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Offener Brief an Minister BlümelSerge Falck und Co.: Branche kritisiert Neubesetzungen im Filmbeirat

Der neu zusammengesetzte Beirat des Bundeskanzleramts zur Förderung des Innovativen Films stößt auf Kritik der Branche und der Opposition. Die IG Filmkultur fordert Kulturminister Gernot Blümel in einem offenen Brief dazu auf, die Entscheidungen rückgängig zu machen.

WIEN: VERANSTALTUNG 'PUNSCH & MARONI' / BK KURZ (OeVP); FALCK
Schauspieler Serge Falck hat Bundeskanzler Sebastian Kurz unterstützt - nun wurde er als Filmbeirat nominiert © APA/HANS KLAUS TECHT
 

Die Filmszene ist in Aufruhr. Es geht um Neubesetzungen im Filmbeirat des Bundeskanzleramts für den innovativen Film. Dort finden sich renommierte Namen, an deren Expertise zu innovativen Formaten aber gezweifelt wird: die Produzenten Oliver Auspitz (MR-Film, „Vorstadtweiber“) und Alexander Glehr (Novotny-Film, „Angelo“) sowie der Schauspieler und einstige Puls-4-Redakteur Hannes Fretzer.

Filmwissenschaftlerin Kerstin Parth habe, so der „Standard“, die Bestellung nicht angenommen, weil sie sich in dieser Konstellation „nicht wohlfühlt“. Vom alten Beirat bleiben demnach Barbara Kaufmann und Dariusz Krzeczek. Die IG Filmkultur sieht die „Ausgewogenheit und Qualität“ der Förderentscheidungen so „nicht gewährleistet“ und fordert Kulturminister Gernot Blümel in einem offenen Brief auf, die Neubesetzungen rückgängig zu machen.

Die Begründung: "Die Filmförderung des Bundeskanzleramtes für den innovativen Film in Österreich ist seit vielen Jahrzehnten ein veritables Erfolgsmodell. Mit bescheidenen finanziellen Mitteln werden kontinuierlich künstlerische Welterfolge sowohl im Experimental-, Dokumentar-, Kurz- und Spielfilm erreicht. Diese Filme werden bei den wichtigsten Filmfestivals und in den renommiertesten Cinematheken und Ausstellungshäusern dieser Welt aufgrund ihrer Diversität und künstlerischen Relevanz gefeiert und ausgezeichnet und tragen damit wesentlich zum internationalen Ansehen Österreichs als Kultur- und Filmland bei."

Und zu den Neubesetzungen heißt es konkret: "Mit Oliver Auspitz und Alexander Glehr sind zwei Produzenten in den Beirat berufen worden, die auf die Produktion von TV-Filmen beziehungsweise großen Kinofilmen spezialisiert sind, aber keine fachliche Beziehung zum innovativen Film haben." Und: "Hannes Fretzer ist Schauspieler in TV-Produktionen und hat als Regisseur nicht die für diese Beiratstätigkeit notwendige Erfahrung vorzuweisen."

Das ist nicht die einzige Aufregung

„Profil“ berichtet von neuen Mitgliedern im Festivalbeirat, dort taucht Schauspieler Serge Falck auf, der im letzten Wahlkampf ÖVP-Chef Sebastian Kurz unterstützte, und TV-Produzent Peter Hofbauer, Ehemann von Vera Russwurm, die dem Gesundheitsministerium als Testimonial dient.

Der Kommentar der IG Filmkultur: "Mit den Besetzungsentscheidungen für den Festivalbeirat verhält es sich nicht anders: in den Biografien von Serge Falck und Peter Hofbauer fehlt jegliche Expertise im Bereich Filmfestivals." Kritik gibt es auch dafür, dass unter den sieben neu bestellten Personen nur eine Frau ist.

Kritik der Opposition

Auch SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda meldete sich am Dienstag
kritisch zu Wort: "Zwei arrivierte Filmemacherinnen werden durch
Männer ersetzt, die aus einem ganz anderen Bereich des Filmschaffens
kommen, aber deren vorrangiges Betätigungsfeld nicht der
Avantgarde-Film ist."

Als Entscheidung "nach kaufmännischen Kriterien" bezeichnet
JETZT-Kultursprecher Wolfgang Zinggl die Liste der neuen
Beiratsmitglieder. Die neuen Mitglieder seien "keine Fachleute im
Bereich des Kunstfilms, sondern zwei Produzenten und ein
Schauspieler aus dem kommerziell ausgerichteten Produktionsbereich".

Kommentare (2)

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Gedankenspiele
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5
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Serge Falcks Qualifikation für den neuen Posten?

...naja, er hat sich halt im Wahlkampf für den "richtigen" Politiker eingesetzt. Klassische österreichische Erfolgssgeschichte halt- oder mit anderen Worten; das ist der "neue"Stil des Sebastian Kurz.

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Nokes
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1
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Posten?

Was verstehen Sie unter "Posten", wenn es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt? Die Beiräte bekommen kein Honorar nur ein Sitzungsgeld.
Die neuen Beiräte haben kein Eigeninteresse bei allfälligen Förderungen und daher gibt es keine Interessenskonflikte.
PS. an den Verfasser: Herr Falck ist als Festivalbeirat und nicht als Filmbeirat nominiert.

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