Steirerin des Tages

Chia-Tyan Yang: "Ich habe mich immer doppelt gefühlt"

Chia-Tyan Yang (34) ist Pianistin, Pädagogin, Übersetzerin, Bloggerin, Taiwanesin und Steirerin. Und spielt heute am Multikulti-Ball.

© JÜRGEN FUCHS
 

Für die einen ist das Glas halb leer, für die anderen halb voll. Und genau so kann es Neo-Österreichern aus aller Herren Ländern gehen - viele fühlen sich nirgendwo zugehörig, andere ganz im Gegenteil: "Ich habe mich immer doppelt gefühlt," sagt Chia-Tyan Yang, Steirerin und Taiwanesin. "Zwei Heimatländer zu haben, ist ein Privileg."

Es waren die Liebe zur Musik und die Aussicht auf eine Karriere als Pianistin, die sie veranlassten, im Alter von 13 Jahren ihr Geburtsland und ihre Eltern zu verlassen, um in Graz Klavier zu studieren - und nicht in den bekannten Klassik-Städten Wien oder Salzburg. "Meine Mutter war mit mir hier, um die Stadt anzuschauen und hat sich sofort verliebt." Also zog Chia-Tyan (das bedeutet "gut und süß") Yang in die Steiermark, ohne ein Wort Deutsch zu kennen, kannte in Graz zunächst nur Freunde ihrer Eltern.

Multi in jeder Hinsicht

Heute hat das Multitalent nicht nur Matura, Konzert-Diplom und Lehrbefähigung für Klavier, die Master-Studien Instrumentalpädagogik und Kammermusik und mehrere Auszeichnungen in der Tasche. Yang engagierte sich für "Live Music Now", studiert nebenbei Sprachwissenschaften, übersetzt, unterrichtet und bloggt über Kulturveranstaltungen. Neben dem Duo "Young Music" tourt sie im von ihr mitbegründeten Grazer Salonorchester mit österreichischer Tanzmusik durch die Welt. Das Ensemble ist mittlerweile musikalischer Stammgast des Multikulti-Balls.

"Mein Leben ist multikulti", sagt Yang: "Ich esse meinen Kartoffelsalat mit Kernöl, am liebsten koche ich aber spanisch mit japanischen Gewürzen."

Und damit das nicht ein Geheimrezept bleibt, ist sie als Integrationsbotschafterin seit 2012 in Schulen unterwegs, um davon zu erzählen, wie Integration gelingen kann. Das ist ihr ein echtes Anliegen. Denn: "Es sollte nicht Migrationshintergrund heißen, sondern Vordergrund."

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.