Es ist eine Mischung aus Erfindergeist und Anpackmentalität, die das Lamingtal in seiner über 1000-jährigen Geschichte stets auszeichnete. Deutlich wird das bei einem Besuch im Tragößer Heimatmuseum, in dem unzählige Gegenstände ausgestellt sind, die in der Vergangenheit den Menschen Leben und Arbeit erleichterten.
„Die Region war lange Zeit sehr autark, kaum etwas wurde nicht selbst gemacht. Deshalb hatte sogar jeder Ortsteil einen eigenen Schmied“, erklärt Dieter Reppnigg, der Teil des Vereins ist, der das Museum ehrenamtlich und mit viel Engagement führt.
Quirl bis Steigeisen
Vom Quirl, der aus der Spitze der Christbäume entstand, über damalige Werkzeuge von Bauern, Schuster oder Tischler bis zu einer eingerichteten Holzknechthütte findet man alles. Nicht zu Unrecht fragt Reppnigg immer wieder, ob so mancher Gegenstand im Museum einem überhaupt noch etwas sagt. Und zugegeben: Vieles hat der Redakteur dieser Zeilen tatsächlich nicht erkannt.
Die Steigeisen von Schmied Franz Hafner, hergestellt in Tragöß-Oberort, sind da schon einfacher zu erkennen. Hafner entwickelte dabei Anfang des 20. Jahrhunderts das Urmodell von Oskar Eckenstein weiter – durch das geringe Gewicht seiner Modelle, ihre Schärfe sowie Anpassungsfähigkeit revolutionierte er damit den Alpinismus. „Durch die drei Glieder waren sie auch sehr beweglich“, sagt Reppnigg.
„Teurer als das übliche Gerümpel, aber ihr Geld auch wert“
In der Österreichischen Alpenzeitung, der Zeitschrift des Österreichischen Alpenklubs, war im Jahr 1923 zu lesen: „Beste Ausrüstung ist ein alter Grundsatz jedes erfahrenen Bergsteigers. Warum also nicht auch gleich die besten Steigeisen? Die Original Eckenstein Steigeisen, wie sie Franz Hafner der Steigeisenschmied handschmiedet, sind allerdings etwas teurer als das übliche Gerümpel, aber sie sind ihr Geld auch wert.“
Deswegen schafften es die Eisen von Hafner schon früh bis auf die höchsten Berge dieser Welt. Sie wurden im Mai 1924 bei einer der ersten Mount-Everest-Expeditionen getragen und auch ziemlich genau vier Jahre später bei einer der ersten internationalen Himalaya-Expeditionen.
Ab Juni wieder offen
Wer sich die Steigeisen und auch die vielen anderen Ausstellungsstücke anschauen möchte, kann das ab Juni tun, wenn das Museum wieder aufsperrt. Zusätzlich gibt es in dieser Saison eine Ausstellung zum Thema „Entlang der Laming“, die sich unter anderem mit der damaligen Lamingtal-Schleppbahn sowie der dortigen Flora und Fauna befasst.