Es sei durchaus „emotional“, gesteht Othmar Ederer. Für ihn sei es – nach knapp 40 Jahren – die letzte Bilanzpräsentation. Im Mai 1987 war er als damaliger Vorstand erstmals bei einer Bilanzpressekonferenz der Grazer Wechselseitigen dabei. Im Februar übergab der langjährige frühere Generaldirektor (1997-2017) auch den Vorsitz in der Grawe-Vermögensverwaltung an Klaus Scheitegel.

Zum „Abschied“, Ederer bleibt Aufsichtsratschef der Grawe-Bankengruppe, wurde noch die Bilanz für 2025 vorgelegt. Bei der Grawe AG, die das Versicherungsgeschäft in Österreich umfasst, konnte das Vorsteuerergebnis (EGT) von 69,6 Millionen Euro 2024 auf 96,7 Millionen im vergangenen Jahr gesteigert werden. Nach dem von schweren Naturereignissen wie Starkregen und Überschwemmungen geprägten Jahr 2024 sei das Vorjahr ein „Entlastungsjahr“ gewesen, so Scheitegel. Die geringeren Unwetterschäden sorgten für eine geringere Schadenentwicklung, was das „gute Ergebnis unterstützt“ habe.

Sowohl im Schaden-/Unfallbereich als auch bei der Lebensversicherung sei man mit plus 8,5 Prozent bzw. plus 2,1 Prozent über dem Marktschnitt gewachsen, so Scheitegel. Auch mit der Entwicklung des 2024 unter der Marke „MyMed“ gestarteten Segments der Krankversicherung sei man ob der Wachstumsraten „sehr zufrieden“, man orte hier noch viel Potenzial. Österreichweit betreue die Grawe rund 732.000 Kundinnen und Kunden und habe 2,8 Millionen aktive Verträge im Bestand.

Investitionen und Expansion

Die vergangenen Monate standen bei der Grawe im Zeichen von hohen Investitionen und Zukäufen. Wie berichtet, wurden in der Grazer Innenstadt von der Generali vier Liegenschaften gekauft, darunter das Haus neben der Grawe-Zentrale, „das ermöglicht Denkoptionen für den eigenen Standort“, sagt Scheitegel. In Vorbereitung des 200. Gründungsjubiläums der Grawe im Jahr 2028 wird die Generaldirektion in der Grazer Herrengasse derzeit umfassend saniert und renoviert. Das Gebäude dient bereits seit 1895 als Zentrale – und wurde damals unter Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet.

2025 erfolgte auch ein Expansionsschritt in Zypern, wo man nunmehr auch als Erstversicherung vertreten ist, wie Ederer betont. Die Integration sei rasch und gut über die Bühne gegangen, „wir haben im Juli den Vertrag unterzeichnet und im Oktober das Rebranding abgeschlossen“. Einen Zukauf tätigte zudem auch die Grawe-Bankengruppe (u. a. Bank Burgenland, Schelhammer Capital, Dadat), die die Anadi-Bank übernommen hat. Seit heuer ist die Grawe auch in Armenien vertreten – und kommt damit auf 20 Auslandsgesellschaften in 14 Ländern. „Wir fühlen uns dort sehr wohl“, sagt Ederer. Die Diversifizierung in die Bereiche Versicherungen, Banken und Immobilien bleibe das Fundament, so Scheitegel.

Erstmals Vorsteuerergebnis von mehr als 200 Millionen Euro

2025 sei für die Grawe-Gruppe, also inklusive Auslandsgesellschaften und Banken, mit ihren mehr als 5300 Beschäftigten, 2,6 Millionen Kunden und 7,6 Millionen Verträgen „das bisher erfolgreichste Jahr gewesen“, so Ederer. Erstmals konnte man beim Ergebnis (EGT) die Marke von 200 Millionen Euro, konkret 202,4 Millionen, durchbrechen – im Jahresvergleich entspricht das einem Plus von 3,4 Prozent.

Der Prämienzuwachs habe 6,7 Prozent auf 1,631 Milliarden Euro betragen, „gleichzeitig konnte das Eigenkapital der Grawe-Gruppe um rund sieben Prozent auf 2,19 Milliarden Euro gesteigert werden“. Mit einem Solvabilitätsgrad von mehr als 300 Prozent bei der Grawe AG sowie rund 250 Prozent bei der gesamten Gruppe übererfülle man die gesetzlichen Anforderungen von 100 Prozent deutlich.

„Gemeinsame, solidarische Lösung nötig“

Ederer nutzte seine Abschiedspressekonferenz auch für einen Appell in Richtung Politik: Vor dem Hintergrund der jüngsten massiven Waldbrände in Österreich, „das waren Dimensionen, die wir hier bisher noch nicht gesehen haben“ und der Naturkatastrophen in den Jahren davor, plädiert er einmal mehr für „eine gemeinsame, eine solidarische Lösung“. Etwa durch eine Koppelung der Katastrophenrisiken an die Feuerversicherung, mit staatlich unterstützen Prämien wie in anderen Ländern. Es gehe auch um mehr Eigenverantwortung.