Schutzhütten haben sich zum sozialen, alpinen und touristischen Brennpunkt entwickelt. Noch immer sind sie jener Rückzugsort für Alpinistinnen und Alpinisten, der ihrer ursprünglichen Bestimmung entspricht. Sie sind aber heute auch als touristische Infrastruktur nicht mehr wegzudenken. Und sie sind ein sozialer Brennpunkt geworden. In der Schutzhütte werden die hohen Ansprüche aus dem Tal in die Berge getragen und treffen dort auf Realitäten des alpinen Raumes, der auch dem Klimawandel ziemlich direkt ausgesetzt ist – Wasserknappheit auf Schutzhütten ist nur eines von vielen Themen.
150 Jahre Glocknerhaus
Das Glocknerhaus an der Glockner Hochalpenstraße wird heuer 150 Jahre alt. In einer aktuellen Ausstellung im Kärnten.museum präsentiert der Alpenverein Klagenfurt ausgehend von der Geschichte seines Glocknerhauses die weitverzweigten thematischen Verästelungen. Wer das ehrwürdige Museum betritt, betritt gleichzeitig einen Nachbau des Glocknerhauses: „Eineinhalb Jahre Arbeit stecken in diesem Projekt, das Glocknerhaus hat uns der Lavanttaler Tischler Markus Darmann nachgebaut“, erklärt Sektions-Chef Daniel Sebastian Uschounig. Man befindet sich gleich unterhalb eines Matratzenlagers. „Wir sind kein Hotel“, sagt Uschounig, auch wenn man „in einer Spirale gefangen ist, weil alle Beteiligten Begehrlichkeiten haben“: „Wir müssen einerseits die Vorgaben der Behörden erfüllen und durch Umbauten wecken wir auch bei den Gästen Begehrlichkeiten. Auch Pächter hätten gerne alle Bequemlichkeiten, die sie im Tal gewöhnt sind.“
Schnell wurde das Haus sehr beliebt
Die Bauarbeiten für das Haus begannen im Juni 1875, schon zehn Jahre nach Gründung musste man das Haus vergrößern, weil 1500 jährliche Besucherinnen und Besucher zu viel waren. Das Glocknerhaus war ein früher Zugang zum Großglockner von Kärntner Seite aus. „Aktuell bewirtschaften wir das Haus mit einem Restaurant-Team selbst und renovieren es. In den nächsten drei Jahren werden wir einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag bis hin zu einer Million Euro investieren“, sagt Uschounig.
In der Ausstellung hängen auch alte Speisekarten, die nichts zu Wünschen übrig ließen: Ein Kalbsbraten kostete 60 Kreuzer, ein Schnitzel ebenfalls. Selbst Schokolade war um 36 Kreuzer erhältlich. Und eine Speisekarte aus den letzten Tagen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wartet mit Kalbsbraten oder Schweinskotelett auf. Die Gäste ließen es sich also schon immer gut gehen, egal ob sie mit Kreuzer, Kronen, Schilling oder mit Euro zahlten. „Über die Nachbildung des Glocknerhauses gelangt man in die Ausstellung“, sagt Uschounig.
Immer mehr Arbeit mit den Wegen
Das Thema Wege wird mittels einer interaktiven Karte veranschaulicht: „Wege sind eine alpine Hauptinfrastruktur. Ohne Wege keine Hütten, wohl auch keinen Alpenverein.“ 550 Kilometer Wege betreut allein die Sektion Klagenfurt: „Aufgrund der Umwelteinflüsse sind wir extrem gefordert, die Arbeit wird auch zu 100 Prozent ehrenamtlich geleistet“, sagt Uschounig. Jahr für Jahr wird der Aufwand größer, auch finanziell. Wer in anderen Weltgegenden in die Berge geht, wird schnell merken: So gut wie hierzulande ist die Orientierung wohl nirgends möglich. Fauna und Flora oder die Veränderung der Gletscher sind weitere Themen der Ausstellung, die sich auch an Kinder richtet: Man kann das Fell eines Murmeltiers und Alpenschneehuhns streicheln oder verschiedene Gesteine angreifen. Fachlich unterstützt wurde der Alpenverein von Claudia Dojen (Abteilung Erdwissenschaften) und Laura Waldner (Abteilung Zoologie) vom Kärnten.Museum. Einen nicht unwesentliche Information hat Uschounig noch: „Für Mitglieder ist die Ausstellung sowie das gesamte Kärnten.Museum gratis zu besichtigen, wir wollten unseren Mitgliedern damit etwas bieten.“