Hand aufs Herz: Der Winter kann schon manchmal gehörig nerven. Zum Glück hat der findige Mensch seine Taktiken entwickelt, um die dunkle Jahreszeit zu erhellen. Und das so, wie es uns als soziale Wesen am besten zu Gesichte steht: von innen und außen. In Graz mit einem Potpourri an heimeligen Adventmärkten im hellen Lichterglanz, auf denen dem geselligen Beisammensein und gemeinsamen Lachen ganz viel Platz eingeräumt wird.

Wenn der Johann das sieht

Noch einmal Hand aufs Herz: Die Menschen, die angesichts der glitzernden Weihnachtslichter über Graz die Kameras zücken: Touristen, aber auch viele Einheimische, die unsere schöne Stadt besuchen. Jedes Jahr aufs Neue befällt einen diese Freude beim Anblick der Lichter in der Herrengasse und man fragt sich, ob die Christbäume in der Schmiedgasse wohl wieder verkehrt hängen.

Die Adventbim ist dabei ein Coup, für den wohl jemand einem Kinderwunsch besonders gut gelauscht hat. Und sollten Sie in solch kleiner, feiner Begleitung sein: Geben Sie sich der Weihnachtsfreude hin. Sie werden sehen, gleich ist es gar nicht mehr so kalt, sondern die Freude strahlt hell wie die Kindergesichter im Advent-Bummelzug oder vor den jedes Jahr wieder mehr als gelungenen Schaufenstern der Konditorei König in der Sackstraße bzw. der Boutique Ferdinand Haller in der Herrengasse.

Die mit 35 Tonnen Eis größte Eiskrippe der Welt kann wieder im Landhaushof, nahe des Hauptplatzes, bestaunt werden
Die mit 35 Tonnen Eis größte Eiskrippe der Welt kann wieder im Landhaushof, nahe des Hauptplatzes, bestaunt werden © Stadt Graz/Foto Fischer

Was natürlich auch hilft, ist, sich von innen zu wärmen. Glühwein und Punsch sind dann die Getränke der Stunde. Was hätte wohl unser lieber Erzherzog Johann, der erste Tourist der Steiermark, dazu gesagt, dass sich Menschen vor seiner geliebten Mineraliensammlung im Joanneumsviertel versammeln? Er wäre begeistert gewesen und hätte wohl mit von der Partie sein wollen. Am Adventmarkt geht die Liebe zum Wein, die auch Erzherzog Johann teilte, in die heiße Phase über. Glühwein wärmt von innen, gute Gespräche und Geselligkeit von außen. Denn gerade zur Weihnachtszeit, da vermag die eine oder andere angezündete Kerze oder ein Wiedersehen nach langer Zeit am Adventstand uns wieder daran erinnern, dass wir doch der sozialen und lange nicht rein rationalen Spezies Mensch angehören.

So duftet Weihnachten

Die dabei eine Spezies darstellt, die sich auf ihre Sinne und ihre Neugier, stets Neues entdecken zu wollen, durchaus verlassen darf. Im heurigen Advent gibt es für das Auge etwas Neues zu lernen. Am Karmeliterplatz zum Beispiel: Ebendort erfreut ein romantisches, ländliches Weihnachtsdorf mit einem Labyrinth aus ca. 20 duftenden Lärchenholz-Hütten und kunstvollen Lichtinszenierungen die optischen Sinne. Eine kunstvolle Dekorationsinsel und eine Bühne mit imposantem Skyliner-Schirmsystem runden das Angebot ab. Nicht zu vergessen: der fantastische Blick auf den Uhrturm, der in diesen Nächten besonders hell über der Stadt strahlt.

Der Mariahilferplatz erstrahlt mit einem neuen Lichtkonzept
Der Mariahilferplatz erstrahlt mit einem neuen Lichtkonzept © KK

Eines der feinsten Dinge daran, dass Graz auch als Landeshauptstadt noch ihr persönliches Flair erhalten hat, ist, dass einen so ein abendlicher Spaziergang an so gut wie alle gesteckten Ziele bringt. Und man die glitzernden Adventlichter der Stadt auch noch von ganz ruhigen Orten aus, unweit der Märkte, genießen kann.

Beispielsweise vom Grazer Uhrturm aus. Von dort könnte man nach dem herrlichen Blick über die glitzernde Stadt etwa die Stiegen zum Schlossbergplatz hinabsteigen und eine Murüberquerung wagen – um dort volley und ungebremst ins Winter Wonderlend am Mariahilferplatz einzutauchen. Hier hat man eine etwas hippere Vorstellung von Advent; „Last Christmas“ ist in keiner Playlist.

Teesegen ahoi

Überhaupt sind alle 16 prachtvollen Grazer Adventmärkte leicht fußläufig erreichbar. Ein Stopp bei der mit 35 Tonnen Eis größten Eiskrippe der Welt im Landhaushof, nahe des Hauptplatzes, inklusive. So könnte man, wenn einem die Stiegen nicht zusagen, auch vom Lärchendorf am Karmeliterplatz die Sporgasse hinab flanieren.

Am illuminierten Rathaus-Adventkalender sehen, welcher Adventtag heute ist, und weiter in Richtung Grieskindlmarkt spazieren. Hier wacht der heilige Nikolaus als steinerne Statue über seine adventlichen Schäfchen, die am ersten „Green Events Steiermark“-Adventmarkt ihren nachhaltigen Tee und Wein schlürfen.

Alle 16 prachtvolle Grazer Adventmärkte sind leicht fußläufig erreichbar
Alle 16 prachtvolle Grazer Adventmärkte sind leicht fußläufig erreichbar © Robert Maybach

Denn der Grieskindlmarkt führt heuer die Riege der nachhaltigen Märkte an. Sowohl hier als auch auf den Adventmärkten Hauptplatz, Schmiedgasse, Eisernes Tor, Tummelplatz, Franziskanerplatz und kleine Neutorgasse, Färberplatz sowie Karmeliterplatz hat man sich 2024 freiwillig dazu verpflichtet, die Kriterien von „Green Events Steiermark“ einzuhalten und somit nachhaltig zu handeln.

Nach einem kräftigenden Schluck Tee aus der Grieskindler-Teekanne und dem Erstehen eines handgemachten Schmuckstücks könnte man beispielsweise am Ufer der Mur ein wenig entlangspazieren und ihrem Rauschen lauschen. Unmittelbar würde man dann über den traditionellen Christkindlmarkt am Franziskanerplatz und einen Blick auf die Zeiger der Uhr am Kloster, oder dem Bemerken ihrer noch anhaltenden Unpässlichkeit, wieder zurück in die Innenstadt gelangen.

Loungen und ankommen

Und wer schlendert und plaudert sowie den Lichtern über und neben sich gebührend Aufmerksamkeit widmet, der wird im Umkehrschluss gar nicht mehr wissen, wie er denn nochmal vor diesem großen, beleuchteten „Love Graz“-Fotomotiv gelandet ist. Da bietet sich doch ein Erinnerungsfoto an unsere liebe Stadt mit einem leuchtenden „Ich liebe Dich, Graz“ an, um sich danach getrost die verkehrt hängenden Christbäume in der Schmiedgasse entlangzuhanteln. Dann, kurz bevor die goldenen Weihnachtsdekoringe, die vor langer Zeit die Herrengasse erleuchteten, am Joanneumring aufscheinen, einmal links abbiegen. Und schon ist man am Eisernen Tor.

Eisern und warm

Auch am Eisernen Tor agiert man heuer als „Green Event Steiermark“. Das abgesehen davon, dass man sich ab heuer am Eisernen Tor wieder an all das zurückerinnert, was Advent ursprünglich bedeutete: nämlich Ruhe, Besinnlichkeit und gemütliches Beisammensein. Advent bedeutet „ankommen“. Ankommen bei den Lieben, in der Weihnachtszeit und bei den eigenen Werten.

Übrigens eine weitere menschliche Neuerung für 2024: Das Charitykonzept der Adventmärkte sieht vor, dass jeder Adventmarkt ab elf Ständen eine Hütte für eine gemeinnützige Organisation oder einen Verein kostenfrei zur Verfügung stellt. Längst schon weiß kaum noch wer, woher das „Eisern“ im Eisernen Tor kommt. Manche meinen, es käme davon, weil die Türen am ehemaligen Stadttor mit Eisen beschlagen waren, andere sagen, es sei eine Verballhornung des Wortes „äußeres“.

Seit 21. November leuchten die Grazer Innenstadt wie auch das Umland wieder in goldigen Tönen
Seit 21. November leuchten die Grazer Innenstadt wie auch das Umland wieder in goldigen Tönen © Region Graz/studio draussen

Jedenfalls ist das Eiserne Tor in Graz inzwischen längst nicht mehr „außen“, sondern integraler Bestandteil der Grazer Innenstadt. Und im Advent bietet es darüber hinaus ein Lichterspektakel für Jung und Alt. Ganz abgesehen davon, dass man vom Podest aus, das auf dem Brunnen des Eisernen Tores aufgebaut wird, einen wunderbaren Blick auf die erleuchtete Herrengasse hat. Und auf die Adventbim, die über und über mit Lichterketten behangen, die Innenstadt durchquert. Dort hechtet jemand mit einem Stapel Bücher aus dem Laden, hier noch schnell eine Stärkung bei der nettesten und lang gedientesten Maronidame der Stadt abgeholt, und weiter geht es für die Shoppingfreunde zum „Central Transfer Point“ Jakominiplatz.

Oder man hält einen Moment inne. Steigt die drei Stiegen auf das hölzerne Podest über dem Brunnen hinauf, dreht sich um und lässt die Lichter der Stadt in sein Herz und in seine Adventerinnerung 2024.

Entstanden in Kooperation mit Erlebnisregion Graz.