Gab es auch einmal diesen Moment der Sorge, ob hier womöglich das große Ganze gefährdet sein könnte? Gerhard Wendl blickt auf und sagt rasch: „Ja.“

Der Gründer und langjährige Vorstandschef der Jufa-Hotels hat mit seinen knapp 1500 Beschäftigten im Nachhall der Corona-Pandemie turbulente Zeiten durchlebt. Zwischenzeitlich mussten sogar einzelne regionale Standorte – in Kärnten und der Steiermark – geschlossen werden.

Heute ist Wendl wieder optimistisch. Neben ihm sitzt Michael Blaschitz, der mit „EOSS Industries“, einer familiengeführten Industrie- und Technologiegruppe aus Graz, im Vorjahr mehrheitlich bei Jufa eingestiegen ist. Seither gehört die Jufa Holding, Dachgesellschaft der insgesamt rund 60 Jufa-Hotels, zu 95 Prozent der „Hej Beteiligungsgesellschaft“ von EOSS. Der Einstieg war für Jufa eine Erlösung, eine der ersten Maßnahmen, als die Mehrheitsübernahme im Herbst 2025 final abgesegnet war: Die sukzessive Wiedereröffnung der geschlossenen Jufa-Hotels in Hochrindl, Seckau, Pöllau und Admont.

„Uns war schnell klar, dass wir gemeinsam durchstarten wollen“

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass eine bisher vor allem für industrielle Beteiligungen bekannte Gruppe wie EOSS plötzlich in die Hotellerie investiert? „Wir wurden vom Jufa-Virus infiziert“, so Blaschitz im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Vor gut einem Jahr sei er mit Wendl erstmals bezüglich eines möglichen Einstiegs im Austausch gewesen. „Uns war schnell klar, dass wir gemeinsam durchstarten wollen.“

EOSS sei „eine sehr heterogen positionierte Gruppe“, so Blaschitz. Man komme aus der IT, Beteiligungen gibt es aber auch in den Bereichen Life-Science, Anlagenbau oder Softwareentwicklung. „Wir sind Teamworker und sehen uns als Sparring-Partner. Die Hotellerie- und Tourismus-Expertise ist bei Jufa vorhanden“, sagt Blaschitz mit Blick auf Gerhard Wendl. „Es macht uns Spaß, dass wir sehr schnell sehen konnten, dass das Produkt, das wir mit Jufa anbieten, dieses niederschwellige, einfache, leistbare, aber doch qualitativ hochwertige Produkt für Familien, für junge Leute, dem Zeitgeist entspricht.“ Das funktioniere „in der Krise genauso gut wie in Zeiten starken Wirtschaftswachstums“.

„Keine Hoteldirektoren mehr, die irgendwo herumsitzen“

Inhaltlich gehe es nun darum – und hier will Blaschitz mit seinem Team die hauseigene Expertise einbringen – IT-Systeme in der Gruppe zu harmonisieren, zu modernisieren und Abläufe zu automatisieren: „Digital einchecken, der Schlüssel am Handy – das klingt sehr einfach, ist aber technisch aufwendig“. Jedenfalls wolle man „keine Hoteldirektoren mehr, die irgendwo herumsitzen und Formulare ausfüllen“. Vielmehr sieht Blaschitz die Leitung in der Rolle als „Host“, als Gastgeber, der „Leute empfängt und schaut, dass sie sich wohlfühlen“.

Viele Gespräche führte der Investor auch mit Bürgermeistern. Einige hatten ja mit Bekanntwerden des Einstiegs von EOSS angekündigt, Baurechtsverträge prüfen zu wollen, die noch mit der gemeinnützigen Jufa-Stiftung und entsprechend entgegenkommenden Konditionen abgeschlossen wurden. „Alles ausgeräumt“, sagt Blaschitz heute.

Wirtschaftlich sieht man die Talsohle erst einmal durchschritten. Erzielte Jufa im Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von 130 Millionen Euro, soll die Zahl in der laufenden Geschäftszeit um 14 Prozent wachsen. Das habe einerseits mit geplanten Neueröffnungen, wie etwa in Werfenweng, zu tun, andererseits ziehe die Nachfrage auch bei den bestehenden Standorten an. In Summe liegen die Vorausbuchungen für die Sommersaison um fünf Prozent über jenen des Vorjahres.

„Die Generation Z sucht das Kollektive“

Welche Trends Gerhard Wendl prophezeit? „Es wird stärker den Wunsch geben, gemeinsam Urlaub zu machen. Die Generation Z sucht das Kollektive“, sagt er. Auch das betonte Setzen von Schwerpunktthemen – egal ob ein Radfahr-Schwerpunkt, das Übernachten in einem historischen Gebäude oder die angedockte Alpaka-Wanderung – gewinne wieder an Wert. Einen durchwegs kritischen Blick richtet der erfahrene Touristiker Wendl in Richtung der heimischen Tourismusstrategen: „Alle wissen, dass wir die Hauptsaisonen entzerren müssen. Aber wenn in der Nebensaison alle Bahnen zuhaben, wird man auch an dieser Stelle nachdenken müssen“.