Die besten Narzissenwiesen verrät man nicht. Doch durch Social Media, den Tourismus und den Wunsch nach dem perfekten Instagram-Foto geraten die stillen Plätze zunehmend ins Rampenlicht. Wie gelingt der Balanceakt zwischen gelebter Tradition und öffentlichem Interesse?

Eine, die schon seit dem Kindesalter am Narzissenfest mitwirkt, ist Angelika Huber. Auch heuer sind sie und ihre Gruppe wieder dabei – sie gestalten einen „irischen Gast, der den Besuchern Glück bringen soll“, verrät sie. Dafür benötigen sie 60 Kübel Narzissen – das entspricht etwa 60.000 Blumen.

Wer kriegt die perfekte Narzissenwiese?

Insgesamt wird rund eine Million Narzissen benötigt, und jede einzelne wird von Hand gepflückt. „Jede Gruppe hat ihre Plätze dafür“, sagt Huber. „Wo die sind, behalten die Gruppen aber gerne für sich.“ Eine perfekte Pflückwiese ist mit dem Auto erreichbar, hat eine Wasserquelle zum Einwässern der Narzissen und befindet sich in Hanglage – „damit man sich nicht so weit runterbücken muss“.

Es ist sozusagen eine unausgesprochene Regel, dass sich die Gruppen nicht in die Quere kommen. „Wenn es genug Narzissen gibt, gibt es keinen Neid. Aber wenn sie rar sind, ist man schon bedacht, die einzigen am Feld zu sein“, erklärt Huber. Heuer sollte sich die Blüte der Narzisse aber gut ausgehen, sodass genug für alle da sind.

Narzissenwiese als Instagram-Spot

Touristen würden nicht stören, solange sie nicht die Narzissen zertrampeln, sagt die erfahrene Teilnehmerin. In der Vergangenheit habe es keine Probleme gegeben. Es gibt aber auch extra dafür ausgelegte Wiesen, den Besuchern eine Fotokulisse zu bieten. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Blaa-Alm in Altaussee ein beliebtes Motiv ist“, sagt man beim Narzissenfestverein.

Und heuer neu: Ein Fotospot am Pflindsberg in Altaussee. Auf einer großen Narzissenwiese dort wird extra nicht gepflückt. Dort steht auch eine aus einem Baumstumpf geschnitzte Holznarzisse der Bundesforste, mit der man über eine KI auch wirklich „sprechen“ kann. „Das soll ein neues Wahrzeiten werden“, sagt Rudolf Grill, Obmann des Narzissenfestvereins.

Eine Stunde Pflücken für einen Kübel

Damit die Gäste die Narzissen nicht nur fotografieren, sondern die Tradition auch selbst erleben können, gibt es seit Jahren verschiedene Möglichkeiten zum Mitpflücken. So erhalten Besucher etwa beim „Narzissenbad“ für einen gesammelten Kübel einen vierstündigen Eintritt. Wer einmal selbst gepflückt hat, merkt schnell, dass dabei Fingerspitzengefühl gefragt ist.

Der Stiel soll lang genug sein, damit im Kübel alle Narzissen gleich viel Wasser bekommen, erklärt Huber. Dann muss man die Blumen auch mit Wollfäden zu Büscheln zusammenbinden, damit die Blüten nicht mit Wasser oder Pflanzensaft der Stängel nass werden. Das würde der Blüte nämlich schaden.

Die fertigen Narzissenbüschel
Die fertigen Narzissenbüschel © Privat

Ein Büschel besteht aus 100 Narzissen, in einen Kübel passen wiederum zehn Büschel. Macht 1000 Narzissen. „Für einen Kübel braucht man über eine Stunde, aber da muss man schon recht geübt sein“, erzählt Huber. „Am nächsten Tag hat man definitiv Muskelkater, der Oberschenkel tut richtig weh.“

Alles für die beste Figur

Warum tun sich die Einheimischen das trotzdem Jahr für Jahr an? „Wenn man eine coole Gruppe ist, macht es auch Spaß.“ Pausen für Kaffee und Kuchen müssen drin sein. „Außerdem ist es eine meditative Arbeit, man kann sich entspannen, den Kopf ausschalten. Und man ist in freier Natur.“

Außerdem müsse man das „große Ganze“ im Kopf behalten, sagt Huber. „Man will ja am Ende eine schöne Narzissenfigur haben. Wenn man teilnimmt, dann gehört das auch dazu.“ 24 Narzissenfiguren sind heuer am Sonntag, 31. Mai, im Bad Ausseer Ortszentrum zu bestaunen.