Um die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten sicherzustellen, ist daher klinische Forschung dringend notwendig. Ruth Ladenstein, Leiterin des Zentrums für klinische Studien der St. Anna Kinderkrebsforschung, und Katharina Hauer, Country Medical Chair bei Sanofi Österreich, haben eines gemeinsam: Sie engagieren sich für pädiatrische Forschung.
Kleine Zeitung: Was unterscheidet Kinder von Erwachsenen aus medizinischer Sicht?
Ladenstein: Wir wissen, dass sich Wirkstoffe anders verteilen, dass der Stoffwechsel bei Kindern ganz anders ist und prinzipiell viele Faktoren variabler sind. Verlässliche Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten im heranwachsenden Körper mit seinen höchst spezifischen Stoffwechselabläufen sind daher dringend notwendig.
Hauer: Früher war es üblich, etwa die Dosis einfach zu senken. Doch heute weiß man: Man kann Daten von Erwachsenen nicht einfach auf Kinder umlegen. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Pädiatrische Forschung, also klinische Studien, die gezielt die Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten bei Kindern untersuchen, sind enorm wichtig.
Derzeit sind 50 bis 90 Prozent aller Arzneimittel, die Kindern verschrieben werden, nicht für sie zugelassen. Wie kam es zu dieser Schieflage?
Ladenstein: Kinderstudien sind a priori für die Industrie wirtschaftlich weniger attraktiv und sehr aufwendig, daher waren Kinder Waisenkinder der Arzneimittelentwicklung. Außerdem ist der Begriff der klinischen Studie mitunter angstbesetzt, weil er oft mit Experimenten gleichgesetzt wird. Es ist daher verständlich, dass es Eltern schwerfällt, der Teilnahme ihres Kindes an einer klinischen Studie zuzustimmen – vor allem, wenn die Erkrankung nicht lebensbedrohlich ist. Doch bei klinischen Studien steht der Schutz der Teilnehmer immer im Vordergrund, egal ob es sich um Erwachsene oder Kinder handelt.