„KI ist keine IT-Lösung!“

Ist künstliche Intelligenz (KI) jene technologische Innovation, die den Wirtschaftsstandort Steiermark in die Zukunft katapultieren kann? Und wie gehen steirische Unternehmen mit der Technologie um? Vier Experten im Kleine Zeitung-Business Talk.

Bei der Diskussion rund um KI: Kurt Siegl, Vice President Solutions, Magna International, Michael Aschenbrenner, Vice President IT bei der Andritz AG, Xenia Daum, Geschäftsführerin der Kleinen Zeitung, Ulfried Paier, GF GBG Service der GRAWE Bankengruppe sowie Peter Dengg, Managing Director Accenture Österreich
© KLZ / Stefan Pajman
Bei der Diskussion rund um KI: Kurt Siegl, Vice President Solutions, Magna International, Michael Aschenbrenner, Vice President IT bei der Andritz AG, Xenia Daum, Geschäftsführerin der Kleinen Zeitung, Ulfried Paier, GF GBG Service der GRAWE Bankengruppe sowie Peter Dengg, Managing Director Accenture Österreich

Was technologische Innovationen wie den mechanischen Webstuhl, die Dampfmaschine, den Computer, das Internet oder auch das Smartphone miteinander verbindet, ist einfach erklärt: Sie alle waren Technologiesprünge, die weltweite Produktivitäts- und Wachstumsfortschritte generiert und damit Arbeits- und auch Gesellschaftssysteme revolutioniert haben. Aktuell beschäftigt uns die Frage, wie wir unsere Wirtschaft wieder auf einen gesunden Wachstumspfad bringen können. Mit dem Wissen, dass große Technologiesprünge fast immer der zentrale Motor für wirtschaftlichen Aufschwung, Wachstum und Wohlstand sind, sind viele Expert:innen davon überzeugt, die Antwort zu kennen: Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Dazu diskutierten im Skyroom des Styria Media Centers bei der Kleine Zeitung Business Stage presented bei Accenture: Peter Dengg, Managing Director Accenture Österreich, Michael Aschenbrenner, Vice President IT bei der Andritz AG, Ulfried Paier, Geschäftsführer GBG Service, GRAWE Bankengruppe sowie Kurt Siegl, Vice President Solutions, Magna International.

Wo sehen Sie bei Accenture, einem weltweit agierenden Technologieberatungsunternehmen, die steirischen Unternehmen auf dem Weg der KI-Transformation, Herr Dengg?

Peter Dengg: Grundsätzlich kann man sagen, dass KI schon sehr breit in den steirischen Unternehmen angekommen ist. Viele KI-Systeme sind aber eher noch in einem eher experimentellen Stadium mit Anwendungen rund um mehr Produktivität, Zeitersparnisse etc. Was noch fehlt, ist der Ansatz, dass man mit Hilfe von KI Produkte, Prozesse, Abläufe und nicht zuletzt ganze Geschäftsmodelle neu denken kann. Das ist der nächste wichtige Schritt.

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KI-Lösungen in Unternehmen brauchen einen Rahmen, der festlegt, wo und wie KI eingesetzt wird und der nicht zuletzt auch definiert, wann ein KI-Projekt erfolgreich ist.“

— Peter Dengg, MG Geschäftsleitung, Accenture Österreich

Wie kommt KI in Ihrem Unternehmen zum Einsatz?

Michael Aschenbrenner: KI ist bei uns kein Zukunftsthema, sondern längst Teil des Arbeitsalltags. Wir setzen sie gezielt ein, um Produktivität und Qualität zu steigern – etwa in der Automatisierung, bei der Wissenssicherung und auch in der Entwicklung von Kundenlösungen.

Ulfried Paier: Wir haben „KI-Agents“ im Einsatz, die unsere Teams unterstützen, z. B. im Compliance- oder Legal-Bereich. Aber eines ist ganz klar zu sagen: Es gibt im Bankenbereich auch Prozesse, die weniger gut für KI geeignet sind, z. B. bei vertrauenssensitiven Kundenbeziehungen, die einer menschlichen Betreuung und Entscheidung bedürfen.

Kurt Siegl: Magna hat mit einem äußerst komplexen Thema angefangen – nämlich dem selbst fahrenden Auto. Wir haben hier einige Erfahrungen mit neuen Technologien sammeln dürfen. Heute ist KI im Engineering implementiert – aktuell arbeiten wir auch an Anwendungen für die Verwaltung.

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Wir arbeiten punkto KI mit vielen steirischen Bildungseinrichtungen – von HTL bis zur TU Graz – eng zusammen. Die Outputs und Fachkräfte, die wir bekommen, sind sehr gut.

— Kurt Siegl, VP Solutions, Magna International

Wie gehen Sie mit der Skepsis gegenüber KI im Mitarbeiter:innen-Bereich um?

Aschenbrenner: Skepsis gegenüber KI nehmen wir ernst. Mit unserem AI Competence Center schaffen wir klare Rahmenbedingungen, unterstützen die Teams fachlich und sorgen für Orientierung.

Paier: Man muss im Unternehmen eine KI-Lernkurve beschreiten und die Mitarbeiter:innen, die KI äußerst positiv gegenüberstehen, als Motivatoren nutzen, um die eher skeptischen zu überzeugen und mitzunehmen.

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Regulatorische Reglementierungen sind für uns – oft herausfordernde – Rahmenbedingungen, die wir erfüllen müssen. Aber sie sind auch ein wichtiger Schutzmechanismus für Kunden“

— Ulfried Paier, GF GBG Service, GRAWE Bankengruppe

Was ist der entscheidende Faktor bei der Implementierung von KI?

Dengg: KI ist keine IT-Lösung, die alle Probleme lösen kann. Und der KI-Einsatz muss genau geplant sein. Ganz wichtig ist auch die Fokussierung.

Wie geht man mit Verantwortungen rund um KI um?

Paier: Bei uns kann sich niemand hinter einem KI-Agent „verstecken“ – jeder Prozess hat eine verantwortliche Abteilung.

Siegl: Wir unterscheiden zwischen KI-Anwendungen mit einem konkreten, validierten Ergebnis. Und solchen, die für uns unter das Schlagwort „Meinung“ fallen – sprich, wie wurde die KI trainiert. Da verwenden wir dann verschiedene Modelle.

Aschenbrenner: Auch wenn KI viele Aufgaben unterstützt, bleibt die Verantwortung immer beim Menschen. Sicherheit und die Einhaltung aller Vorgaben haben dabei oberste Priorität.

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Der europäische AI Act setzt klare Rahmenbedingungen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz. Genau diese Prinzipien sind auch leitend für unsere KI-Anwendungen.“

— M. Aschenbrenner, Vice President Application Services, ANDRITZ AG

Die Bilder der Business Stage zum Durchklicken:

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Die Steiermark und die KI

In einem, der Podiumsdiskussion vorangehenden Impulsvortrag warf Philipp Krabb von Accenture Research einen Blick auf die Steiermark und den Status Quo ihrer Unternehmen bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI). Laut Krabb sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche KI-Transformation ausgezeichnet. Krabb: „Die Steiermark verfügt über eine gute infrastrukturelle Basis, eine hohe Industriedichte, eine überdurchschnittliche Forschungs- & Entwicklungsquote von rund 5,3 %, ausgezeichnete Bildungsinstitutionen mit zwei KI-Masterstudien an der TU Graz und der FH Joanneum sowie die Technologienetzwerke der erfolgreichen Cluster.“

Besonders erfreulich: Rund ein Drittel aller steirischen Unternehmen nutzt KI bereits aktiv – u. a. in Administration, Verwaltung oder in der Kunden- und Marktkommunikation. Damit liegt man international im erweiterten Spitzenfeld. Sehr vielversprechend ist auch, dass mehr als die Hälfte aller steirischen Unternehmen angibt, in Zukunft Generative KI-Systeme einsetzen zu wollen.

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