Was war Ihr persönlicher Karriereweg bis zum Direktor der BULME?
Ich habe die HTL für Elektrotechnik in Klagenfurt absolviert, bin dann nach Graz gekommen und habe an der TU Graz Elektrotechnik studiert. Danach war ich einige Jahre in der Forschung und Entwicklung von elektronischen Bauelementen tätig. Seit 20 Jahren bin ich nun an der HTL BULME, davon acht Jahre als Abteilungsvorstand und jetzt mittlerweile seit sechs Jahren als Direktor.

Was bedeutet es für Sie, Direktor einer so renommierten Institution zu sein, die noch dazu heuer ihren 100. Geburtstag feiert?
Es erfüllt mich mit Stolz, Direktor der größten Schule der Steiermark zu sein und die Verantwortung zu tragen, aber auch aktiv zu ihrer Weiterentwicklung beitragen zu dürfen.

Was sind Ihre persönlichen Ziele als Direktor?
Ich bin begeisterter Hobby-Schmied. Und dort heißt es: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“. Mein Ziel ist, als Direktor gemeinsam mit den Lehrerinnen und Lehrern diese Begeisterung für Technik an unsere Schülerinnen und Schüler weiterzugeben.

Wie steht es um den Nachwuchs – sind Sie zufrieden mit der Nach­frage nach der BULME?
Leider spüren wir derzeit auch die Auswirkungen der schwächeren Geburtenjahrgänge. Ich denke aber, dass wir durch attraktive Ausbildungsrichtungen und die Anpassung der Lehrinhalte an den Stand der Technik den Rückgang im Rahmen halten konnten.

Technische Ausbildungen sind meist sehr bubenlastig – würden Sie auch gerne mehr Mädchen an der Schule sehen?
Die Antwort ist eindeutig: JA! Selbstverständlich würde ich mich über einen höheren Mädchenanteil freuen. Ich befürchte, dass sich viele Mädchen einfach nicht trauen. Und das ist schade, denn eine HTL bietet gerade auch Mädchen die Chance einer attraktiven Berufsausbildung mit vielen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Technikerinnen sind gefragt und im Bereich von Planung, Konstruktion, Qualitätssicherung überaus erfolgreich tätig. In den letzten Jahren konnten wir auch einige Lehrerinnen bzw. Technikerinnen für den Unterricht in den technischen Gegenständen gewinnen. Derzeit besuchen in allen Ausbildungszweigen insgesamt 367 junge Damen unsere Schule. Damit ist der Mädchenanteil bei 17 Prozent.

Was sagen Sie zur Aussage „Viele Eltern und ihre Kinder fürchten sich davor, nach einer HTL als Techniker punziert zu sein“. Wie kann man ihnen diese Furcht nehmen?
Punzierung ist der falsche Ausdruck. Ich denke, es gelingt uns sehr gut, Schülerinnen und Schüler für Technik zu begeistern. Und wir als HTL bieten den großen Vorteil, dass man mit einer Reife- und einer Diplomprüfung abschließt. Was viele nicht wissen: Zusätzlich zur technischen Ausbildung vermitteln wir selbstverständlich auch eine umfangreiche Allgemeinbildung. Deshalb ist es für mich keine Überraschung, dass Absolventinnen und Absolventen der BULME beispielsweise die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium im ersten Anlauf geschafft und erfolgreich ein Medizinstudium absolviert haben. Den Eltern und Kinder möchte ich sagen: Unseren Absolventinnen und Absolventen stehen alle Türen offen – ob via direktem Einstieg ins Berufsleben als Ingenieur, weiterführendem Studium oder mit einem eigenen Unternehmen.

Die BULME hat eine Tagesschule und Abendschule, ein Tages- und Abendkolleg, in Vollzeit und berufsbegleitend: Warum diese Vielfalt an Schultypen?
Es gibt viele Wege zu einem HTL-Abschluss zu kommen. Vielen wird erst später bewusst, dass sie nach einer Lehre eine weiterführende Ausbildung besuchen wollen, oder sich beruflich verändern bzw. verbessern wollen. All jenen wollen wir ein attraktives Angebot machen. Unter unseren AbendschülerInnen befinden sich gar nicht wenige, die sich nach der ersten Klasse HTL in der Tagesschule für eine Lehre entschieden haben, ihr erstes Geld verdienen wollten und nun in der Abendschule ihren HTL-Abschluss nachholen. Mit den Tageskollegs haben wir ein Angebot für AHS-Maturant*innen, in nur zwei Jahren eine Ingenieursausbildung zu absolvieren.

Sind alle Fachrichtungen an der BULME ähnlich begehrt – oder gibt es welche darunter, die besonders beliebt sind?
Ich würde sagen, dass alle ähnlich begehrt sind. Welche der Hauptfachrichtungen am begehrtesten ist, lässt sich nicht sagen, da dies oft von Jahr zu Jahr variiert. Ein genereller Trend ist nicht abzulesen. Was wir in den letzten Jahren, besonders bei den Veranstaltungen zum Tag der offenen Tür, bemerkt haben: Da wird ganz konkret nachgefragt, sprich die an uns Interessierten sind viel besser informiert.

Wie würden Sie das Gesamtklima an der Schule beschreiben?
Ich würde das Klima unter allen Schulpartnern – Schüler, Eltern, Lehrer als sehr gut bezeichnen. Es bereitet mir immer eine große Freude zu sehen, wenn unsere Schülerinnen und Schüler IHRE Schule am Tag der offenen Tür voll Stolz präsentieren und sich aktiv in das Schulleben einbringen. Heuer konnte ja kein Tag der offenen Tür abgehalten werden. Für die Onlinepräsentation hat die Schülervertretung aus Eigeninitiative ein Video gedreht, in dem sie ihre Schule vorstellen.

Wo sehen Sie die BULME in etwa zehn Jahren?
Nach wie vor an der Spitze der Ingenieursausbildung in Österreich. Die Digitalisierung wird hier völlig neue Zugänge in der Ausbildung bringen, aber auch entsprechende Anforderungen stellen. Der Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten BULME-Absolventen wird durch die Digitalisierung weiterhin hoch sein bzw. eher noch zunehmen.