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Premiere in GrazPatientin spielte während Gehirn-Operation Querflöte

Während einer jungen Musikerin ein Gehirntumor entfernt wurde, war die Patientin wach und spielte Mozart.

Bilder von der Wach-OP im Hintergrund
Bilder von der Wach-OP im Hintergrund © (c) Simon Moestl ONLOPH
 

„Ich fand die Operation von Anfang an sehr spannend, Angst hatte ich keine.“ Das sagt Sofia Pinaeva, wenn sie von ihrer Gehirnoperation erzählt, bei der ihr ein großer Teil eines Tumors entfernt wurde. Das besondere dabei: Pinaeva war während der Operation beinahe zwei Stunden wach und spielte auf ihrer Querflöte. Denn durch die Operation sollte kein Bereich im Gehirn geschädigt werden, den die Profimusikerin für ihren Beruf braucht.

Ich fand die Operation von Anfang an sehr spannend, Angst hatte ich keine.

Sofia Pinaeva, Querflötistin

Durchgeführt hat die Operation das Team der Neurochirurgie am LKH-Uniklinikum Graz, die laut Klinikleiter Michael Mokry in Österreich die Spezialisten für Wach-Operationen sind. 18 solcher Operationen wurden heuer bereits durchgeführt, dass eine Patientin dabei Querflöte spielt, gab es aber noch nie. „Wir wollen so viel wie möglich des Tumors entfernen, dabei das Gehirn aber so gut es geht schonen“, erklärt Mokry. Das funktioniere am besten, wenn der Patient während der Operation wach ist und jene Funktionen, die für sie oder ihn wichtig sind, „live“ getestet werden können.

Eine Warnung: Das ist ein Live-Video von der Operation. Bevor Sie es ansehen, sollten Sie wissen, dass Sie direkt ins Gehirn der Patientin blicken!

Wach-Operation am Gehirn

Auch Mathematik während OP

„Die Tests werden individuell angepasst“, erklärt Gord von Campe, Leiter des Wach-OP-Teams. So gab es schon Patienten, die während der Operation mathematische Aufgaben gelöst haben, da sie das für ihren Beruf brauchen. Typischerweise wird getestet, ob das Sprachzentrum funktioniert oder das Gefühl in den Gliedmaßen erhalten bleibt.

Bei Querflötistin Pinaeva war die Sache komplizierter: Bei ihr sollten nicht nur die motorischen Fähigkeiten für das Flötenspiel erhalten bleiben – da sie auch Fotografin ist, war auch der vollständige Erhalt der Sehfähigkeit essenziell. „Der Patient wird bei der Operation zum aktiven Teammitglied“, erklärt von Campe. Dazu werden in der Wachphase Gehirnregionen mit minimalen Stromstößen stimuliert – je nachdem, wie der Patient reagiert, wissen die Ärzte, ob das Areal entfernt werden kann oder nicht.

"Normales Leben"

Gut zwei Stunden lang spielte Pinaeva „alles was mir eingefallen ist“ - Mozart, Bach, aber auch Prokofjew, denn ein russischer Komponist musste für die gebürtige Russin Pinaeva dabei sein. Danach wurde die Patientin wieder in Narkose versetzt, schon fünf Tage nach der Operation konnte sie eine Gartenparty organisieren und die gelungene Operation feiern.

Da der Gehirntumor (medizinisch: Gliom) nicht vollständig entfernt werden konnte, leidet Pinaeva weiterhin an epileptischen Anfällen. Sonst hat sie aber keine Einschränkungen und kann beide Leidenschaften, Fotografieren und Musizieren, weiterhin ausüben. „Ich will zeigen, dass ich trotz Gehirntumor ein normales Leben führen kann“, sagt Pinaeva.

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