Oft kommt es anders, als man denkt und plant. Nur selten führt ein solcher Weg an die Spitze eines großen Unternehmens. Doch genauso verlief die Laufbahn von Gerda Holzinger-Burgstaller, die 2021 und mit damals nur 41 Jahren zur Vorstandschefin der Erste Bank Österreich befördert wurde. Diese Woche war sie im „Wiener Salon“ der Kleinen Zeitung zu Gast und stellte sich den Fragen von Chefredakteurin Christina Traar und Manfred Neuper, Leiter des Wirtschaftsressorts.

Die Erste Bank und Sparkasse verfügt über 732 Filialen, rund 4,3 Millionen Kundinnen und Kunden, und sie gehört zu den größten Steuerzahlern des Landes – nicht erst seit Erhöhung der Bankenabgabe. Dass diese um weitere drei Jahre verlängert wird, bezeichnete Holzinger-Burgstaller als „nicht förderlich für den Standort“. Auf scharfe Worte in Richtung Regierung verzichtete die Bankerin, die Abgabe sei auch nicht neu, sondern existiere schon seit 15 Jahren. Doch im Regierungsprogramm sei eben ein Auslaufen der erhöhten Abgabe ab 2027 verankert worden. „Das treibt mich schon um: Wie rechtssicher ist das? Wie planbar?“ Dass die Politik zudem eine einzelne Branche herauspickt, um Budgetlöcher zu stopfen, sei auch verfassungsrechtlich bedenklich, so Holzinger-Burgstaller.

„Es gibt keinen Weg zurück“

Wenn die Bankenabgabe von größeren Reformen begleitet würde, die Österreich in fünf Jahren in eine andere Situation brächten, wäre die Sondersteuer auch eher hinzunehmen. „Bis jetzt habe ich aber nichts gesehen“. Es sind viele kleine Hebel, die die Regierung derzeit bei der Konsolidierung bedient. Holzinger-Burgstaller ist sich sicher: Nach der Krise wird es nicht, wie es davor war. „Es gibt keinen Weg zurück. Es braucht ein gemeinsames Aufwachen und es braucht Veränderung.“

Zwar sehe die Bank nach wie vor, also trotz der neuen Unsicherheiten durch den Iran-Krieg, dass die Unternehmen in Österreich investieren würden. „Aber nicht in neue Dinge“, ergänzt Holzinger-Burgstaller. Und zudem zeige sich auch, dass etliche Betriebe zwar investieren, aber nicht am Standort Österreich, sondern im Ausland, nicht zuletzt wegen der Kostendynamik bei Löhnen und Energie hierzulande. „Diese Entwicklung sehen wir leider schon.“

Dass die EZB im Juni das Zinsniveau um einen Viertelprozentpunkt anheben wird, hält Holzinger-Burgstaller „für wahrscheinlicher, als dass es nicht passiert“. Förderlich für die heimische Wirtschaft werde das nicht sein – doch wohl eine notwendige Maßnahme, um die Inflation in ganz Europa einzubremsen.

Abseits von strukturellen Reformen am Gerüst der Republik Österreich nannte die Erste-Bank-Chefin, befragt zu Wünschen an die Politik, den Aufbau eines Kapitalmarktes, „der diesen Namen verdient“. Einen, wenn auch kleinen Schritt, hat die Bundesregierung mit dem Plan zum Ausbau der zweiten Pensionssäule vorgelegt. Einen anderen unternimmt die Bank selbst, die ihrerseits in Finanzbildung investiert. In den Schulen werde in diesem Bereich laut der Bankerin zu wenig Wissen vermittelt.

Bei jungen Menschen ortet Holzinger-Burgstaller ein wachsendes Interesse an Wertpapieren. Allerdings, so merkte sie an, werde das Delta zwischen Männern und Frauen beim Interesse an Finanzen nicht kleiner. Das treibt die erste Frau an der Spitze der Ersten Bank um. „Da werde ich auch dranbleiben.“

Vom „Dorf“ in die Finanzwelt

Aufgewachsen „im Dorf“, wie Holzinger-Burgstaller erzählte, studierte sie erst Wirtschaftswissenschaften, dann Wirtschaftsrecht und war drauf und dran, die Steuerkanzlei des Vaters zu übernehmen. „Das wäre der Klassiker gewesen“. Sie begann auch, in der Kanzlei zu arbeiten, erkannte aber rasch, dass sie sich „was anderes“ für sich vorstellte. Nur was? Durch Zufall sei sie bei der Finanzmarktaufsicht gelandet, sagte Holzinger-Burgstaller, von dort dann bald (2006) zur Erste Group gewechselt.

Der Reiz des „Anderen“ ließ sie auch bei der Ersten nicht los. Doch das muss nicht zwangsläufig „woanders“ sein. Über mehrere Etappen stieg Holzinger-Burgstaller bis an die Spitze der Erste Bank und Sparkasse auf: „Man muss ein bisschen rastlos sein, sonst ist man zu bequem“. Vor zwei Jahren kam zur CEO-Rolle noch jene der Finanzvorständin hinzu. Ihr Mandat läuft vorerst bis Ende 2027. Der Abend klang mit steirischen Schmankerln und Wein vom Weingut Adam-Lieleg aus.