Der Alpe-Adria-Radweg zählt zu den schönsten Radrouten Europas. Er verbindet nicht nur Orte miteinander, sondern verwebt sie auf besondere Weise. So ergibt sich ein dreitägiges Abenteuer, das mit den Geschichten, Genüssen und atemberaubenden Ausblicken der Region gefüllt ist.

Die Route führt von den Tälern und Gipfeln der Julischen und Karnischen Alpen, über Flüsse, Moränenhügel und die Friulanische Ebene bis zur Lagune von Grado und schließlich zur Adria. Die durchgehend gut ausgeschilderte Strecke verläuft teilweise auf stillgelegten Bahntrassen, führt über Viadukte und durch kühle Tunnel und vorbei an glitzernden Flüssen.

Etappe 1: Tarvis bis Venzone

Die erste Etappe des Alpe-Adria-Radwegs startet in der Bergstadt Tarvis, die als Tor zu den Julischen Alpen gilt und am Schnittpunkt von Italien, Österreich und Slowenien liegt. Von dort aus folgt der Weg alten Bahntrassen und führt sanft abwärts. Über die nächsten Stationen – Valbruna, Ugovizza und Malborghetto – zieht man durch ein Tal, in dem jede Ortschaft ihre eigene Geschichte bewahrt hat. Alte Häuser und Kirchen zeugen davon, dass hier schon seit langer Zeit Menschen leben und arbeiten. Weiter geht es nach Pontebba und vorbei am Bergdorf Chiusaforte, wo sich das Tal weitet. In der Nähe liegt die Gemeinde Moggio Udinese, die eine markante Abtei aus dem 13. Jahrhundert beherbergt. Für diese lohnt sich eine kurze Abfahrt vom Radweg. Entlang des Weges laden immer wieder auch liebevoll restaurierte ehemalige Bahnhöfe zu Pausen ein. Anschließend folgt der Weg dem Fluss Fella, der die Orte Carnia und Portis Vecchio durchquert. In diesem Abschnitt verändert sich die Atmosphäre spürbar: Es wird rauer, ursprünglicher und etwas zurückgezogener.

Am Ende der ersten Etappe erreicht man Venzone, eine kleine Stadt mit mittelalterlichem Charakter. Nach den schweren Erdbeben im Jahr 1976 wurde der Ort fast vollständig zerstört. Doch die Menschen ließen sich nicht unterkriegen, beseitigten die Trümmer und bauten ihn wieder nach mittelalterlichem Vorbild auf.

Etappe 2: Venzone nach Udine

Von Venzone aus führt die Route durch die sanfte Hügellandschaft des Friauls. Der erste Höhepunkt ist die Stadt Gemona del Friuli, die mit ihrer Burg, den historischen Palästen, Kirchen und Museen beeindruckt. Von dort aus folgt die Etappe dem Lauf des Tagliamento und führt an Osoppo mit seiner befestigten Hügelburg vorbei Weiter geht es durch das fruchtbare Friaul, vorbei an kleinen Weingütern, bewirtschafteten Feldern und sanften Hügeln. Allmählich verwandeln sich die wilden Berge des Nordens in eine liebliche Kulturlandschaft. Die Luft wird spürbar milder, das Licht weicher. In Tavagnacco angekommen, erreicht man das Obere Friaulische Flachland. Von dort aus geht es weiter in den Botanischen Park am Bach Cormor, eine 30 Hektar umfassende Naturoase am Stadtrand von Udine.

Bei diversen Zwischenstopps entlang der Etappe können die kulinarischen Genüsse des Friauls probiert werden. Zum Beispiel die Gubana. Diese typische Süßspeise wird nach traditionellem Rezept aus dem Natisone-Tal zubereitet. Es handelt sich um ein Gebäck aus Germteig, das zur Schnecke gerollt und mit Rosinen und verschiedenen Nüssen gefüllt ist.

 Udine – Piazza Libertà
 Udine – Piazza Libertà © N. Brollo (Fin.FESR u. Interreg IT-AU 2014-2020 Projekt BIKE NAT)

In Udine angekommen, laden Kirchen, Museen, lebhafte Plätze und schattige Arkaden zu einem entspannten Ausklang der Etappe ein – idealerweise in Kombination mit einem Glas Wein aus dem Collio, Prosciutto di San Daniele und Montasio-Käse, während man gedanklich schon dem Meer entgegenblickt, das bereits am nächsten Tag lockt.

Etappe 3: Udine nach Grado

Ausgehend von Udine führt die dritte Etappe durch malerische Orte wie Baldasseria, Pradamano und Pavia di Udine, die durch beeindruckende venezianische Villen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert geprägt sind.

In Palmanova, jener sternförmigen Festungsstadt und UNESCO-Welterbe, lohnt sich ein Stopp, um die besondere Architektur und historische Atmosphäre zu erleben. Es geht weiter nach Strassoldo, wo Schlösser mit prächtigen Gärten die Route säumen. Der eigentliche Höhepunkt wartet jedoch am Ende der Etappe: Während man auf der Brücke der „Sonneninsel Grado” und damit dem Endziel des Radweges entgegenradelt, eröffnet sich links die Lagune mit der Wallfahrtsinsel Barbana und rechts die Hafeneinfahrt, die sich zum Meer hin öffnet. Möwenrufe und Wellenrauschen begleiten auf diesem letzten Abschnitt. Mit jedem Meter wird klarer, dass diese letzte Strecke weniger ein Ziel als eine Einladung ist – zum Dolce Vita am Meer.