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Afghanische Ratsversammlung beschloss Taliban-Freilassung

Die afghanische Ratsversammlung Loya Jirga hat am Sonntag der Freilassung von 400 Taliban zugestimmt. Dies solle den Beginn von Friedensgesprächen und das Ende der Gewalt ermöglichen, begründete die Versammlung ihren Beschluss. Die radikalen Islamisten begrüßten den Schritt und kündigten an, zehn Tage nach der Freilassung zu Friedensgesprächen bereit zu sein.

© APA (AFP)
 

Nach früheren Angaben aus westlichen Diplomatenkreise sollen entsprechende Verhandlungen demnächst in Doha beginnen. Menschenrechtsgruppen haben die geplante Freilassung der Taliban kritisiert. Bei Kämpfen sowie Anschlägen der Islamisten sind in den vergangenen zehn Jahren schätzungsweise 100.000 Menschen in Afghanistan ums Leben gekommen.

Im Februar hatten sich die USA und die Taliban auf ein Abkommen geeinigt, das den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan ermöglichen soll. Dabei wurde vereinbart, dass als Voraussetzung für Gespräche zwischen den Islamisten und der von den USA unterstützten Regierung in Kabul etwa 5.000 Taliban-Kämpfer aus afghanischen Gefängnissen freigelassen werden sollen.

Die Regierung hatte bereits alle bis auf etwa 400 Extremisten freigelassen, denen sie schwerste Verbrechen vorwirft. Dazu sollen größere Angriffe auf Zivilisten und Ausländer gehören wie ein Autobombenanschlag 2017 nahe der deutschen Botschaft in Kabul, bei dem mehr als 150 Menschen ums Leben kamen.

Die Freilassung der Gefangenen ist umstritten. So sollen sich dem nationalen Sicherheitsrat zufolge Regierung und internationale Partner geeinigt haben, 44 Inhaftierte auf einer "schwarzen Liste" als extrem gefährlich einzustufen. Die Kontroverse wurde gleich zu Beginn der Loya Jirga deutlich, als eine Teilnehmerin während der Eröffnungsrede von Präsident Ashraf Ghani mit einem Transparent protestierte. Sie wurde von Mitarbeitern des Friedensministeriums attackiert und aus dem Saal geworfen. Präsident Ghani verurteilte den Vorfall später und forderte eine juristische Aufarbeitung.

US-Verteidigungsminister Mark Esper bekräftigte indes die Abzugsabsichten der Vereinigten Staaten. Esper sagte am Samstag (Ortszeit) dem US-Sender Fox News, dass die Truppenstärke bis Ende November auf unter 5.000 sinken soll. Derzeit haben die USA 8.600 Soldaten in dem Bürgerkriegsland. US-Präsident Donald Trump hatte jüngst von einer Verringerung auf rund 4.000 gesprochen.

Die Taliban waren in Afghanistan zwischen 1996 und 2001 an der Macht. Eine von den USA angeführte internationale Militärintervention nach den Al-Kaida-Anschlägen vom 11. September 2001 setzte ihrer Herrschaft ein Ende. Heute sind sie wieder verstärkt aktiv im Land.

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