Diese faszinierende Radtour entlang der Oberen Adria führt durch wechselnde Landschaften: vom sanften Tiefland mit Lagunen, Kanälen und kleinen Fischerdörfern über stille Naturschutzgebiete bis hin zum kargen, vom Wind und Salz geprägten Karst von Triest. Glitzernde Wasserflächen, schützenswerte Naturräume und lichtdurchflutete Kalkplateaus gehen dabei beinahe unmerklich ineinander über, bis sich schließlich die historische Stadt Triest mit ihrem Hafen, der gewachsenen Kultur und jenem besonderen Zusammenspiel aus mediterraner Leichtigkeit und mitteleuropäischer Eleganz auftut.

Etappe 1: Lignano Sabbiadoro nach Grado

Die erste Etappe startet in Lignano Sabbiadoro. Von Lignano aus geht es nach Norden über die Küstenorte Aprilia Marittima und Precenicco, ein kleines Dorf am Fluss Stella. Nach der Überquerung des Flusses führt der Weg weiter nach Marano Lagunare – ein Fischerdorf im Zentrum einer für ihren hohen naturkundlichen Wert und ihre Fauna und Flora bekannten Lagune.

Auf der Strecke Richtung Cervignano passiert die Tour Torviscosa, eine in der faschistischen Ära errichtete industrielle Planstadt. Wer mag, kann in Cervignano del Friuli einen kurzen Abstecher nach Strassoldo machen. Das Dorf wurde zu einem der schönsten Dörfer Italiens gewählt. Weiter geht es über die UNESCO-Welterbe-Stätte Aquileia. Die antike Stadt des Römischen Reiches beeindruckt mit ihren bedeutenden Ausgrabungen und den prachtvollen Mosaiken. In der Basilika Santa Maria Assunta befindet sich das größte christliche Mosaik der westlichen Welt.

Basilika von Aquileia
Basilika von Aquileia © N. Brollo

Das Etappenziel ist die Sonneninsel Grado mit ihrer venezianisch anmutenden Altstadt. Wer den Tag nach der langen Radtour besonders ausklingen lassen möchte, kann das Thermalzentrum besuchen und seine müden Muskeln im warmen Meerwasser lockern und entspannen.

Etappe 2: Grado nach Triest

Die zweite Etappe führt von Grado aus ostwärts in das Naturschutzgebiet Valle Cavanata und weiter Richtung Isola della Cona sowie zum Gebiet der Isonzomündung. Entlang des Dammes erreicht man zunächst den bekannten Badeort Marina Julia und anschließend Monfalcone, eine von Werften geprägte Industriestadt. Im dortigen Schiffsbaumuseum namens MuCa wird die Geschichte der Stadt erzählt.

Hinter Monfalcone markiert der Fluss Timavo den Eintritt ins Triestiner Karstgebiet. Die Route führt weiter durch das Fischerdorf Duino, das mit seinem auf einer Felsklippe gelegenen Schloss und dem Blick aufs Meer lockt. Danach geht es in Richtung Triest, vorbei an der Bucht von Sistiana und dem Vorgebirge von Grignano, auf dem das prächtige Schloss Miramare mit seinem besonderen Schlosspark voller exotischer Pflanzen, gepflegter Wege sowie spektakulärer Ausblicke thront – und damit zu den schönsten historischen Gärten der Region zählt. Schließlich nähert man sich dem Etappenziel Triest.

Friaulische Ebene
Friaulische Ebene © D. Solerti

Karstvariante: Grado nach Triest

Wer mehr Höhenmeter, steigende Pässe, Karstwege, Höhlen, Schluchten und Weinberge bevorzugt, entscheidet sich bei der zweiten Etappe für die Karstvariante. Mit 648 genommenen Höhenmetern ist sie etwas anspruchsvoller, belohnt dafür aber mit dramatischen Ausblicken und uriger Natur.

Zunächst ist die Route dieselbe: Sie beginnt in Grado und führt Richtung Monfalcone. In Sistiana zweigt die Route dann ab und verläuft auf Kalkplateaus, die sich zwischen Meer und Karstlandschaft spannen. Es geht weiter über die Dörfer San Pelagio und Sales nach Sgonico. Dort befindet sich mit der Grotta Gigante die größte touristisch begehbare Einraumhöhle der Welt.

Die Strecke führt zwischen grauen Kalkfelsen und mit Wein bestellten Hängen zum Area Science Park in Padriciano und nach Basovizza, wo die als Nationaldenkmal ausgewiesene Foiba passiert wird. Anschließend taucht die Tour in die Natur des Karstgebirges ein und durchquert das Rosandratal, eine schmale, vom Wasser geschliffene Schlucht mit Felsriffen und Ausblicken auf den Golf von Triest. Über den Bosco Stena und das kleine Dorf Sant’Antonio in Bosco folgt man schließlich dem Rad- und Fußweg Cottur. Dieser führt entlang der alten Bahnstrecke Triest–Kozina in die Stadt und bietet einen spektakulären Blick auf den Golf. Der Weg stellt eine derzeit sicherere Variante als die offizielle Strecke dar.

Entlang der Route laden die Osmize, die meist saisonal geöffneten Lokale der Karst­region, zu einem Besuch ein. In diesen bieten Winzer und Bauern ihre Weine sowie Produkte wie Käse, Wurst, Eier, Brot und einfache Gerichte an, darunter das hochwertige native Olivenöl extra aus dem Rosandratal. Wer es typisch triestinisch mag, probiert eine Jota: einen Eintopf aus Bohnen, Kartoffeln, Fleisch und Sauerkraut.