Es beginnt meistens harmlos. Man braucht einen Toaster. Oder einen Wasserkocher. Vielleicht bloß etwas für Kaffee. Zwei Monate später sitzt man nachts vor Videos italienischer Espressokannen und diskutiert ernsthaft über die emotionale Wirkung von Kühlschrankfarben. Denn manche Küchengeräte sind längst keine Geräte mehr. Sie sind Charaktere.
Die KitchenAid etwa steht nicht einfach auf der Arbeitsplatte. Sie residiert dort. Schwer, glänzend und selbstbewusst wie ein amerikanischer Straßenkreuzer vermittelt sie das beruhigende Gefühl, theoretisch jederzeit Brioche backen zu können. Selbst Menschen, die seit Jahren keinen Germteig angerührt haben, wirken neben ihr plötzlich wie ambitionierte Hobbybäcker.
Dabei stammt die Maschine ursprünglich aus Großbäckereien. Erst später zog sie in Privathaushalte ein und wurde zum emotionalen Zentrum stylischer Küchen. Die KitchenAid verkauft keine Küchenmaschine. Sie verkauft die Vorstellung eines Lebens, in dem sonntags Zimtschnecken gebacken werden und man Leinentücher besitzt.
Wer morgens allerdings weniger an Zimtschnecken als ans Überleben denkt, landet früher oder später bei der Bialetti. Diese kleine achteckige Espressokanne zischt und brodelt mit einer Dramatik, als hinge das Schicksal Italiens vom nächsten Kaffee ab. Erfunden wurde sie, nachdem Alfonso Bialetti Waschmaschinen beobachtet hatte, die heißes Wasser durch Rohre pressten. Dass ausgerechnet eine Wäscherei zur Mutter italienischer Kaffeekultur wurde, gehört zu den schönsten Zufällen der Designgeschichte. Vielleicht wirkt die Moka Express deshalb bis heute so angenehm unperfekt. Sie ist kein steriles Präzisionsgerät, sondern ein Ritual mit Geräuschkulisse.
Ganz anders Le Creuset. Dieser Topf sieht aus, als könnte er gleichzeitig Coq au Vin kochen und ein kleines französisches Dorf verteidigen. Selbst wenn darin bloß Pasta aufgewärmt wird, entsteht sofort die Aura kulinarischer Kompetenz. Die berühmte orange Farbe entstand übrigens beim Blick in glühendes Eisen. Zwei belgische Spezialisten sahen in einer Gießerei die vulkanartige Glut geschmolzenen Metalls und beschlossen, genau daraus die Farbe ihres Kochgeschirrs zu machen. Während andere Töpfe möglichst unsichtbar sein wollten, wurde Le Creuset plötzlich zur Küchendekoration.
Womit wir bei der vielleicht glorreichsten Fehlkonstruktion der Designgeschichte wären: der Zitronenpresse „Juicy Salif“ von Alessi. Philippe Starck zeichnete sie angeblich auf eine Serviette in einer Pizzeria auf Capri. Drei lange Beine, ein silberner Körper, irgendwo zwischen Tintenfisch und Raumstation. Das Faszinierende: Fast jeder weiß, dass sie mittelmäßig Zitronen presst. Und fast niemanden stört es. Die Juicy Salif beweist endgültig, dass Menschen bereit sind, praktische Schwächen zu verzeihen, solange ein Objekt aussieht, als könnte es auch im Museum of Modern Art stehen.
Der Dualit Toaster verfolgt wiederum eine völlig andere Philosophie. Er sieht aus, als wäre er ursprünglich für britische Kriegsschiffe gebaut worden. Chrom, Hebel, massive Schalter. Während moderne Toaster oft nach wenigen Jahren verschwinden, vermittelt ein Dualit das beruhigende Gefühl, auch kleinere Zivilisationskrisen zu überstehen.
Und dann kam Smeg und machte Kühlschränke plötzlich sexy. Jahrzehntelang waren sie weiße Kästen, die möglichst unsichtbar sein sollten. Smeg gab ihnen Rundungen, Chromgriffe und Farben wie italienische Motorroller an der Riviera. Der FAB-Kühlschrank ist weniger Haushaltsgerät als gut gelaunter Mitbewohner.
Was fast zwangsläufig zum Bugatti Vera Kettle führt. Ein Wasserkocher, der aussieht, als hätte ein Mailänder Modedesigner beschlossen, kurz Haushaltsgeräte zu entwerfen. Seine spiegelnde Form wirkt derart elegant, dass man sich beinahe schlecht fühlt, darin bloß Wasser zu erhitzen.
Vielleicht ist das überhaupt das Geheimnis großer Küchengeräte. Sie lösen selten nur praktische Probleme. Sie erzählen Geschichten über das Leben, das wir gerne führen würden. Und selbst wenn sie am Ende bloß herumstehen — sie tun das wenigstens mit bemerkenswerter Haltung.