Was zeichnet den  Baustoff Holz  in besonderem Maße aus?

Fritz Klaura: Holz ist ein nachwachsender Universalstoff, den uns die Natur zur Verfügung stellt. Einerseits wird beim Wachstum eines Baumes CO2 gebunden und in Holzmasse „umgewandelt“, andererseits erzeugen die Bäume den für uns lebenswichtigen Sauerstoff (O). Verwenden wir Holz, so binden wir aktiv CO2, zumindest so lange, bis das entsprechende Holzprodukt verbrennt oder vermodert. Denn dann wird ebenso viel CO2 wieder freigesetzt und der Atmosphäre zurückgegeben wie der Baum zu Lebzeiten gebunden hat. Das nennen wir CO2-neutral. Der Wald an sich ist eine geschlossener CO2-Kreislauf. Erst wenn wir Holz daraus entnehmen und in Bauwerken speichern, betreiben wir aktiven Klimaschutz.

Holz hat weiters ein enormes Verwendungsspektrum. Vom Baumaterial (das schon selbst als Dämmstoff wirkt) für Hochhäuser, Brücken, über Papier, Zellfasern für die Textilindustrie, die daraus Hemden und andere Bekleidungsstücke fertigt, über lebensmittelechte Gefäße wie Weinfässer bis hin zum Jausenbrett und weiter zu Medizinprodukten.

Holzbaumeister und Holzbaufachberater Fritz Klaura hat die fachlich kompetenten Antworten, wenn es um Bauen mit Holz geht
Holzbaumeister und Holzbaufachberater Fritz Klaura hat die fachlich kompetenten Antworten, wenn es um Bauen mit Holz geht © Sissi Furgler Fotografie

Wie lässt sich Holz im Haus- und Wohnbau einsetzen?

Es gibt verschiedene Arten, den Baustoff Holz in einem Wohnhaus zu verwenden.

Das älteste, in unseren alpinen Breiten bekannte „System“ ist jenes des Blockbaus. Hier werden einzelne Stämme oder Kanthölzer kranzweise übereinandergelegt und bilden so eine Wand.

Eine „sparsamere“ Variante ist der Riegelbau, der sich in weiterer Folge zum „Rahmenbau“ weiterentwickeln ließ. Hier werden ähnlich einem Gerippe die Wände, die Decken und auch die Dächer in transportierbaren Größen in den Werkstätten der Holzbaubetriebe vorgefertigt. Je nach Kundenwunsch kann man den Ausbaugrad festlegen. Die Dämmungen liegen dabei in der gleichen Ebene wie das Gerippe, die „Hohlstellen“ werden mit Dämmstoffen befüllt. Die weiteren Schichten an Innen- und Außenseite wie auch die Fenster und fertige Fassade können schon im Werk montiert werden. Somit ist eine enorm kurze Bauzeit auf der Baustelle vorprogrammiert.

Wo spielt Holz seine Stärken aus?

Die ganz große Stärke liegt wohl in der Eigenschaft der Bäume, Sauerstoff (O) zu produzieren und gleichzeitig CO2 zu binden bzw. in Holzmasse umzuwandeln.

In den letzten 200 Jahre verursacht die Menschheit mit ihrer ungeheuren Sucht nach Erdressourcen und Energie den Klimawandel. In diesem Zusammenhang kommt Holz eine ganz besondere Bedeutung zu. Wir sollten eigentlich alles, was wir oberhalb des Erdniveaus bauen, in Holz errichten! Denn so können wir massenhaft CO2 einspeichern und bewirken auch noch, dass unsere Wälder weiterhin vorbildlich bewirtschaftet werden, womit wiederum der Sauerstoffproduzent Wald intakt bleibt. Wenn wir das Holz im Wald belassen würden, so wäre der Wald für sich allein CO2-neutral und wir wären weiterhin mit den klimaschädlichen Auswirkungen ressourcenintensiver Materialien konfrontiert. Die Holzverwendung ist absolut zukunftsweisend und notwendig!

Welche wirtschaftliche Bedeutung kommt Holz als heimischem Baustoff zu?

Allein in Kärnten verdienen rund 23.000 Menschen ihren Unterhalt mit Holz. Die Wertschöpfungskette Holz erwirtschaftet rund 20 Prozent des Kärntner Bruttoinlandsproduktes. Somit ist dieser Wirtschaftszweig der größte des Landes.

Blicken wir in die Zukunft: Wie wohnen Herr und Frau Österreicher im Jahr 2040?

Die Wohnsituation verändert sich nur langsam. Denn die Errichtung eines Einfamilienhauses bedeutet für den Großteil der Bevölkerung die größte Investition des Lebens. Und den gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechend muss ein Gebäude eine Gebrauchstauglichkeit (bei entsprechender Wartung und Pflege) von mindestens 100 Jahren erfüllen. Viele heimische Bespiele von Holzhäusern zeigen jedoch eine viel längerer Nutzungsdauer, die schon einmal 500 Jahre und mehr betragen kann. Was wir aber mit Sicherheit heute schon prognostizieren können, dass im Jahr 2040 die Wohnsituation von sehr viel Naturmaterialien geprägt sein wird. Holz, egal ob als tragendes Element oder nur als Innenbekleidung von Räumen, bildet für uns eine „zweite Haut“ und wirkt sich nachweislich positiv auf den menschlichen Organismus aus. Und schließlich wird es ein MUSS, Holz zu verwenden, wenn wir den Globus für unsere Nachkommen als lebenswert erhalten wollen.

Entstanden in Kooperation mit proHolz Kärnten.