Manchmal entscheidet ein kleines Pickerl darüber, wer in der großen Pause auftrumpft oder ob das anstehende Familienwochenende Erfolg oder Misserfolg wird. Seit die Panini-Sticker zur Fußball-WM 2026 im Umlauf sind, dreht sich wieder alles um große Namen wie Ronaldo oder Harry Kane, um Doppelte und um die Frage: Wie bekommt man dieses Album bloß voll?

Ein Lokalaugenschein in den Leibnitzer Trafiken zeigte: Ebbe im Pickerl-Regal. Bei den meisten waren die heiß begehrten Packerl innerhalb weniger Tage ausverkauft, Nachschub wurde sehnsüchtig erwartet. „Die Leute kaufen gleich die Hunderterboxen – damit was weitergeht und das Album schnell voll wird. Und viele machen das auch aus taktischen Gründen – weil sie meinen, dass in einer großen Box weniger Doppelte sind“, erzählt Volker Hart von der gleichnamigen Trafik in Wagna. „Auf alle Fälle hätte ich schon längst wieder Nachschub bekommen sollen, aber leider ist bis jetzt nichts da.“

Bei Trafikant Volker Hart aus Wagna waren die Pickerl rasch vergriffen
Bei Trafikant Volker Hart aus Wagna waren die Pickerl rasch vergriffen © KLZ/Brutmann

980 Sticker braucht man, um das 112 Seiten starke Album vollzubekommen. Das verlangt Ausdauer, Glück – und Tauschpartner. In einem Päckchen, das regulär 1,50 Euro kostet, stecken heuer sieben Pickerl. Rein rechnerisch wären das bei null Doppelten rund 210 Euro Gesamtkosten für ein vollständiges Album. Aktionen in Supermärkten oder Großpackungen können helfen, aber ohne Tauschbörsen wird es schwierig.

980 Sticker passen in das 112 Seiten starke Album – ein Päckchen mit sieben Stickern kostet regulär 1,50 Euro
980 Sticker passen in das 112 Seiten starke Album – ein Päckchen mit sieben Stickern kostet regulär 1,50 Euro © Karl Schöndorfer

Genau deshalb denkt Andrea Steingruber vom Nahversorger Nah & Frisch in Ehrenhausen schon an die Zeit, wenn die Panini-Alben fast voll sind: „Wir stellen sicher wieder eine Box auf, wo man sich dann die letzten fehlenden Fußballer ertauschen kann.“ Steingruber und ihr Team durften sich in dieser Woche übrigens zu den wenigen zählen, die noch Pickerl zu verkaufen hatten. „Die Panini-Pickerl musst du einfach haben, sonst bist du nicht dabei“, sagt Steingruber. Die erste Lieferung sei auch bei ihr sofort weg gewesen. Was noch da ist, liegt gut behütet bei der Kassa.

Andrea Steingruber vom Nah & Frisch in Ehrenhausen mit den letzten begehrten Panini-Pickerln
Andrea Steingruber vom Nah & Frisch in Ehrenhausen mit den letzten begehrten Panini-Pickerln © KLZ/Eva Brutmann

Das Sammelfieber grassiert auch in der 3b der Volksschule St. Veit am Vogau. Sara, Niklas, Marvin, Fabian und Lukas zeigen begeistert ihre Alben, Wappen, Trikots und Topspieler. „Lionel Messi“, kommt es sofort, als es um Lieblingsspieler geht. Auch Lewandowski, Mbappé oder Alaba können mithalten. Und Marko Arnautović sowieso. Und überhaupt sind sich die Nachwuchs-Teamchefs einig: „Österreich ist schon richtig gut drauf.“

Die Paninipickerl-Leidenschaft hat aber nicht nur Kinder gepackt. Claudia Krammer aus St. Stefan ob Stainz bekam ihr WM-Album von der Schwiegermutter. Als die Pickerl überall ausverkauft waren, bestellte die 43-Jährige online gleich eine Großpackung. „Das wird ein arbeitsreiches Wochenende“, sagt sie und freut sich aufs Einkleben. Warum sie sammelt? Sie schmunzelt: „Sind schon schöne Männer dabei.“ Aber nicht nur das: Sie interessiert, für welchen Verein die Spieler antreten und wie Statur und Gesicht zusammenpassen.

Claudia Krammer beim Einkleben: „Das wird ein arbeitsreiches Wochenende!“
Claudia Krammer beim Einkleben: „Das wird ein arbeitsreiches Wochenende!“ © KLZ / Privat

Die aktuelle Kollektion ist auch deshalb besonders, weil Panini damit in die Schlussphase einer Ära geht. Nach der WM 2030 endet die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der FIFA, die Rechte wandern zu Fanatics. Bis dahin wird aber weiter gesammelt, geklebt und getauscht – und in der 3b der Volksschule St. Veit am Vogau auch schon getippt. Wer steht im WM-Finale? „Ganz klar – Frankreich und Österreich.“ Und wer gewinnt? Da müssen die Kids nicht lange überlegen: „Natürlich Österreich!“