Es gibt sie, diese musikalischen Glücksmomente, wenn einfach (fast) alles passt. Jetzt zu erleben am Teatro Verdi in Triest, das bei Gounods „Roméo et Juliette“ mit einer sängerischen Luxusbesetzung aufwarten kann. Galeano Salas ist ein Roméo mit schönem und höhensicherem Tenor. Er singt den Liebhaber mit viel Schmelz, stilistischer Eleganz, brennender Intensität, ungefährdeter vokaler Strahlkraft sowie reichem Ausdruck. Nina Minasyan ist seine bildhübsche Julia, die sie berührend, samtweich, reich an Schattierungen, mit strahlender Höhe und glasklaren Koloraturen singt.
Ideal besetzt
Auch die meisten kleineren Rollen sind ideal besetzt: Nina von Essen als stimmlich exquisiter, kraftvoller und sehr präsenter Stéphano, Christian Federici als kerniger Mercutio, Alessandro Abis als einfühlsamer Frère Laurent, Gillan Munguía als souveräner Tybalt, ebenso wie Caterina Dellaere als Gertrude. Souverän singt auch der Chor des Hauses. Schwachstellen im Ensemble sind Luca Dall’Amico, der den Capulet mit reifem, unschönem Timbre singt sowie Fulvio Valenti als Herzog von Verona, der regelrecht distoniert.
Temperamentvoll, aber auch sehr einfühlsam ist Leonardo Sini am Pult des teils packend auftrumpfenden Orchesters des Teatro Verdi zu erleben. Dieses versprüht viel französisches Parfüm und auch hochemotionale, sinnliche Raffinesse voller Magie.
Poesievoll
Auch szenisch weiß die tragische Geschichte vom berühmtesten Liebespaar aller Zeiten sehr zu berühren. Abgesehen von einigen projizierten Kampfhandlungen aus dem ersten Weltkrieg beim Vorspiel werden mit Projektionen auf schräge Spiegel beeindruckende und stimmungsvolle Bilder mit magischen Lichtstimmungen der jeweiligen szenischen Örtlichkeiten (Szene: Francesca Tunno) gezeigt. Besonders beeindruckend: Der Balkon der Julia vor einem Sonnenuntergang am Meer. Die Personen, die von Tänzern unterstützt werden, werden von Regisseur Paolo Valerio alle einfühlsam und klug geführt. Insgesamt auch optisch eine poesievolle Meisterleistung. Jubel!