Als mein Schöpfer, ein Professor an der Universität und außerdem ein weiser Mann, mich vor über 20 Jahren erbauen ließ, war Kärnten „wasserreich“ – sogar die Landesausstellung hieß so. Und ich war keineswegs der einzige Pool in der Umgebung! Jeder in Klagenfurt am Wörthersee, der auf sich hielt und es sich leisten konnte, musste trotz des Wörthersees einen Pool haben! Aber der Wörthersee gehörte ja den Ironmen and Women und den Beachis – und überhaupt: Zu viele Menschen, zu viel Lärm! Aha, aha, I don`t like it!
Bald war es mit der Ruhe vorbei
Mein lieber Professor stellte einen Liegestuhl an meinen Rand und las und las in himmlischer Ruhe Buch um Buch! Aber bald war es mit der Ruhe vorbei: Die liebe Frau des Professors lud immer wieder arme Volksschulkinder (Iron kids) ein, an heißen Sommernachmittagen ihren Pool mitzubenutzen: Heißa, da spritzte und plitschplatschte es, und obwohl ich gar kein Whirl-Pool war, whirlte ich unentwegt… Auch der kinderbedingte Lärmpegel stieg dramatisch an, sodass der arme Professor keine Ruhe im eigenen Garten mehr hatte und sich in sein Büro zurückzog. Auch erkannte er mit der Zeit, dass ich leider viel Arbeit verursachte (war mir peinlich!), nicht nur im Herbst, wenn das welke Laub wie ein Rilkegedicht melancholisch auf meiner Wasseroberfläche schwamm. Wie oft musste die Pool-Firma wegen irgendwelcher Reparaturen ausrücken! Die ständige Reinigung, das ständige Versetzen mit Chemikalien… Und das alles für zehn Meter Auf- und Abschwimmen! Im Jahr des großen Hochwassers (als der Wörthersee beinahe übergegangen wäre), ging ich tatsächlich über, flutete den Keller des armen Professors und vernichtete große Teile seiner Bibliothek und wertvollste handschriftliche Korrespondenz (war mir peinlich!). Nach dem Hochwasser folgte die Trockenheit, eine Plage nach der anderen. Dürre! Ausgetrocknete Böden! Waldbrandgefahr! Die Wasserversorgung geriet immer öfter an ihre Grenzen! Ein Standardpool wie ich verschlingt mit rund 45.000 Litern Wasser so viel, wie ein Mensch im Jahr zum Trinken benötigt! In immer mehr Gemeinden wurden nun sogar Poolsteuern eingehoben!
Probleme frühzeitig gesehen
Der Professor, mittlerweile ein alter weiser Mann, sah die Probleme frühzeitig voraus und ging verantwortungsvoll damit um: Zwei Jahre lang hat er mich überhaupt nicht befüllt und mich nackt gelassen, wie er mich geschaffen hatte.
Aber es wurde nichts besser. Letztes Jahr kam er noch einmal zu mir und verabschiedete sich seufzend: Sic transit gloria mundi! (So ändern sich die Zeiten! Der Professor sprach oft lateinisch zu mir!)
Und „am Ende des Tages“ ließ er mich zuschütten. (Sit mihi terra levis! – sei mir die Erde leicht!)