Meist werden bei Architekturwettbewerben Entwürfe für Neubauten eingereicht, von denen die meisten baulich nie Gestalt annehmen. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der „Rear Award“, dessen Sieger im Juni zum ersten Mal verkündet werden sollen. Denn dort stehen Gebäude in Österreich, Deutschland und der Schweiz im Fokus, die sich über lange Jahre bewährt haben und deren Design bis heute relevant ist.
Die zweite Kategorie, der „Rear Transformation Award“, rückt intelligente Umbauten, Erweiterungen oder Umnutzungen in den Fokus – also das vielzitierte Bauen im Bestand. 26 Projekte (davon zwei aus Österreich: Passivhaussiedlung in Ölzbündt, HK Architekten; Feuerwehr und Kulturhaus in Hittisau, Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT) stehen in der ersten Kategorie auf der Shortlist der Jury. 42 Transformationen sind in der zweiten Kategorie nominiert – die vier österreichischen Beiträge im Kurzporträt.
Raum für mehr Energie für Firmenzentrale in Ernstbrunn
Wächst ein Unternehmen, dann muss auch der Firmensitz mitwachsen. 2022 wurde an das bestehende Bürogebäude des niederösterreichischen Stromerzeugers Windkraft Simonsfeld nach Plänen des Architekturbüros Juri Troys an zwei Stellen ein Holzskelettbau angedockt, der nicht nur Räume fürs Arbeiten, sondern auch ein zentrales Atrium, Empfang, Restaurant und Veranstaltungsraum im Erdgeschoß schafft. Ein Stampflehmkern, Tiefenbohrungen für Erdwärme und ein zur Gänze mit Photovoltaikmodulen bestücktes Dach decken den Energiebedarf des Gebäudes in Ernstbrunn. Zudem ermöglicht die Bauweise Flexibilität bei künftigen Anpassungen.
Gelebte regionale Baukultur im Bregenzerwald
Historische Bausubstanz sensibel weiterzuentwickeln ist eine Gratwanderung. Gelungen ist sie im Heimatmuseum im Vorarlbergischen Bezau, wo das denkmalgeschützte Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert um einen neuen Zubau 2024 erweitert wurde. Damit haben die ortsansässigen Architekten Markus Innauer und Sven Matt nicht nur mehr Platz für Ausstellung und Besucher geschaffen, sondern die klassische Ordnung des Bregenzerwälderhauses mit Vorder- und Hinterhaus wiederhergestellt.
Allerdings in einer modernen Interpretation, nicht als rustikale Kopie, aber umgesetzt mit derselben Handwerksqualität aus der Region. Ein wesentlicher Faktor für die Realisierung des Projekts war auch das Engagement der Bevölkerung durch ehrenamtliche Arbeit.
Das „Haus Havanna“ in der Tabakfabrik Linz
Eine der prominentesten Transformationen der letzten Jahre war das Industrieensemble der Tabakfabrik Linz, insbesondere das denkmalgeschützte Lager „Haus Havanna“ aus den 1930er-Jahren. Die Architekturbüros Steinbauer und Kaltenbacher überzogen die Fassade auf sechs Stockwerken mit 70.000 Glasbausteinen für maximale Lichtausbeute in den Räumen dahinter. Horizontale Fensterbänder greifen die historische Fassadengliederung auf.
Ein neues Hinterhaus für einen Hof im Bregenzerwald
Ebenfalls im Bregenzerwald steht der rund 400 Jahre alte Hof, in dessen Hinterhaus, also dem einstigen Wirtschaftsteil mit Stall, Architekt Simon Moosbrugger Raumgefäße für zeitgemäßes Wohnen und Arbeiten integriert hat. Die neue Hülle aus Holz bleibt zurückhaltend, die moderne Gestaltung zeigt sich nur im Inneren des Hinterhauses. Das Vorderhaus blieb weitgehend unangetastet und wurde lediglich behutsam restauriert.