen Tag vor einer bevorstehenden Mahd nformierten und rund eine halbe Stunde bevor sie dann mit den Traktoren ausfahren, fliegt das ehrenamtliche Team die Wiesen ab und spürt die versteckten Rehkitze mit der Wärmebildkamera aus der Luft auf. Anschließend werden die Tiere vorsichtig geborgen und bis zum Ende der Mäharbeiten in Sicherheit gebracht“, sagt der ÖBB-Bedienstete. Die beste Zeit dafür sei der frühe Morgen.
Sobald auf dem Wärmebild ein heller Punkt erscheint, steht fest: Dort versteckt sich ein Rehkitz. „Bei der Bergung achten wir auf jedes Detail. Wir tragen Handschuhe und greifen die Tiere ausschließlich mit frischem Gras an, damit kein menschlicher Geruch zurückbleibt“, so der passionierte Jäger und zweifache Familienvater.
Bis zu 16 Einsätze pro Tag
Anschließend kommen die Kitze in spezielle Transportboxen und werden an einem sicheren Ort abgestellt, bis die Wiese vollständig gemäht ist. „Danach werden sie wieder freigelassen, damit die Rehgeiß ihre Kitze problemlos wiederfindet“, so Kühweidler. Auf diese Weise gelang es, bei 78 Einsätzen und 54 Flugstunden auf 56 landwirtschaftlichen Flächen im Ausmaß von 346,2 ha vom 22. Mai bis 26. Juni dieses Jahres 56 Kitze und sieben Hasen vor dem sicheren Mähtod zu retten. „Wir starteten bis zu 16 Einsätze pro Tag“, bilanziert Kühweidler.
Die Initiative zur Rettung der Kitze soll kontinuierlich im gesamten Lavanttal ausgeweitet werden. „Deshalb wird am kommenden Sonntag in Reichenfels der Verein „Kitzrettung Lavanttal“ gegründet. „Wir wollen in drei oder vier Jahren an die 40 Piloten und 12 bis 16 Drohnen haben“, nennt der Hegeringleiter sein ehrgeiziges Ziel. „Dazu benötigen wir aber Unterstützung von allen Seiten“, hofft Kühweidler auf viele Sponsoren und Spender, um die Kosten dafür abzudecken. „Aber es ist ja für eine gute Sache. Tierschutz geht uns schließlich alle an“.