2000 Menschen erhalten in Österreich jedes Jahr die Diagnose: schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom). Etwa 400 Personen versterben pro Jahr an den Folgen einer solchen Krebserkrankung. Bei frühzeitiger Diagnose – speziell im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen – ist Hautkrebs sehr häufig durch einen chirurgischen Eingriff heilbar. Das wäre der wichtigste Hebel zur Vermeidung fortgeschrittener und schwer behandelbarer Melanome. Wichtig ist aber auch die Vorsorge mit dem Vermeiden starker UV-Licht-Exposition. Das bedeutet: auf Schutz vor Sonnenbränden zu achten.
Doch was, wenn die Krebserkrankung weiter fortgeschritten ist, wenn eine Operation allein nicht ausreicht? Dann benötigen Betroffene wirksame Medikamente. Und am Montag präsentierte Fünf-Jahres-Daten zeigen: Eine Kombination zweier Wirkstoffe könnte die Überlebenschancen von Erkrankten massiv erhöhen und Rückfälle bei schwarzem Hautkrebs offenbar zu rund der Hälfte verhindern. Aber: Die Studie der Phase IIb ist noch nicht die Basis für eine Zulassung der Behandlungsstrategie durch die Arzneimittelbehörden. Eine groß angelegte klinische Untersuchung auf Wirksamkeit und Verträglichkeit der Phase III läuft bereits. Noch in diesem Jahr könnten die ersten Ergebnisse vorliegen.
Antikörper plus personalisierte Impfung
Durchgeführt wurde die Studie von Matteo Carlino vom Melanoma Institute Australiens (Universität Sydney). Im Detail wurde ergründet, ob eine Kombinationstherapie aus Pembrolizumab (Markenname Keytruda) und einem für jeden Probanden individuell hergestellten mRNA-Impfstoff (Intismeran) wirksam ist. Pembrolizumab ist ein sogenannter Checkpoint-Inhibitor, der Tumoren durch das Immunsystem des Erkrankten wieder angreifbar machen soll. Er wird schon länger bei fortgeschrittener Melanomerkrankung eingesetzt. Der monoklonale Antikörper soll die bösartigen Zellen durch die körpereigene Abwehr wieder erkennbar machen.
Das Prinzip mit diesem oder ähnlichen Biotech-Medikamenten zur Immun-Checkpoint-Blockade hat in den vergangenen Jahren die Therapie vieler Tumorerkrankungen revolutioniert. Am Anfang stand hier die fortgeschrittene Melanomerkrankung. Der „Schwarze Hautkrebs“ gilt seit Jahrzehnten als potenziell immunologisch angreifbar, weil er sehr viele „neue“ Antigene aufweist und die Haut ein besonders immunologisch wirksames Organ ist.
In der Entwicklung der neuen Therapie haben der US-Pharmakonzern MSD mit Pembrolizumab und das US-mRNA-Vakzine-Unternehmen Moderna zusammengearbeitet. Der Intismeran-Impfstoff von Moderna wird für jeden einzelnen Patienten produziert und enthält die Bauanleitung von bis zu 34 „neuen“, charakteristischen Antigenen, welche das jeweilige Melanom aufweist. Nach der Impfung sollen Zellen im Körper der Patienten die Antigene produzieren und eine Abwehrreaktion hervorrufen, die durch das mittels Pembrolizumab wieder „scharf“ gemachte Immunsystem noch verstärkt wird.
Impfung gegen Hautkrebs: Die Daten im Detail
In die Studie waren 157 Melanompatienten mit fortgeschrittener Erkrankung und chirurgisch entferntem Tumor aufgenommen worden. Zwischen Juli 2019 und September 2021 erhielten 107 Probanden entweder neue Dosen der Vakzine plus 18 Dosen Pembrolizumab (jeweils alle drei Wochen) oder – per Zufall ausgewählt – 50 Probanden allein den Immun-Checkpoint-Inhibitor (Pembrolizumab). Es gab keine Placebo-Kontrolle.
Mit 15. Dezember 2025 wurden nach einer mittleren Beobachtungszeit von fünf Jahren die Langzeitergebnisse berechnet. „Die Verringerung des Risikos beim Überleben ohne Rückfall betrug mit Intismeran und Pembrolizumab im Vergleich zu Pembrolizumab allein 49 Prozent. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ohne Rückfall betrug unter der Kombinationstherapie 68,8 Prozent im Vergleich zu 49,1 Prozent mit Pembrolizumab allein“, schrieben die Fachleute. Darüber hinaus hätte sich ein Trend zu einer besseren Überlebensrate (alle Ursachen) gezeigt (92,2 zu 71,3 Prozent). Wegen der geringen Zahl der Fälle war das aber statistisch nicht aussagekräftig.