Keine Schmerzen. Kein Gewichtsverlust. Doch die Diagnose nach der Gesundenuntersuchung 2006 ist niederschmetternd: Magenkrebs. „Und das so bösartig und fortgeschritten, dass man schwer etwas machen konnte“, erklärt Hans Heiling aus Pöllau zwanzig Jahre später an seinem Wohnzimmertisch.

Trotz der tristen Aussichten operiert ihn im Februar 2006 die Hartberger Ärztin Margarete Jambrovic. „Der komplette Magen wurde entfernt sowie der Zwölffingerdarm und auch ein Stück des Dünndarms. Die Ärztin meinte, nun liege es in meinen Händen“, erinnert sich der 61-Jährige, der die Experten mit seiner positiven Einstellung oft sprachlos gemacht hat. „Man muss positiv denken, dann baut der Körper auf und nicht ab.“

Körper stößt Chemotherapie ab

In den ersten Tagen wird Heiling künstlich ernährt. Die Waage zeigt schnell 68 statt 88 Kilo an. Wieder zu Hause versucht er „normal“ zu essen. „Ich habe das Essen hinuntergedrückt – das waren unglaubliche Schmerzen.“

Viereinhalb Monate später arbeitet er wieder am Bau. Die Chemotherapie stößt sein Körper ab. Auch Strahlentherapie ist keine Option. „Damals meinte man, dass das mein Todesurteil ist. Da haben sie mir noch 6 Wochen gegeben – das war vor 20 Jahren.“

Tuberkulose: „1800 Tabletten im Jahr“

Schon im nächsten Jahr entdeckt man bei einer Kontrolluntersuchung Metastasen auf der Lunge. Ein Lungenlappen wird entfernt. „Als ich munter wurde, meinte der Arzt, dass wir nun ein anderes Problem hätten – Tuberkulose.“

Man müsse sich nicht zwingend anstecken, Tuberkulose könne auch durch eine schwere Krankheit oder einen Eingriff ausbrechen, erklärt Hans Heiling, der anhand der eigenen Krankenakte zum medizinischen Experten wurde.

„Ich vertrage keine Konservierungsstoffe mehr“: Hans Heiling vor dem Kühlschrank der Familie. Obst und Gemüse kommen aus dem eigenen Garten, Brot und Fleischwaren stammen von regionalen Händlern
„Ich vertrage keine Konservierungsstoffe mehr“: Hans Heiling vor dem Kühlschrank der Familie. Obst und Gemüse kommen aus dem eigenen Garten, Brot und Fleischwaren stammen von regionalen Händlern © Carmen Oster

Der Krebspatient wird direkt nach der Operation ins Pulmologische Zentrum in Enzenbach verlegt. Dort muss er drei Monate bleiben. „In diesem Jahr habe ich 1800 Tabletten genommen.“

Sieben Jahre später – 2014 – kann der Oststeirer plötzlich nicht mehr essen. Die nächsten zwei Eingriffe folgen. „Da habe ich wieder ein Stück vom Darm verloren. Vom Dünndarm ist nur noch ein kleines Stück übrig – sieben Zentimeter, die noch arbeiten.“

„Ein Darmverschluss nach dem anderen“

2016 versagt der Mastdarm seinen Dienst. „Ich hatte einen Darmverschluss nach dem anderen. Da haben die Ärzte vom Mastdarm alles, was krank war herausgenommen und einen Seitenausgang gemacht“, erklärt der 61-Jährige, der „sein Sackerl“ nicht als Handicap sieht. „Davor muss man keine Angst haben.“

Zum Vergleich: Ein gesunder Mensch verfügt im Schnitt über 5,5 bis 8 Meter Darm. Hans Heiling lebt seit zehn Jahren ohne Magen. Mit sieben Zentimetern Dünndarm – die noch arbeiten – und 1,5 Metern Dickdarm. Dieser Rest hat die komplizierte Arbeit des Verdauungssystems übernommen.

„Der Preis ist eine Ausrede“, erklärt Heiling, der sich den Unterschied ausgerechnet hat
„Der Preis ist eine Ausrede“, erklärt Heiling, der sich den Unterschied ausgerechnet hat © Privat

Gesunde, regionale Ernährung als Medizin

Natürlich mit Einschränkungen. „Ich vertrage nichts mit Konservierungs- oder Spritzmitteln.“ Der Oststeirer, den man unter anderem wegen des Seitenausgangs in Pension geschickt hat, kocht für die Familie. „Obst und Gemüse haben wir im Garten. Den Rest kaufen wir hauptsächlich regional. Fleisch und Wurst vom Buchberger in Pöllau. Brot vertrage ich vom Felber gut“, schildert der Krebspatient, der den Einwand, dass der Einkauf so teurer käme, nicht gelten lässt. „Kauft regional ein. Der höhere Preis ist eine Ausrede.“

Schließlich hat er nachgerechnet. „Es sind für sechs Personen Mehrkosten von 350 bis 400 Euro mehr im Jahr, wenn man beim regionalen Fleischer einkauft. Wenn man das durch 365 Tage dividiert – ist das rund ein Euro am Tag“, so der Mann, der Diskussionen nicht scheut. Wie beim Stammtisch im Agrar-Stüberl im Lagerhaus Pöllau. „Mir ist das Thema wichtig. Ich habe nur noch wenig Darm – und auf den muss ich gut schauen.“