Den Abschluss eines außerordentlichen Konzertabends im Grazer Stefaniensaal vorweg: Die Organisatoren des Grazer Musikvereins unter Michael Nemeth sowie ein Vertreter des Hauptsponsors verliehen in feierlicher Form den gastierenden Wiener Philharmonikern die Ehrenmitgliedschaft. Dirigent und Maestro Riccardo Muti hatte diese Auszeichnung gesondert schon vor einem Jahr erhalten. In bewegenden Worten dankte der Sprecher der Wiener Philharmoniker, die seit 80 Jahren in Graz gastieren – zum ersten Mal im Juni 1946 (!) und just diesmal zum 25. Mal – für diese vom Publikum mit Standing Ovations bedachte Auszeichnung.

Haydnsche Tonsprache

Dem vorangegangen waren die letzten drei zum Zwölferpack der „Londoner Sinfonien“ Joseph Haydns zählenden Werke, die, wie der Name sagt, im Jahr 1795 vom Rohrauer Meister anlässlich seines zweiten Aufenthalts an der Themse im „King‘s Theatre“ uraufgeführt wurden. Es sind dies Nr. 102, 103 und die feinsinnige Nr. 104 in D-Dur. Riccardo Muti maß der vorwiegend apollinischen Struktur Haydnscher Tonsprache einen entsprechenden, durchaus werkinhärenten Stellenwert zu. Muti hatte den formalen Verlauf und Zusammenhang stets „im Untergriff“ und vermittelte auf diese Weise mit durchaus sparsam gewählter Gestik eine zu erwartende – und zu erhoffende – der Musik innewohnende „Selbstverständlichkeit“. Und selbstverständlich, so wie‘s dann nämlich erklang, ist da gar nichts – zumal in seinen späteren Werken scheinen Haydns Wendungen recht kühn, ja oftmals zukunftsweisend.

Jubelstürme

Launig, ja mitunter geradezu frech changiert Haydn da zwischen den Tonarten und verpackt all dies in aufwühlende und mitreißende Dynamik. Und erschuf so ein komplexes Geflecht aus Rhythmus, Harmonie und melodischem Verlauf, alles verpackt obendrein noch im ihm eigenen gestalterischen Frohsinn. Summa summarum bildete all dieses einen ganz wunderbar funktionierenden, durch und durch ausgeglichenen, von berechtigten Jubelstürmen umkränzten Dreiklang aus Partitur, wohldosierter dirigentischer Gestik und nicht zuletzt den ganz fabelhaft respondierenden Philharmonikern.