Eine Kanalisation ist wie der Blutkreislauf einer Stadt. Versteckt unter Asphalt und Beton fließt, was in den Haushalten verschwindet, durch ein verzweigtes Netz aus Rohren, bis es schließlich im Herzen der Wasserwirtschaft landet: der Kläranlage. Sehen wir uns nun also die Reise des Abwassers in St. Veit an.
Alles beginnt mit dem Betätigen der WC-Spülung. Über den Hauskanal, für den der Hauseigentümer verantwortlich ist, fließt das Wasser in den Hauptkanal. Normalerweise rinnt durch solche Kanäle wirklich nur Schmutzwasser. Im Innenstadtbereich hingegen gibt es auch Mischwasserkanäle, bei denen sich Regenwasser zum Abwasser dazugesellt. „Das Kanalisationsnetz in St. Veit wurde ab den 1960er Jahren errichtet – die Kanäle im Innenstadtbereich sind teilweise noch älter – leider sind aus dieser Zeit nur noch wenig bis keine Unterlagen vorhanden“, erklärt Daniel Kohlweiß, Abteilungsleiterstellvertreter im Bauhof mit Schwerpunkt auf Tiefbau.
Glandorf wurde zum Beispiel in den 70er-Jahren an das Abwassernetz angeschlossen, St. Donat und Hörzendorf in den 90ern und in den 2000ern kam der Muraunberg dazu. Im Jahre 1977 wurde der Reinhalteverband für das Gebiet St. Veit gegründet, zu dem auch noch die Gemeinden St. Georgen am Längsee, Frauenstein, Liebenfels und Glanegg gehören. Doch zurück zu den Kanälen. Diese können von 150 Millimetern bis zu 1,2 Meter groß sein. Meist bestehen sie aus Beton, PVC oder Keramik.
„So gut wie alle dieser damalig errichteten Rohrsysteme sind auch heute noch in Betrieb“, sagt Kohlweiß. „Die Keramik- und Betonrohre müssen wir am ehesten sanieren, da sie zu Brüchen neigen.“ Entgegen aller Erwartungen wird die Erde nicht aufgegraben, wenn ein Rohr zum Sanieren ist. „Das ist nur die letzte Lösung.“ Vielmehr setzt man auf das sogenannte Inline-Verfahren. Hierfür werden entweder feste Rohre oder mit Kunstharz getränkte glasfaserverstärkte Kunststoffschläuche oder Nadelfilzschläuche in die kaputten Rohre hineingezogen und anschließend mit Heißluft aufgeblasen. „Es wird sozusagen ein Rohr im Rohr. Das System verlängert die Lebensdauer des Kanals um mehr als 50 Jahre.“
Im Einsatz ist auch ein Spülwagen. Mit ihm können Kanäle gereinigt und auch ausgepumpt werden. Ebenso kommt dieser Wagen bei Senkgruben und privaten Kleinkläranlagen zum Einsatz. „Wir fahren mit unserem Spülwagen bis ins Gurktal“, erklärt der Tiefbaufachmann. Je nach Verschmutzung schafft es der Wagen, einen Kilometer Kanal innerhalb von ein bis zwei Tagen zu reinigen.
So fließt also das Abwasser durch das Kanalnetz, durch dunkle Schächte und enge Passagen, bis es schlussendlich am wichtigsten Punkt ankommt: der Kläranlage. Sprudelnde Becken, teils eigensinnige Gerüche und mächtige Zentrifugen sind hier zu finden. Hier sind Bakterien und fünf geprüfte Klärfacharbeiter am Werk. 3,3 Millionen Kubikmeter Wasser werden hier jährliche gereinigt. Rund 7500 Kubikmeter sind es pro Tag. Fertiggestellt wurde sie in den 80er-Jahren. 2001 bis 2003 wurde sie auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Seitdem ist die Anlage für 65.000 Einwohnerwerte (Anzahl an Einwohnern im Einzugsgebiet der Kläranlage) ausgelegt.
Stößt die Anlage damit nicht bald an ihre Grenzen? „Wir haben genug Kapazitäten und eine Auslastung von 70 Prozent“, versichert Betriebsleiter Michael Reibnegger. Blickt man nun auf die Anlage, so findet man zwei große sowie zwei kleine Becken, in denen viele fleißige Bakterien am Werkeln sind. Neben diesen Belebungsbecken gibt es auch noch zwei Nachklärbecken, die dazu da sind, dass sich der Klärschlamm vom gereinigten Wasser trennen kann. Zusätzlich gibt es ein großes Depot, aus dem das Wasser mit Schneckenpumpen einen Stock höher befördert wird. Am besten lassen sich diese Pumpen als überdimensionierte archimedische Schrauben beschreiben. 300 Liter pro Sekunde werden an einem normalen Tag mit ihnen befördert. Bei Regen wird es sogar noch mehr.
In der Kläranlage befindet sich außerdem ein eigenes Labor. „Hier machen wir täglich Eigenüberwachungen. Einmal im Monat geben wir unsere Proben auch an ein Fremdinstitut zur Überprüfung“, sagt Reibnegger, der seit 1999 in der Anlage arbeitet. „Wir kommen auf rund 3000 Messungen im Jahr für die Abwasseranalytik.“ Ein Problem, mit dem man in der Kläranlage zu kämpfen hat, sind achtlos im WC runtergespülte Gegenstände. Diese verursachen enorme Wartungskosten. „Wir haben schon ein Gebiss gefunden und es kommen auch immer wieder Anfragen wegen runtergespülter Eheringe. Diese zu finden ist aber nicht möglich.“
Ein gesamter Durchlauf der Kläranlage nimmt einige wenige Tage in Anspruch. Am Ende wird das Wasser mit über 90 Litern pro Sekunde über ein Rohr in die Glan befördert. „Wir müssen auch das ganze Phosphat aus dem Wasser entfernen, damit es zu keinem Algenwachstum kommen kann, wenn das Wasser die Anlage verlässt.“ Alle 2–3 Jahre wird eines der Becken komplett trockengelegt und gereinigt.
Sollte einmal ein Blackout stattfinden, so ist man in der Kläranlage bestens gerüstet. Durch ein Notstromaggregat kann zumindest ein Teilbetrieb für 1,5 Tage gewährleistet werden. „Wir haben auch die Möglichkeit, von der Stadt St. Veit, Diesel zu bekommen, damit der Betrieb weiter aufrecht bleiben kann.“ Der Reinhalteverband hat neben der Kläranlage auch 74 Pumpstationen im Blick. Diese Stationen sind überall im Gebiet verteilt und leiten Abwasser zum nächstgelegenen Kanal, dieser führt wiederum zur Kläranlage. Und so endet auch der Wasserkreislauf in St. Veit wieder, nur um sich am nächsten Tag zu wiederholen.