Am 28. Juni wählt Graz, die Parteien läuten jetzt die Intensivphase des Wahlkampfs ein. Wobei: „Das ist bislang eher schaumgebremst“, sagt Polit-Experte Thomas Hofer. Noch will niemand so richtig „eine allzu harte Linie gegen die Bürgermeisterin Elke Kahr fahren. Und sie selbst hat naturgemäß ein Interesse daran, dass im Wahlkampf keine allzu emotionalen Debatten entstehen.“ Aber vielleicht ändert sich das in den verbleibenden fünf Wochen noch.
Die Kleine Zeitung hat Hofer die Sujets der Grazer Parteien vorgelegt und um eine Einschätzung gebeten: Funktionieren die Botschaften, passt das Plakat zum Inhalt?
Wahlplakate im Experten-Check: die KPÖ
„Erwartet stadt-tragend“, so Hofer. „Kahr inszeniert sich als die mitfühlende und über jedwedem Hickhack stehende Bürgermeisterin von nebenan.“ Um den „Caring-Communism“, der die grundsätzliche Strategie der KPÖ ist, zu übersetzen, hat man in der Bildgestaltung massiv auf den Weichzeichner gesetzt: „Sanfte Konturen, sanfte Botschaften“.
Die Doppelstrategie der ÖVP
Hofer erkennt eine Doppelstrategie: Die „roten Sujets der Schwarzen“ sind angriffig, man versucht auch Zweifel zu säen, ob Kahr wirklich die volle Periode bleibt. „Andererseits wird Kurt Hohensinner selbst mit weicher Ästhetik aufgeladen. Die Sujets inkludieren die Stadt, aber weniger ihre Menschen.“
Grüne: Inhalte polarisieren, Plakate senden „Wohlfühlbotschaft“
Judith Schwentner setzt – im Gegensatz zur Bundeslinie – auf „Wohlfühlbotschaften. Die harte Polarisierung rund um die Verkehrsthemen wird in Richtung Lebensqualität umgedeutet.“ Das wird bei Hardcore-Autofahrern weniger ankommen, bei der eigenen Klientel schon. Bislang steht das vermeintlich Erreichte im Mittelpunkt, Hofer vermisst eine „Message für die Zukunft“.
FPÖ: „Eigenartig in Watte gehüllt“
„Selbst die FPÖ fährt eine eigenartig in Watte gehüllte Linie“, findet Hofer. Obwohl in Opposition, „scheut man vor einer zu harten Konfrontation zurück. Das mag der Positionierung im Land geschuldet sein – es ist auch der Landeshauptmann, der den „eigentlichen Kandidaten bei weitem überstrahlt“.
Doris Kampus fehlt auf den aktuellen Plakaten, die SPÖ setzt voll auf das Thema Gesundheit. „Die Sozialdemokraten wirken ein wenig verloren zwischen der Oppositions- und Regierungsrolle“, so Hofer. Gesundheit sei zwar ein relevantes Thema, aber ob die „kommunale Aufladung“ und dabei das Agieren als „kritische Oppositionskraft“ gelingt, „ist doch zu bezweifeln“, so Hofer – noch dazu, wo die SPÖ auch die Gesundheitsministerin stellt.
Neos: „Man müsste schon mehr auffallen“
An klaren Worten mangelt es nicht. „Das Einfordern von Mut teile sich die Neos mit den Grünen“, findet Hofer. Aber: Zwar „setzt man auf das Leib-und-Seelenthema Bildung, aber die Forderungen bleiben eher flach und sorgen wohl kaum für Aufmerksamkeit.“ Für eine Partei, die von 5,4 Prozent weg wachsen will, „müsste man schon mehr auffallen“.
KFG: „Auf Protest gebürstet“
KFG. Auf Protest gebürstet“ empfindet Hofer die KFG, die nach ihrer Abspaltung 2022 von der FPÖ erstmals in Graz antritt. Der Experte rätselt aber, gegen wen sich der Protest richtet: gegen die Verkehrspolitik der Grünen, die „linken Faxen“ generell oder doch gegen die korruptionsanfällige FPÖ? Die Hauptbotschaft bleibt unklar.