Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Finalsieg bei US Open gegen ZverevWas für ein Comeback! Thiem holt sich ersten Grand-Slam-Titel

Was für ein Spiel, was für ein Sieg! Dominic Thiem hat sich den Traum vom ersten Grand-Slam-Sieg erfüllt. Und wie! Der Österreicher rang bei den US Open Alexander Zverev nieder, nach Zweisatz-Rückstand. Im Tiebreak des fünften Satzes!

Dominic Thiem hat es geschafft: Er holte sich die US Open mit einem unglaublichen Comeback
Dominic Thiem hat es geschafft: Er holte sich die US Open mit einem unglaublichen Comeback © AP
 

Nicht aufgeben! Oft sagt man das vor sich hin, mitunter beweist die Realität, dass man auch siegen kann, wenn man nicht aufgibt. Und weil Dominic Thiem eben nicht aufgab, weil er den Glauben bewahrte, darf er sich nun Grand-Slam-Sieger nennen.

25 Jahre nach Thomas Muster hat Österreich wieder einen Major-Sieger, denn Thiem bezwang in einem hart umkämpften und bis zum letzten Punkt hochspannenden Finale der US Open den Deutschen Alexander Zverev 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6 (6) und erfüllte sich damit einen Lebenstraum.

2,53 Millionen Euro Preisgeld

Für den Sieg kassierte der Niederösterreicher einen Scheck in Höhe von 3 Millionen US-Dollar (2,53 Mio. Euro) sowie 2.000 ATP-Zähler. Im vierten Anlauf in einem Major-Endspiel nach den French Open 2018 und 2019 sowie dieses Jahr bei den Australian Open hat es also endlich mit dem großen Wurf für den Weltranglisten-Dritten geklappt. 

Thiem schraubte sein Karriere-Preisgeld auf 26,9 Millionen Dollar, im ATP-Ranking bleibt er vorerst aber weiter Dritter. Thiem ist übrigens der erste Premieren-Grand-Slam-Sieger seit dem Kroaten Marin Cilic - ebenfalls bei den US Open - im Jahr 2014. In der Profi-Ära seit 1968 ist Thiem der erste Spieler, der in einem US-Open-Endspiel ein 0:2 in Sätzen noch umgedreht hat.

Dominic Thiem: Alle Turniersiege von Österreichs bestem Tennisspieler

23.05.2015 - Nizza: Thiems erster internationaler Triumph. Mit 21 Jahren bezwang er in einem hart umkämpften Match den Argentinier Leonardo Mayer in drei Sätzen.

(c) APA/ERIKA TANAKA (ERIKA TANAKA)

26.07.2015 - Umag: Auf den Geschmack gekommen. Mit dem Portugiesen Joao Sousa hat Thiem in zwei Sätzen diesmal leichtes Spiel.

ATP

02.08.2015 - Gstaad: Der dritte Streich. In der Schweiz ließ Theim dem Belgier David Goffin in zwei Sätzen keine Chance.

(c) APA/EPA/PETER SCHNEIDER (PETER SCHNEIDER)

14.02.2016 - Buenos Aires: Neues Jahr neues Glück. Der Spanier Nicolás Almagro lieferte Thiem in drei Sätzen einen harten Kampf, letztendlich durfte der Wiener Neustädter über seinen vierten Titel jubeln.

(c) APA/AFP/EITAN ABRAMOVICH (EITAN ABRAMOVICH)

28.02.2016 - Acapulco: Nur zwei Wochen später gelang Thiem sein erster Coup abseits von Sand. Der Australier Bernard Tomic schaute dabei in drei Sätzen durch die Finger.

(c) APA/AFP/PEDRO PARDO (PEDRO PARDO)

21.05.2016 - Nizza: Der zweite Streich in Nizza, der fünfte auf Sand. Alexander Zverev aus Deutschland musste sich in drei Sätzen geschlagen geben.

ATP

13.06.2016 - Stuttgart: In Stuttgart schrieb Thiem Geschichte und konnte als bislang erster und letzter Österreicher einen ATP-Titel auf Rasen gewinnen. In drei Sätzen vermieste er seinem deutschen Kontrahenten Philipp Kohlschreiber den Heimtriumph.

(c) APA/dpa/Marijan Murat (Marijan Murat)

26.02.2017 - Rio de Janeiro: In Brasilien zeigte Thiem erneut seine Stärke auf Sand und besiegte den Spanier Pablo Carreno Busta in zwei Sätzen. Es sollte sein letzter Titel im Jahr 2017 sein.

(c) AP (Felipe Dana)

18.02.2018 - Buenos Aires: Ein Jahr später war Thiem zurück in Südamerika und konnte zum zweiten Mal in seiner Karriere in Argentiniens Hauptstadt triumphieren. Der Slowene Aljaz Bedene hatte in zwei Sätzen keine Chance.

(c) APA/AFP/ALEJANDRO PAGNI (ALEJANDRO PAGNI)

26.05.2018 - Lyon: In Frankreich gewinnt Thiem am liebsten. In Lyon holte er seinen dritten Titel in der Grande Nation und besiegte dabei ausgerechnet einen Franzosen – Gilles Simon musste sich nach drei Sätzen geschlagen geben.

ATP

23.09.2018 - St. Petersburg: In den Hallen St. Petersburgs gelang dem Österreicher sein zweiter Erfolg auf Hartplatz. Der Slowake Martin Klizan hatte in zwei Sätzen das Nachsehen.

(c) AP (Dmitry Lovetsky)

17.03.2019 - Indian Wells: Thiems wohl größter Triumph! In den USA bezwang der Niederösterreicher die lebende Tennislegende Roger Federer in drei Sätzen und holte somit seinen ersten Masters-Titel.

(c) AP (Mark J. Terrill)

28.04.2019 - Barcelona: Zurück auf Sand ließ Thiem den Russen Daniil Medwedew in zwei Sätzen chancenlos zurück.

(c) APA/AFP/PAU BARRENA (PAU BARRENA)

03.08.2019 - Kitzbühel: Gegen den Spanier Albert Ramos holte er 25-jährig seinen ersten Titel auf österreichischem Boden, zudem seinen zehnten auf Sand. Es war sein 14. Karrieretitel.

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Matthias Hauer)

6.10.2019 - Peking: Der Österreicher holte sich mit einem 3:6, 6:4, 6:1-Erfolg über den Griechen Stefanos Tsitsipas das ATP-500-Turnier von Peking und feierte damit den vierten Sieg in diesem Jahr.

APA/AFP/NOEL CELIS

27.10.2019 - Wien: Mit einem 3:6, 6:4, 6:3-Sieg über den Argentinier Diego Schwartzman holt sich Thiem bei seinem Heimturnier in Wien (ATP 500) den Titel und feierte damit den fünften Sieg in diesem Jahr.

GEPA pictures

13.09.2020 - US Open in New York: Mit einem 2:6, 4:6, 6:4, 6:3, 7:6-Sieg über den Deutschen Alexander Zverev gewinnt Thiem sein erstes Grand-Slam-Turnier und erfüllt sich seinen großen Traum.

(c) AP (Frank Franklin II)
1/17

Ein Traum, der sich zunächst in einen Albtraum zu wandeln schien. Denn der Start in sein viertes Major-Endspiel, man kann ihn getrost als veritablen Fehlstart bezeichnen. Denn Zverev war nicht nur körperlich größer, sondern auch auf dem Platz. Und alles, worauf man bei Thiem gesetzt hatte, funktionierte nicht. Der erste Aufschlag? Faktisch nicht vorhanden. Die druckvolle Vorhand? Kam viel zu selten zum Einsatz. Die Rückhand? Von Zverev entschärft. Die Doppelfehler, auf die man vielleicht beim Deutschen gehofft hatte? Machte Thiem. Vorhandfehler? Kamen eher vom Österreicher. Nur die Winner, die hatte der Deutsche weit öfter im Repertoire als sein Freund auf der anderen Seite des Netzes.



Nach nur 30 Minuten stand es 2:6, auch der zweite Satz ging vorbei wie ein ICE-Zug im Vollgasmodus. 1:5 lag Thiem schon zurück, erst da kam das erste Lebenszeichen mit dem ersten Rebreak. Eines, das die Lebensgeister weckte, das Thiem langsam lauter werden ließ bei seinen Schlägen. Der 27-Jährige bewegte sich besser, kämpfte sich in die Partie hinein. Und je enger es wurde, desto wackeliger wurde sein Gegner. Die Selbstverständlichkeit und Souveränität waren auf einmal verschwunden. Und Thiem, nach wie vor nicht auf dem Niveau von Viertel- und Halbfinale, kämpfte weiter. Mit Erfolg, denn die schon befürchtete Dreisatz-Schlappe wurde abgwendet, der Albtraum verlor an Heftigkeit. 

Dass ich im Einzel mein erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen und mir damit meinen großen Traum erfüllt habe, kann ich noch gar nicht realisieren.

Dominic Thiem

Und im vierten Satz drehte Thiem dann endgültig den Charakter der Partie, stellte alles wieder auf null. 6:3 holte er sich diesen Durchgang, damit musste die Entscheidung im fünften Satz fallen. Ob Thiem zu diesem Zeitpunkt gewusst hatte, dass der letzte Spieler, der ein Finale in New York nach zwei verlorenen ersten Sätzen gewonnen hat, ein gewisser Pancho Gonzales im Jahr 1949 war, sei dahingestellt. Geholfen hätte ihm diese Information aber wohl ohnehin nicht.

Ich möchte Dominic gratulieren. Es war sicher einer von vielen Grand-Slam-Siegen für ihn. Danke an mein Team, eines Tages werden wir diese Trophäe in die Höhe stemmen.

Alexander Zverev

Und dieser fünfte Satz, vor der traurigen Kulisse des fast leeren Arthur-Ashe-Stadions war genau das, was man sich von einem Finale in New York verspricht, erhofft. Spannung pur, ein Krimi. Mit Traumschlägen und Fehlern. Das Momentum wechselte, Thiem holte sich das erste Break, kassierte prompt das Rebreak. Und danach blieb es eng. Zverev sah, wie schon nach zwei Sätzen, wie der Sieger aus, schaffte das Break zum 5:3 - doch wieder konterte Thiem. Und dann? War es ein wahrer Nervenkrieg. Mit Chancen auf beiden Seiten, doch Thiem war es, der letztlich seinem Gegner den Aufschlag zum 6:5 abnahm. Aber es ging ins Tiebreak.

Zur Person

Dominic Thiem (Österreich/27 Jahre):
Geboren: 3. September 1993 in Wiener Neustadt
Wohnort: Lichtenwörth bzw. Weiden am See
Familienstand: ledig
Größe/Gewicht: 1,85 m/79 kg
Profi seit 2011
Rechtshänder, einhändige Rückhand
Trainer: Nicolas Massu (CHI), Manager: Herwig Straka
Weltranglisten-Platzierung: 3. (Karriere-Hoch)
Karriere-Preisgeld (brutto): 26,917 Mio. US-Dollar
Saison-Preisgeld (brutto): 4,785 Mio. US-Dollar

Und das war dann Drama pur: Thiem, von Krämpfen geplagt, konnte kaum gehen. Zverev, von seinen Nerven geplagt, kaum aufschlagen. Zwei Matchbälle vergab Thiem, der dritten zum 8/6 wurde genützt - zu einem der größten Comebacks der Geschichte.

Das Finale der US Open: Thiem gegen Zverev in Bildern

AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
AP
1/30

Kommentare (10)

Kommentieren
Sashoma
0
4
Lesenswert?

Nervöser Start von Domi

angespannt, nicht der Domi, der zuvor auf dem Platz stand, Zverev mit hoher 1st Serve Quote und druckvollem Spiel, Ende zweiter Zverev begann zu schwächeln, Domi kam rein, Zverev hält ein break Satz 2 Zverev,
Dritter Satz, Break - Time beide Seiten
4:4, 30 beide, Thiem serviert: der longline Ball auf Zverev Vorhand wird aus gegeben, Breakball, aber Thiem challenged den Ball und ich denke, yes come on, danke dass es Hawk eye gibt, der Ball kratzte wenige Millimeter an der Linie, hart umkämpftes Game, Domi holt den dritten, nach 2 Stunden ist er endlich am Platz, Zverev ein wenig von der Rolle, Domi geht über Kampf, holt den 4ten, und der 5te
Eine offene Schlacht, ein Psychospiel, ein Satz über den ein Buch geschrieben werden kann, im Tennis gibt es leider nur 1en Sieger, Domi war am Ende wie ein verletztes Reh, konnte kaum noch laufen, spielte Backhand nur noch Slice, Zverev fertig mit den Nerven, weinte im Interview bitterlich - leer und ausgelaugt
doch Domi sollte Gottgewollt die Oberhand behalten, er hat es sich verdient, da er sein 4tes Grand Slam Finale gespielt hat und immer an den Sieg geglaubt hat.
Die Krönung, 2 Sportsmänner und Freunde, die sich cool abklatschen und umarmen und wo beide ihren Respekt zollen. Ich bin stolz auf Domi, 20 Jahre Arbeit, harte Arbeit, die Welt bereisen, diese Opfer bringen, dieser Druck, dieser Traum, Respekt und herzlicher Glückwunsch, und Respekt auch an Zverev

Gelernter Ösi
2
4
Lesenswert?

Ich bin dieses Match taktisch klug angegangen.

Die ersten zwei Sätze hab ich vorgeschlafen, wohlwissend, dass Thiem gewöhnlich zäh in die Finali reinkommt.
Als ich das Tablet aktivierte, war es Anfang / Mitte dritter Satz: Schau mer mal.
Und dann ging die wilde Reise tatsächlich erst so richtig los.

GordonKelz
2
4
Lesenswert?

Es werden sich viele...

..so wie ich auch, in den Hinteren beißen, die nach dem 2 : 0 für Zwerev ins Bett gingen!
Gordon Kelz

lombok
0
1
Lesenswert?

Aber Sie sind heute wenigstens ausgeschlafen ...

... im Vergleich zu mir 😄.

Eindachsomal
2
11
Lesenswert?

Titel

Dieser Titel hat mich heute Nacht um 10 Jahre älter werden lassen,ich freue mich soooo sehr für Thiem was er alles erreicht hat,Es war ein Mentaler Kraftakt ,mit bissi Hilfe von Zwerev in so manchen Situationen 😉
🎾🎾🏆🏆🏆🏆

hbratschi
1
33
Lesenswert?

wennst sowas erfindest,...

...glaubt's dir keiner. unfassbarer und begeisternder sport. gratulation an thiem und auch allergrößten respekt vor zverev...👍😊

Gelernter Ösi
1
39
Lesenswert?

Ich sag einmal so:

Es hat sich ausgezahlt, aufzubleiben.

Gelernter Ösi
0
12
Lesenswert?

Ich sag einmal so:

Es hat sich ausgezahlt, aufzubleiben.

Biene12
1
49
Lesenswert?

Spitze

Endlich, gratuliere Thiem.

Eltern
1
71
Lesenswert?

Super

Gratulation zu dieser tollen Leistung!