WWer meint, viele Köche verderben den Brei, hat sich noch nicht zu Gemüte geführt, was bei BioTechMed-Graz zusammengebraut wird. Diese Forschungskooperation zwischen Uni, Med Uni und TU Graz bringt die hellsten Köpfe der drei Institutionen für gemeinsame Projekte zusammen und ermöglicht so Spitzenforschung, die weit über den Hochschulstandort hinausstrahlt. Jüngstes Beispiel: das Leuchtturmprojekt „ACE AGE“.

Hinter der Abkürzung verbirgt sich ein ambitioniertes Forschungsvorhaben, das sich der Herzgesundheit im fortgeschrittenen Alter verschrieben hat. Im Zentrum steht dabei ein Protein, dessen Konzentration mit zunehmendem Alter ansteigt und mit bekannten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Übergewicht, erhöhten Cholesterinwerten und Bluthochdruck in Verbindung steht.

Entzündungen im Herzgewebe

„Wir gehen davon aus, dass dieses Protein aus dem Fettgewebe stammt, das mit dem Alter zunehmend mehr wird. Von dort aus gelangt das Protein in den Blutkreislauf und löst Entzündungen im Herzgewebe aus“, sagt Mahmoud Abdellatif. Der Mediziner leitet das Forschungsprojekt und arbeitet an der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Med Uni Graz. Dort wird er von einem Team an Doktoranden unterstützt, das die ersten Forschungsergebnisse bei Versuchen mit Labormäusen einem Praxistest unterzieht.

An diesem Vorhaben beteiligt ist auch eine Arbeitsgruppe am Institut für Organische Chemie der TU Graz. „Wir werden molekulare Schlüssel im Labor synthetisieren, die es uns erlauben könnten, dieses Protein zu unterdrücken, welches im Alter das Herz schädigt“, sagt der TU-Chemiker Rolf Breinbauer. Er vergleicht den kooperativen Prozess in diesem interdisziplinären Forschungsprozess mit den Vorgängen in der Spitzenküche: Als Souschef sieht sich Breinbauer verantwortlich für einen Teil des Gesamtmenüs, den er mit seinem Team von Doktorandinnen beiträgt. Die Tauglichkeit dieser neuartigen molekularen Schlüssel wird am Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz in verschiedenen Modellen getestet. Renate Schreiber und Frank Madeo beschäftigen sich dort mit der Frage, welche zellulären Prozesse durch das körpereigene Protein im Alter krankhaft verändert werden.

Drei Disziplinen vereint

Koordination zwischen den verschiedenen Disziplinen – im Projekt treffen Medizin auf Chemie, Biochemie und Molekularbiologie – zählt zu den Kernaufgaben des Leitungsteams. „Zunächst galt es, Verständnis für die jeweiligen Arbeitsweisen und eine gemeinsame Sprache zu finden. Die jeweiligen Labore haben unterschiedliche Zugänge zur Beantwortung einer wissenschaftlichen Hypothese, das galt es, unter einen Hut zu bringen“, sagt Renate Schreiber. Für sie ist die Arbeit für BioTechMed-Graz daher eine so besondere Aufgabe: Unter so einem gemeinsamen Schirm arbeiten zu können, sei einzigartig in der österreichischen Forschungslandschaft – nicht zuletzt auch aufgrund der bedeutenden Fördersumme von einer Million Euro, die sich aus Mitteln der drei Hochschulen speist.

Sollte das Forschungsvorhaben Früchte tragen, könnte dies auch der Ausgangspunkt für weitere Förderungen der EU oder dem österreichischen Wissenschaftsfond FWF mit noch größerem Volumen sein. Ein möglicher Gradmesser für den Erfolg liegt in der Entwicklung eines neuen Bluttests zur Identifikation von Personen mit erhöhtem Herzkrankheitsrisiko. Auf dieser Basis könnten neue Therapien zum Schutz des alternden Herzens entstehen, wenn sich zweifelsfrei nachvollziehen lässt, wie das Protein das Herz schädigt und wie es wichtige zelluläre Wartungs- und Reparaturmechanismen in den Herzmuskelzellen beeinflusst.

„Große Herausforderung“

„Wir leben in einer zunehmend alternden Gesellschaft, in der es eine große Herausforderung ist, möglichst lange und gesund zu leben. Wir möchten einen Beitrag leisten, dieses Ziel mit besseren Behandlungsoptionen bei Herzerkrankungen zu unterstützen“, ist Abdellatif zuversichtlich.

Mahmoud Abdellatif leitet das Projekt
Mahmoud Abdellatif leitet das Projekt © Med Uni