Sparvereine in KärntenEine "Biene", die in ihrem Kasten fleißig Euros sammelt

Seit dem späten 19. Jahrhundert sind Sparvereine eine Möglichkeit für die breite Masse, Geld auf die Seite zu legen. Die Attraktivität des Sparens hat stark nachgelassen, was bleibt, ist Geselligkeit.

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Sparverein Cafe Meran: Sparerinnen Yasemin Bahtijar und Nicole Klein
Sparverein Cafe Meran: Sparerinnen Yasemin Bahtijar und Nicole Klein © Hannes Krainz
 

Einige hundert Sparvereine gibt es in Kärnten noch, viele haben sich in den letzten Jahren aufgelöst. Der Kärntner Sparkasse betreut aktuell 71 Sparvereine, vor allem im Möll- und Gurktal. Früher waren es bis zu 200. Die Raiffeisen Landesbank betreut aktuell 15 Vereine, die gemeinsames Sparen ermöglichen.

Vor wenigen Jahren neu eingeführte Bestimmungen ließen die Zahl der Sparvereine österreichweit dahinschmelzen. "Wir sind als Bank verpflichtet, bei jedem Mitglied die Legitimation zu prüfen und mit dem Verein einen Treuhandvertrag mit einer Liste der Mitglieder zu schließen", teil Philipp Heiser, Sprecher der Kärntner Sparkasse mit. Änderungen müssen jährlich bekannt gegeben werden. "Für viele Sparvereine ist der Aufwand für die gesetzlichen Vorschriften zu groß und sie beenden die Vereinstätigkeit." 

Sparvereine verbinden den Spargedanken mit gesellschaftlichen Kontakten. Mitglieder zahlen - meist kleine - Beträge ein, die Auszahlung erfolgt im Rahmen einer gesellschaftlichen Zusammenkunft, gewöhnlich einmal im Jahr.

Beim Sparverein "Biene" im Billard-Café Meran in Klagenfurt erfolgt die Aushebung gegen Ende November. Der Verein besteht seit Mitte der 1970er-Jahre und zählt aktuell rund 100 Mitglieder.

"Der Sparverein ist für unsere Mitglieder so interessant, weil es hier um das Zusammentreffen und das Sparen in der Gruppe geht", erklärt Monika Pfister, Gastwirtin und Obfrau des Vereins. Ein Einzahlungstag ist nicht festgelegt, trotzdem treffen sich die Sparer, auch Stammtische haben sich gebildet. "Wir haben kein Strafgeld, jeder kann einzahlen, wenn sich die Möglichkeit ergibt", erklärt Pfister. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zehn Euro. Jährliche Ausflüge werden zwar nicht organisiert, aber das Zusammentreffen im Café Meran und eine Auszahlungsfeier, jedes Jahr Ende November, werden den Sparern geboten. Das Zusammentreffen von Familienmitgliedern und Freunden würde das Sparen im Sparverein interessant machen, doch "leider gibt es heutzutage so wenige Sparvereine", erklärt Pfister. In ihrem Verein habe sich beim Sparen in den letzten Jahren nicht viel verändert, wohl weil viele der jetzigen Mitglieder schon ewig dabei sind.

Gegenüberstellung von Tradition und Zinsen

Im Sparverein zu sparen sei für viele Menschen eine liebgewonnene Gewohnheit, oft waren schon die Großeltern bei einem Sparverein. "Aufgrund der langen Tradition denke ich, dass diese Art des Sparens noch einige Zeit aufrecht bleiben wird", meint Hansjürgen Kodal, Leiter der Abteilung Kundenservice in der RLB. Wie attraktiv das Sparen im Sparverein heutzutage jedoch noch ist, kann nicht konkret festgestellt werden. "Die Mitglieder sparen kleine Beträge, die sie sonst nicht auf die Seite legen würden, denn die Einzahlung beginnt bei den meisten Sparvereinen schon bei wenigen Euro", so Kodal.

Ob ein Sparverein für die Bank nicht sogar Mehrarbeit bedeutet, lässt Kodal offen. Aus Sicht des Lokals ist der Bickwinkel klar:"Wer sich im Sparverein wohlfühlt, fühlt sich auch im Lokal wohl", erklärt Pfister. So würde auch Kundenbindung entstehen und das Geschäft unterstützt werden.

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