Sein letzter Einstieg in die Radionachrichten war ein passender. Wenn auch kein erfreulicher: Die trostlose Saisonbilanz „seines“ SK Rapid war der letzte Beitrag des legendären ORF-Sportreporters Adi Niederkorn, der sich mit Dienstag in die Pension verabschiedet hat. Generationen kennen seine Stimme: Auf Ö3 und Ö1 ertönte das melodiöse und dabei stets leicht gepresst klingende Organ des Wieners mit dem urwüchsig rollenden R mehr als 40 Jahre lang in gefühlt jedem zweiten Sportbericht. Mehr als 1000 Skirennen hat er kommentiert, Fußballspiele dürften es nochmals deutlich mehr gewesen sein.

Jetzt hat es ihm gereicht: Er wollte, verriet er in der ORF-Sendung „Hinter den Schlagzeilen“, die Fußball-WM in den USA „unbedingt vermeiden. Ich war schon 1990 dabei und das war extrem anstrengend. Aber damals war ich 30 und jetzt bin ich mehr als doppelt so alt.“ Die zahlreichen Orts- und Zeitzonenwechsel, die ausgedehnten Sicherheitskontrollen: „Das trau’ ich meinem Körper nimmer so richtig zu, das wollte ich mir ersparen und den Sommer genießen.“ Niederkorn will ausgedehnte Motorradtouren unternehmen und mit seiner Frau die Hochzeitsreise nachholen. Die ist seit 35 Jahren überfällig, weil der Sportreporter einfach immer im Einsatz war: von November bis März im Skizirkus, im Sommer auf den Fußballplätzen dieser Welt. Nächsten Winter soll es nun endlich nach Mauritius gehen.

Die WM-Spiele des österreichischen Nationalteams wird er erstmals seit Jahrzehnten beim Public Viewing und ohne Mikro in der Hand erleben. Aber nicht alle, das letzte Gruppen-Match wackelt, „da bin ich im Urlaub in Kroatien, und ich weiß nicht, ob ich um vier Uhr Früh schon fit bin.“

Legendäre Lehrmeister

Der Mann kann also auch loslassen. Ein gutes Zeichen für einen, der seine gesamte Karriere dem Sport geweiht hatte. Ganz nach dem Vorbild seiner legendären Lehrmeister Edi Finger sen. („I wer’ narrisch!“) und Heinz Prüller („Mansell führt mit sechs Sekunden Rückstand“), die man auch für ihre liebenswerten Patzer schätzte, war er immer dabei, immer im Einsatz. Und immer zu einer Live-Wortspende bereit – auch 2022, beim Match Chelsea gegen Salzburg und mitten in der offiziellen Schweigeminute für die eben verstorbene Königin Elizabeth II. „Ich hatte das Gefühl, dass mich alle Menschen im Stadion anstarren“, erinnert er sich an den peinlichsten Moment seiner Karriere vor 38.818 Besuchern. Britische Zeitungen brachten erboste Berichte.

Im Duo nicht zu schlagen: Adi Niederkorn und Edi Finger jun.
Im Duo nicht zu schlagen: Adi Niederkorn und Edi Finger jun. © APA / Roman Zach-Kiesling

Im eigenen Land aber war Niederkorn ein Publikumsliebling, speziell im Duo mit Edi Finger jr. erreichte er eine Popularität, die so manches Comedy-Duo sich wohl gewünscht hätte. „Adi und Edi“ standen für Sportberichte mit Witz, wurden parodiert, traten im TV auf. Dabei sah sich Niederkorn selbst immer als Radiomann. Der bestbezahlte Sportberichterstatter des ORF (mit knapp 172.000 Euro Jahresgehalt als leitender Redakteur schafft er es sogar in den Transparenzbericht) wuchs in der Nähe des Wiener Funkhauses in der Argentinierstraße auf, Sportreporter war sein Berufstraum von klein auf.

Ein Jus- und Publizistikstudium und ein Nebenjob als Privatdetektiv waren die Umwege, die der Sohn eines Putzereibesitzers nehmen musste, um im ersehnten Job zu landen. Nach 41 Jahren im Job wird seine Stimme mittlerweile auch beim Wurstsemmelkaufen erkannt. Nur seinen echten Vornamen kennen die meisten nicht. Hiermit sei er enthüllt: Adam.