Donald Trump erwartete, dass Europas Nato-Partner den USA in dem von ihm angezettelten (und konzeptlosen) Angriffskrieg gegen den Iran Gewehr bei Fuß stehen. Weil sie das zu Recht nicht taten – es ist kein Nato-Verteidigungsfall – stellt er das Verteidigungsbündnis in Frage. Unabhängig davon, wie und wann bislang in Europa stationierte US-Truppen abgezogen werden: Unser Kontinent ist gut beraten, den Weg zu selbstständiger Abwehrbereitschaft weiterzugehen.
Ohne Druck gäbe es keine Emanzipation – doch sie ist alternativlos: Ist der (bislang) wichtigste Bündnispartner nicht mehr verlässlich, weil er von einem irrational agierenden Staatschef irrlichternd befehligt wird, muss man sich selbst aufstellen. Der Kreml, der die Ukraine weiter bombardieren lässt, lechzt nach jedem Symptom von Schwäche und Uneinigkeit des Westens.
Der Ruf nach Diplomatie bleibt berechtigt. Ob der erwähnten Potentate in West und Ost darf das Europa dazwischen aber nicht bloß auf Worte setzen.