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Historische Serie

Das tragische Ende der steirischen "Titanic"

Kurz bevor die Titanic versank, wollte man in der Steiermark die Mur mit Personenschiffen befahren. Auch dieses Vorhaben endete tödlich. Von Alexandra Kofler

Das Schiff versank in Graz
Das Schiff versank in Graz © KK
 

Kurze Zeit bevor der damals weltgrößte Passagierdampfer zu seiner tragischen Jungfernfahrt aufbrach, versuchte man in der grünen Mark, die Mur für den Personenverkehr zu erschließen. Gespannt erwarteten die Grazer an einem Sommertag 1887 die Ankunft des ersten Murdampfschiffs. Als die „Kübeck“ am Lendkai anlegte staunten sie nicht schlecht.
Die Mannschaft war sichtlich abgekämpft von einer abenteuerlichen Fahrt. Das in Wien gebaute Schraubenschiff fuhr über die Donau durch Ungarn, bis es über die Drau in die Mur gelangte. Einen Monat lang dauerte die mühselige Überstellung, bei der es beinahe täglich zu Zwischenfällen kam. Bereits im Vorfeld hatten erfahrene Schiffskapitäne darauf hingewiesen, dass der Murfluss für die Dampfschifffahrt ungeeignet sei. Heimtückische Stromschnellen, Schotterbänke und Felsen sowie ein zu geringer Pegelstand wären nur mit leichten, flachen Schiffen zu bewältigen. Doch die neu gegründete „Mur-Dampfschiffahrt“ schlug alle Warnungen in den Wind.

Die Dampfschiffe

Die „Styria“ wurde in der Wiener Werft Kroi gebaut. Sie war 15 Meter lang, drei Meter breit und bot Platz für 40 Passagiere.
Es gab noch einen zweiten Murdampfer: Die „Graz“. Nach dem Untergang der „Styria“ wurde deren Betrieb eingestellt.


So mühte sich die „Kübeck“ von Radkersburg bis Graz ganze 19 Tage ab. Die Tageszeitungen verfolgten die unglücksselige Fahrt. Bei Radkersburg geriet der Murdampfer auf eine Schotterbank, wodurch eine Schraube brach. Nach dreistündiger Arbeit wurde das Schiff flott gemacht. Bei Mureck gingen die Kohlen aus, bei Lichendorf gab es wieder eine Panne. Bei der Eisenbahnbrücke in Spielfeld brach erneut eine Schraube. In der Nähe von Ehrenhausen lief die „Kübeck“ auf einen Felsen auf und musste den Anker werfen. Erst als rund 80 Mann das Schiff mit Tauen über eine Stromschnelle hinaufgezogen hatten, ging es weiter.
Bei der Landscha-Brücke brach wieder eine Schraube, und man musste vor Ort übernachten. So ging es im Schneckentempo Richtung Graz. Erst 31 Tage nach ihrem Start in Wien erreichte die „Kübeck“ im Juli 1887 ihr Ziel. Die Städter mussten noch monatelang auf die erste Passagierfahrt warten. Aufgrund der Schäden erhielt das Schiff erst im September 1888 seine Konzession. Als es so weit war, versah die „Kübeck“ ihren Dienst mehr schlecht als recht, sodass der gleichnamige Grazer Statthalter ersuchte, das Schiff umzubenennen. 

Das Schiff bei Ehrenhausen
Das Schiff bei Ehrenhausen Foto © KK

Doch die Geschichte der „Styria“ – wie sie fortan hieß – nahm eine noch schlimmere Wendung. Am 12. Mai 1889 gingen 17 Passagiere an Bord. Es war ein sonniger Pfingstsonntag. Während der Fahrt versagte die Maschine. Die „Styria“ trieb steuerlos auf die Radetzkybrücke zu. An Bord brach Panik aus, einige der Passagiere sprangen in die Mur. Kurz darauf krachte die „Styria“ an einen Brückenpfeiler. Der Dampfer wurde entzweigerissen und versank. Sieben Menschen kamen ums Leben. Die übrigen Passagiere und die Mannschaft wurden gerettet oder schwammen ans Ufer. Nach diesem tragischen Ereignis wurde die Dampfschifffahrt auf der Mur eingestellt.

Kommentare (1)

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Shiba1
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Bereits im Vorfeld hatten erfahrene

Schiffskapitäne darauf hingewiesen, dass der Murfluss für die Dampfschifffahrt ungeeignet sei."
Scheinbar war die Politik damals wie heute schon unbelehrbar. Es drängen sich parallele Gedanken zur angedachten Stadtseilbahn auf.

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