Seit Jahren schreibt der städtische Eigenbetrieb „Wohnen Graz“ Verluste in Millionenhöhe, seit Jahren wird von unterschiedlichen Seiten darauf wahlweise hingewiesen oder vor den Folgen gewarnt – und mindestens ebenso lang wird diese Vorgehensweise von der politisch verantwortlichen Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) verteidigt. Am Donnerstag nun folgte die jüngste Warnung: Auf 95 Seiten stellte das Grazer Kontrollamt (vormals Rechnungshof) seinen Bericht zu „Wohnen Graz“ vor.
Das Fazit von Kontrollamtschef Hans-Georg Windhaber: Eine langfristige strategische Ausrichtung sei nicht erkennbar. Doch gerade in diesem Bereich, der „soziale Sicherheit, städtische Entwicklung und die Verantwortung der Stadt gegenüber Menschen“ berühre, „die auf leistbaren Wohnraum angewiesen sind“, brauche es klare Ziele – und eine „tragfähige Finanzierung“, so Windhaber. „Laufende Ausgaben dauerhaft über ein überzogenes Konto zu finanzieren, ist keine nachhaltige Lösung. Es ist im Gegenteil extrem teuer.“
„Dann muss entschieden werden“
Es brauche also eine „klare politische Entscheidung: entweder ausreichend Zuschüsse der Stadt (auf Kosten anderer Leistungen) oder niedrigere Ausgaben oder höhere Einnahmen. Jede dieser Möglichkeiten hat Folgen. Die politische Abwägung darüber kann nur der Gemeinderat treffen“, so Windhaber. „Denn wenn nicht mehr Geld für alles da ist, wird Steuerung zur Pflicht. Dann genügt es nicht, gute Zwecke zu benennen. Dann muss entschieden werden, wie der Kurs zu ändern ist.“
Kahr hält an Kurs fest
Bürgermeisterin Kahr hält ihren Kurs in Sachen „Wohnen Graz“ ja schon seit Jahren ein: „Es ist selbsterklärend, dass ein solcher Betrieb nie gewinnbringend sein kann. Sonst könnten wir eh gleich wie private Anbieter agieren. So ist das auch bei den Öffis, der Kinderbetreuung und anderen Aufgaben einer Kommune“, betonte Kahr wiederholt. Gerade in diesen Zeiten gehöre leistbares Wohnen dazu.
Zuletzt ein Minus von 5,5 Millionen Euro
So reagierte Kahr auch, als vor knapp einem Monat eine nicht alltägliche Meldung stattfand: Es kam zur einer sogenannten „Ausübung der Redepflicht“ – die beauftragten Wirtschaftsprüfer kontaktierten also Gerhard Uhlmann als Wohnen-Graz-Geschäftsführer, um auf die erheblichen Verluste 2025 formal aufmerksam zu machen sowie auf jene, die man auch 2026 erwartet. Die Verwaltung der Gemeindewohungen hatte für den städtischen Eigenbetrieb ja 2024mit einem wirtschaftlichen Verlust über 8,7 Millionen Euro geendet. Im Jahr darauf lag das Minus „nur“ bei 5,48 Millionen Euro, vor allem dank einmaliger „Sondereffekte“ wie die Erhöhung des Zinszuschusses, so die Wirtschaftsprüfer.