Melli lacht laut auf, als Lipizzanerhengst Maestoso Mercurio im Hengststall des Lipizzanergestüts Piber die Erklärungen der Führerin mit einem kräftigen Wiehern kommentiert. Und auch rund um Melli und ihren Rollstuhl sind alle sichtlich bestens gelaunt. Nicht nur weil die kleine Gruppe den Ausflug genießt, sondern vor allem, weil sie gemeinsam Melli und ihrer Mutter Marianne diesen Tag ermöglicht.

Für Melanie, die an der Ahornsirupkrankheit leidet und rund um die Uhr Betreuung braucht, sind Ausflüge keine Selbstverständlichkeit – vielmehr eine Seltenheit. Einfach spontan ins Auto steigen und los geht’s? Das funktioniert bei Melanie und Marianne Hasenhütl nicht. Es braucht ein geeignetes barrierefreies Fahrzeug und viele helfende Hände. Ohne Unterstützung bleibt Mellis Bewegungsradius stark eingeschränkt. Auch wenn Marianne weiß, wie sehr sich Melli über kleine Dinge freut wie einen Spaziergang oder einen Besuch im Gasthaus, begleitet sie trotzdem der Wunsch, Melli Erlebnisse zu schenken, die die Seele nähren.

Die Malteser als Wunscherfüller

Von diesem Wunsch berichtete die Kleine Zeitung am Christtag, und nur wenige Tage später meldete sich Elisabeth Eder vom steirischen Malteser Hospitaldienst Austria. Für die Apothekerin und Mitarbeiterin des ehrenamtlich agierenden Betreuungs- und Rettungsdienstes war sofort klar: Das ist ein Fall für uns: „Wir wollen einen Unterschied im Leben eines Menschen machen und wir wollen helfen, damit die Melli einmal einen Ausflug machen kann, weil wir ein barrierefreies Auto zur Verfügung haben und viele Menschen, die flexibel und spontan sind und gerne Wünsche erfüllen“, so Eder.

Für Marianne fühlt sich diese Nachricht wie ein Wunder an, und schnell steht das Ziel fest: das Gestüt Piber. Dort schließt man sich der Idee sofort an und stellt die Eintrittskarten für Melli und ihre Begleiter kostenlos zur Verfügung.

Beim Eintreffen in Piber am Tag der „kalten Sophie“, die sich lange gnädig zeigt, mischen sich in Mellis Gesicht Neugier, Aufregung und Staunen. Aufmerksam verfolgt sie die Pferde mit ihren Augen, während Alexander Lehner, der sich neben seinem Beruf an der BOKU bei den Maltesern engagiert, den Rollstuhl langsam über den Innenhof schiebt.

Lange bleibt Mellis Blick bei den Stuten und ihren samtigbraunen Fohlen hängen, die verspielt miteinander rangeln. Später streckt eine Stute ihren Kopf über das Gatter. Melli versucht, ihr entgegenzukommen, so weit sie kann. Marianne und Andrea Rauch helfen ihr – und für einen kurzen Moment berühren Mellis Finger das weiche Pferdemaul. Ein berührender Augenblick.

Nicole Benedicto, Kulturvermittlerin am Gestüt Piber, erlebt solche Momente oft: „Die Lipizzaner sind eine Pferdeart, die sehr gut mit Menschen zusammenarbeiten kann, die sehr geduldig, sehr ausdauernd sind und auch Fähigkeiten haben, als Therapiepferde eingesetzt zu werden. Wir erleben hier jeden Tag, dass Kinder, Menschen, die in geschützten Werkstätten arbeiten, oder auch ältere Menschen, die in Pflegeheimen sind und ihre Ausflüge hierher machen, sehr glücklich sind, mit den Pferden zu kommunizieren.“

Lipizzanergestüt Piber: Begegnungen, die berühren

Elisabeth Eder sieht sich bestätigt, wie unverzichtbar Freizeitassistenz ist: „Auch weil es mir heute wieder bewusst geworden ist, dass man außerhalb der Grazer Stadtgrenze eigentlich auf sehr kleinem Raum lebt, wenn man auf irgendeine Weise eingeschränkt ist. Dass es zwar Leute gibt, die ihr Leben meistern, dass aber nur die alltäglichen Bedürfnisse abgedeckt sind, und alles, was Lebensfreude, Abwechslung, positive Eindrücke, Spaß und Teilhabe mit sich bringt, oft leider nur schwer möglich ist.“

Während des Mittagessens hat sich der Himmel zugezogen, und als Alexander Melli am Parkplatz der St. Barbara Kirche in Bärnbach, der bekannten „Hundertwasserkirche“, aus dem Fahrzeug schiebt, fallen die ersten Regentropfen. Aber so ein bissl Regen hält die Ausflügler freilich nicht auf, schließlich mag Melli Kirchen, und Marianne wollte diesen besonderen Ort schon lange besuchen. Ein Windstoß hebt kurz das Regencape, das hastig über Melli gelegt wurde, doch beim zweiten Versuch sitzt es perfekt. Im „Hundertwasserraum“ leuchten die bunten Glasfenster trotz des grauen Wetters und spiegeln damit die Stimmung der Ausflügler wider.

Langsam wird Melli müde. So viele Eindrücke an einem einzigen Tag sind schön, aber auch anstrengend. Zeit für den Heimweg. Noch einmal winkt Melli aus dem Bus der Malteser. Zurück bleibt das Gefühl, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als Freude zu schenken.