Der UN-Sicherheitsrat hat seine gute Zeit definitiv hinter sich. Nach einer knapp zwei Jahrzehnte dauern-
den Phase nach dem Ende des Kalten Krieges, in der vieles im Konsens beschlossen wurde, ist man heute zurück in der Ära der Dauerblockade. Nicht nur Russland und China wischen mit ihrem Veto alles vom Tisch, was ihnen nicht gefällt, auch die Vereinigten Staaten unter Donald Trump streuen mit zunehmend einsamen und den Interessen der traditionellen Verbündeten entgegenlaufenden Entscheidungen Sand ins Getriebe des höchsten Gremiums der Vereinten Nationen.

Österreich hat sich dennoch um einen der zehn nicht ständigen Sitze im Sicherheitsrat beworben. Das Land hat viel diplomatisches Kapital und einiges an Geld in das Projekt gesteckt, Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, die die schon vor 15 Jahren beschlossene Kandidatur zuletzt mit großem Verve betrieben hat, rührt dafür im In- und Ausland unablässig die Werbetrommel.

Bleibt die Frage: Brauchen wir das überhaupt? Und die knappe Antwort darauf lautet: Ja. Es gehört zum historischen Selbstverständnis des Landes, sich international zu engagieren, die Erzählung von der kleinen Nation als Brückenbauer geht Hand in Hand mit jener der Neutralität. 1961 war Österreich Gastgeber des Gipfeltreffens von US-Präsident John F. Kennedy und KP-Chef Nikita Chruschtschow, 2015 wurde in Wien das Atomabkommen mit dem Iran ausgehandelt. Die österreichischen Blauhelm-Soldaten waren jahrzehntelang eine positive Identifikationsfläche, gleichzeitig blickte das Land stolz darauf, dass die Bundeshauptstadt neben New York, Genf und Nairobi der vierte große UN-Sitz ist.

Wichtiger als diese Reminiszenzen und der oft nicht ganz kitschfreie Blick auf Österreichs Rolle in der Welt ist allerdings das Hier und Jetzt. Wer sich – schon aus Eigeninteresse – für Multilateralismus und eine regelbasierte Weltordnung stark macht, muss sich auch in den entsprechenden internationalen Foren dafür einsetzen. Die UNO wird zwar von den fünf Atommächten geprägt, sie lebt aber nicht zuletzt davon, dass die kleinen Staaten mitmachen. Sie können Initiativen setzen und Debatten mitgestalten. Österreich hat das etwa in den vergangenen Jahren bei der Beschränkung von Atomwaffen und der Regulierung von Künstlicher Intelligenz im Militärbereich getan, aber auch in der Frauen- und Klimapolitik.

Bekommt Österreich bei der Abstimmung am Mittwoch einen Sitz im Sicherheitsrat, wird das nicht die Welt verändern. Und auch die UNO wird sich während der kommenden zwei Jahre, in denen Österreich vielleicht mitentscheiden kann, nicht vom zahnlosen Tiger in einen schlagkräftigen Krisenlösungsmechanismus verwandeln. Als globales Dialog- und Vernetzungsforum ist sie aber nicht nur für kleine Staaten derzeit quasi alternativlos. Sonst bleibt nämlich nur Donald Trumps Friedensrat, in dem sich vor allem Autokratien wie Kasachstan, Belarus oder Marokko versammelt haben.