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Betriebe müssen sich Lehrlinge leisten können

Für Unternehmen wird die Ausbildung des Berufsnachwuchses immer teurer. Die im Raum stehende Kürzung der Lehrstellenförderung würde daher zu einer „Fachkräfte-Katastrophe“ führen.

© Adobestock/Phovoir

Knapp 103.000 Lehrlinge werden aktuell in Österreich ausgebildet. Ein historischer Tiefststand. Allein in der Steiermark sackte die Zahl gegenüber 2024 um 3,3 Prozent auf 14.442 ab. Die Gründe liegen zum einen in der Demografie (siehe Außenspalte), zum anderen ist der Aufwand – zeitlich, personell und finanziell – massiv gestiegen. Dazu kommt die schwache Konjunktur. Das trifft vor allem Klein- und Mittelbetriebe, die auch in der Lehrlingsausbildung eine tragende Säule des Standorts bilden. So haben über zwei Drittel der heimischen Ausbildungsbetriebe nur einen oder zwei Lehrlinge.

© Wolf

Jeder Euro, den die Politik in die Ausbildung unserer Lehrlinge investiert, sichert die wirtschaftliche Zukunft unseres Standorts.“

— Josef Herk, Präsident WKO Steiermark

Zwar unterstützt der Staat die Unternehmen, indem er im Rahmen der Lehrstellenförderung einige Monatseinkommen übernimmt, diese Förderung ist im Bundesbudget allerdings seit 2023 gedeckelt. Und das, obwohl Inflation und massive Einkommenssteigerungen auch bei Lehrlingen die Kosten für die Unternehmen deutlich erhöht haben. Jetzt stehen aufgrund der prekären Budgetsituation des Bundes sogar Kürzungen im Raum.

Dabei ist die betriebliche Ausbildung die weitaus günstigste Variante: Die realen Kosten der öffentlichen Hand betragen knapp 6700 Euro pro Lehrling/Jahr und sind damit wesentlich niedriger als in der überbetrieblichen Ausbildung (Berufsschule, AMS-Kosten, Landesmittel) mit 23.039 Euro oder für Schulkosten an einer BMS/BHS mit 11.947 Euro.

Zudem gingen speziell in ländlichen Regionen wichtige Ausbildungsplätze verloren. „Die Lehrlingsausbildung ist kein Kostenfaktor, sondern die beste Investition in unseren Standort“, so Herk, der vor langfristigen Folgen warnt: „Wer heute spart, zahlt morgen doppelt – mit Fachkräftemangel, weniger Wachstum und verlorenen Chancen für junge Menschen.“

AUF EINEN BLICK

Weniger Jugendliche.
Seit 1980 ist die Zahl der Lehrlinge massiv gesunken. Der Grund liegt in der demografischen Entwicklung: Aktuell gibt es um 220.000 weniger Jugendliche als noch vor 45 Jahren.

Mehr offene Lehrstellen.
Laut AMS waren Ende Jänner 2026 österreichweit 17.564 offene Lehrstellen gemeldet. Diesen standen 13.507 jungen Lehrstellensuchende gegenüber.

Höheres Einkommen.
Das durchschnittliche Einkommen von Lehrlingen ist massiv angestiegen. Zwischen 2015 und 2024 gab es für das erste Lehrjahr ein Plus von 97 Prozent.

Steigende Kosten.
Im ersten Lehrjahr kostet ein Lehrling dem Betrieb rund 32.000 Euro, im zweiten 33.800, im dritten knapp 44.500 und im vierten Lehrjahr 23.400 Euro. Insgesamt haben die heimischen Betriebe zuletzt drei Milliarden Euro in die Lehrlingsausbildung investiert.