Der Regen der vergangenen Tage sei zu einer für die Weinernte wichtigen Zeit gekommen, erklärt Präsident des Österreichischen Weinbauverbands, Johannes Schmuckenschlager. Nun könnten die Trauben noch mehr Flüssigkeit aufnehmen. Dementsprechend rechnet der Verband heuer wieder mit einer durchschnittlichen Ernte von rund 2,4 Millionen Hektolitern.

Wobei die trockenen Monate dafür gesorgt haben, dass die Qualität der Weine heuer wieder hoch sein werde. "Wenn auch mit etwas weniger Säure", sagt Schmuckenschlager. Die Erwartungen an die Qualität seien hoch, man rechne mit "harmonischen", teilweise auch "kräftigen" Weinen. Hoffen lassen die eher kleinbeerigen Trauben, was "auf Geschmacksintensität schließen lässt".

Aktuell seien die Trauben schon relativ gut entwickelt. Auch wenn erste Frühsorten bereits jetzt gelesen werden, dauere es bei den meisten Sorten bis zur Vollreife noch. Er gehe von einer "intensiven" und kurzen Hauptlese ab Mitte September aus, so der Weinbauverband-Präsident.  Was den genauen Erntezeitpunkt betrifft, komme es nun auf "Fingerspitzengefühl" seitens der Weinbäuerinnen und -bauern an, vor allem mit Blick auf die Wettererwartungen.

Nur moderat Preissteigerung

Bei der Ernte würden vor allem Erntehelfer aus den östlichen Nachbarländern und Rumänien zum Einsatz kommen, sagt Schmuckenschlager. Derzeit gäbe es keine Meldungen über fehlende Arbeitskräfte. Das liege auch daran, dass auch im Weinbau immer öfter automatische Erntemaschinen zum Einsatz kommen. "Die händische Lese findet dann nur noch in speziellen Lagen statt." 

Allmählich halten auch neue Weinsorten in den Weingärten Einzug, wie die auch in der Steiermark angebauten Piwi-Weine. Diese neuen Zuchten sind resistent gegen den Mehltau und brauchen daher wenige Pflanzenschutzmittel. "Einige dieser Weine sind bereits im Qualitätssegment enthalten und werden auch von den Kunden angenommen", sagt Schmuckenschlager. Von einer breiten Marktdurchdringung könne man jedoch nicht sprechen.

Die gestiegenen Produktionskosten gehen auch nicht an den Winzerinnen und Winzern vorbei, sagt der Weinbau-Experte. Vor allem Flaschen, Verpackungen oder Verschlüsse sind im Preis stark gestiegen. Und einige der Kostensteigerungen würden wohl an Endkunden weitergereicht. Diese würden aber moderat bleiben. "Die Weinwirtschaft hat nicht diese Galoppsprünge wie andere Bereiche." Das sei auch auf die Vielfalt und Vielzahl der Betriebe in der Branche zurückzuführen. Im Sektor Wein sei man nicht angewiesen auf zwei- oder drei große Unternehmen, wie das etwa im Biermarkt der Fall sei. "Das ist Garant dafür, dass der Markt relativ stabil bleibt."