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A1, RBI & Co. Weißrussland: Der kräftige Fußabdruck von Österreichs Firmen

82 Unternehmen aus Österreich sind in Weißrussland tätig und zählen zu den wichtigsten Investoren des Landes. Von großer Bedeutung ist der Mobilfunker A1 mit 42 Prozent Marktanteil.

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Das brutale Vorgehen gegen die Demonstranten in Weißrussland wird nun auch für einige österreichische Firmen zum Problem
Das brutale Vorgehen gegen die Demonstranten in Weißrussland wird nun auch für einige österreichische Firmen zum Problem © AP
 

Gegen Weißrussland gibt es nun strengere Wirtschaftssanktionen der EU, zum Teil sind ganze Branchen betroffen. Aus Österreich sind 82 Unternehmen im Land tätig. Bekannt sind vor allem die größeren Engagements in Belarus - der börsennotierten A1 Telekom Austria, Raiffeisenbank International (RBI), des Mautspezialisten Kapsch oder der VIG (Wiener Städtische). Die Großen spielen die Bedeutung der Engagements im osteuropäischen Land aber weiter herunter, hieß es im Ö1-"Mittagsjournal".

Die Wirtschaftsverbindungen zwischen Wien und Minsk laufen insgesamt auf Sparflamme. Trotzdem fällt auf, dass Österreich zuletzt zu den größten ausländischen Investoren im Land zählte - vor allem wegen RBI und A1. Die Telekom hat beispielsweise auch hohe Investitionen in den Aufbau des 5G-Netzes in Weißrussland angekündigt.

Kaum Handel

2019 hat Österreich nach Weißrussland Waren im Wert von 126 Millionen Euro geliefert, das macht nur ungefähr ein Tausendstel der österreichischen Exporte insgesamt aus. Die Einfuhren aus Weißrussland waren mit 26 Millionen Euro noch geringer. Österreich liefert an Weißrussland vor allem Maschinen, Arzneimittel und Metallwaren und bezieht von dort Eisen und Stahl sowie Möbel.

Die RBI hat in Weißrussland ihre Tochterbank Prior. Voriges Jahr hat diese einen Gewinn von 43 Millionen Euro geschrieben. Aber, sagt RBI-Sprecher Christof Danz gegenüber Ö1: "Unsere Tochterbank, die Prior Bank, ist relativ unbedeutend für die RBI, die Prior Bank hat eine Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro, das entspricht ungefähr 1,3 Prozent der Bilanzsumme der gesamten RBI. Der RBI-Konzern hat ein Konzernergebnis von 806 Millionen erzielt." Dem Bericht zufolge hat die Prior Bank 1,3 Milliarden Euro an Krediten vergeben, 80 Prozent davon an Private und 20 Prozent an belarussische Staatsfirmen.

Dass die RBI jetzt im Fokus stehe, liege daran, dass andere europäische Banken erst gar nicht in den weißrussischen Markt eingetreten seien, sagt Danz. "Wir sind die einzige Bank, die dort vertreten ist, der Marktanteil beträgt rund fünf Prozent. Der Bankenmarkt in Belarus ist von den belarussischen Staatsbanken und von russischen Banken dominiert." Vom Sanktionspaket sei die RBI wenig betroffen, so Danz. "Wir sperren uns auch nicht aus Profitgedanken gegen Sanktionen."

A1 mit starker Position

Ähnlich der Versicherungskonzern Vienna Insurance Group. Die VIG ist seit 2002 mit ihrer Tochtergesellschaft Kupala in Belarus vertreten. Sprecher Wolfgang Haas im "Mittagsjournal": "Wir sind hier die Nummer zehn am Markt mit 1,7 Prozent Marktanteil. Das Prämienvolumen beträgt rund zehn Millionen Euro und das ist in Relation zu unserem Gesamtprämienvolumen von 10,4 Milliarden Euro ein sehr kleiner Teil. Und deswegen hat die Gesellschaft für uns sehr geringe wirtschaftliche Relevanz." Sollte es Sanktionen gegenüber der Vienna Insurance Group geben, werde man die natürlich mittragen, sagt Haas.

Sanktionen soll es auch für den Bereich Telekommunikation geben, hier wäre A1 betroffen - wie sehr, könne man noch nicht sagen, sagt A1-Sprecherin Livia Dandrea-Böhm laut Ö1. "Unsere Tochterfirma A1 Belarus hat im Jahr 2020 circa 402 Millionen Umsatz gemacht, das entspricht in etwa neun Prozent vom Konzernumsatz. Im Mobilfunk haben wir ungefähr 42 Prozent lokalen Marktanteil, im Festnetz ist das deutlich geringer, da ist es ungefähr sieben Prozent.

Abhängig von Russland

Größere in Belarus tätige Firma ist noch Kronospan. Die restlichen sind kleinere Unternehmen und wollen laut Wirtschaftskammer am liebsten gar nicht genannt werden.

Weißrusslands Wirtschaft ist stark vom großen Nachbarn Russland abhängig. Es ist mit Abstand der wichtigste Export- und auch Importpartner. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Auflösung der Sowjetunion stellt Weißrussland mit seinem Wirtschaftsmodell des "Staatskapitalismus" immer noch einen Sonderfall dar. Rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung werden von staatlichen Unternehmen erwirtschaftet. Nach Ansicht der meisten Ökonomen konnte das Land diesen Sonderweg gehen, weil es von Russland im Gegenzug für politische Zugeständnisse viele Jahre lang Erdgas und Erdöl zu Preisen erhielt, die weit unter den Weltmarktpreisen lagen.

 

Kommentare (1)
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exilgrazer
1
10
Lesenswert?

Da sieht man wieder:

Geld und Profit steht über den Menschenrechten. Einfach zum Kotzen, diese Konsumgesellschaft und den profitgeilen Unternehmen.