Keine SuspendierungAnschober zieht Spitzenbeamten Clemens Martin Auer aus Impfprogramm ab

Clemens Martin Auer muss als Impfkoordinator gehen, da Anschober über zusätzlichen Impfstoff nicht informiert worden war. Die Regierung berät heute wieder mit Experten und Ländervertretern die aktuelle Corona-Situation.

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Anschober zieht Clemens Martin aus Impfprogramm ab
Anschober zieht Clemens Martin aus Impfprogramm ab © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Bei der Beschaffung von Impfstoffen hat es im Gesundheitsministerium offenbar doch Ungereimtheiten gegeben. Der zuständige Spitzenbeamte Clemens Martin Auer zieht sich aus dieser Funktion zurück, weil er zu einem bestimmten Zeitpunkt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) über die Möglichkeit zur Beschaffung von zusätzlichem Impfstoff von BioNTech/Pfizer nicht informiert hat. Das sagte Anschober im "Ö1"-Morgenjournal" am Montag.

Die ÖVP hatte die Suspendierung Auers gefordert. Für eine Suspendierung würden die Verfehlungen nicht reichen, erklärte Anschober. Auer hätte ihn aber über diesen zweiten Topf, wo mehr Impfstoff abgerufen hätte werden können, informieren müssen und das habe er nicht getan. Der ÖVP-nahe Beamte hat eigenmächtig auf weitere Bestellungen verzichtet, obwohl genug Geld zur Verfügung gestanden ist.

Laut Finanzministerium ist erst ein Viertel des Impf-Budgets ausgeschöpft. Aus dem Rahmen von 200 Millionen Euro seien bisher lediglich 53 Millionen Euro für Corona-Impfstoff ausgegeben worden. Die Bundesregierung hat zunächst im Sommer/Herbst 24 Mio. Dosen und damit eine Überausstattung bestellt. Das sei im Ministerrat so beschlossen und damit auch der ÖVP bekannt gewesen, erklärte Anschober.

Als man im Jänner gemerkt habe, dass BioNTech/Pfizer ein sehr attraktiver Impfstoff ist, habe man - wie viele andere Staaten - Zusatzverträge geschlossen und die Gesamtbestellung von 24 auf 31 Mio. Dosen erhöht. In diesem zweiten Zuweisungsverfahren habe es in einem zweiten Topf nicht abgerufene Mengen gegeben, darüber sei er von Auer nicht informiert worden. "Diese Information hätte ich haben müssen." Die Aufgabe von Auer als Impfkoordinator übernimmt jetzt Katharina Reich, Chief Medical Officer im Gesundheitsministerium, sagte Anschober.

Dass Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) während seines Krankenstands sein Ressort attackiert habe, bezeichnete Anschober als "ungewöhnlichen Zeitpunkt, aber ich gehe zur Tagesordnung über und will mein Bestens geben". Seinen Gesundheitszustand beschreibt der Minister als gut, er habe keinen Burnout gehabt, sondern nur einen Kreislaufkollaps, aufgrund von Überarbeitung. Er habe sich aber durchchecken lassen und sei nun guter Dinge.

ÖVP-Gesundheitssprecherin Gaby Schwarz, die am Wochenende die Suspendierung Auers gefordert hatte, begrüßt den Rückzug des Spitzenbeamten: "Der von Anschober bestätigte Alleingang von Auer unterstreicht, dass dessen Rückzug die richtige Lösung war. Jetzt braucht es gemeinsame Anstrengungen, um für genug Impfstoff zu sorgen. Zudem wird es vollumfängliche Transparenz seitens des Gesundheitsministeriums geben", so Schwarz in einer Aussendung.

Anschober warnte indes in dem Interview vor einer dritten Infektionswelle und kündigte einen Erlass für die Länder an, damit die Impfungen wieder einheitlicher verabreicht werden. Es müssten zuerst die Älteren und die Risikogruppen geimpft werden, so der Minister.

Keine neuen Lockerungen erwartet

Ursprünglich wollten sich Bundesregierung und Landeshauptleute heute wieder im Kanzleramt treffen, um nach intensiven Beratungen mit Epidemiologen und Virologen neue Maßnahmen – egal ob Lockdowns oder Lockerungen – zu beschließen. Doch das Treffen wurde nun nur noch zu einer Videokonferenz heruntergestuft. Ziel sei es, eine Zwischenbilanz zu ziehen – weitere Öffnungsschritte für die Zeit nach Ostern sind nicht zu erwarten. Man wolle kommende Woche die Lage noch beobachten, hat es zuletzt im Bundeskanzleramt geheißen.

Was wohl kein großer Schaden ist: Denn einerseits schaut es angesichts steigender Inzidenzzahlen im Land ohnehin düster für weitere Öffnungsschritte aus, andererseits hat die Regierungsspitze auch anderweitig ausreichend Gesprächsbedarf.

An der Sitzung wird nach sechstägiger, krankheitsbedingter Absenz auch wieder Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) teilnehmen. Jener Minister also, dessen Haus Bundeskanzler Sebastian Kurz und seine ÖVP in den vergangenen Tagen im Streit um die Beschaffung von Impfstoffen direkt attackiert hatten - die Aufforderung zur Suspendierung zweier Spitzenbeamter inklusive.

All das, während der Ressortchef außer Gefecht war: Anschober hatte sich seit Dienstagfrüh krankheitshalber entschuldigt und nach einer Kreislaufschwäche einem Gesundheitscheck unterzogen. In seiner Abwesenheit hatte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne), Anschober formal vertreten und unter anderem die Lockerungsverordnung, die heute in Kraft tritt, für ihn unterzeichnet.

Kommentare (99+)
Cirdan
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Ich bin kein großer Fan von Anschober,

ABER ich meine, dass diesen Job in dieser Pandemie kein anderer wesentlich besser gemacht hätte!

Bodensee
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der "Herr Beamte" gehört nicht nur "abgezogen,".....

..........sondern (wenn ihm Fehler nachgewiesen werden) fristlos entlassen, da er durch seine Unfähigkeit hunderte Corona-Tote zu verantworten hat.

UHBP
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@bod...

Ja und was machen wir mit dem Kanzler, das schon seit Monaten, laut Protokoll, davon gewusst hat und nichts unternommen hat?

herwag
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:-)))

... den ersetzen wir durch durch die rote pam gel ? :-(((((

Claudia1965
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zuerst nachdenken

Bei Beamten gibt es keine Fristlose Entlassung -
wenn dann zuerst Suspendierung - dann Disziplinarverfahren und dann vielleicht die Entlassung

jackass85
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ja genau

genau der eine Beamte war es....... das glabuen Sie wohl selber nicht......

lieschenmueller
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Gerüchte

Es ist immer wieder zu lesen und wird durch die Bank gesagt, geht es einem seelisch nicht gut, man soll Hilfe in Anspruch nehmen, sich dazu bekennen, und es sei keine Schande.

Stimme ich bei allem zu.

Tut man das und wird krank aus welchem Grund auch immer, beginnt sich aber ein Rädchen zu drehen. Wo die Nummer eins aus Sicht der Mitmenschen sofort genau das ist, was man einmal hatte gemütsmäßig.

Ein fatales Zeichen.

Mein Graz
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@lieschenmueller

Leider ist es noch immer so, dass jeder, der einen Psychiater oder Psychologen in Anspruch nimmt von vielen nicht als "krank" anerkannt wird sondern eher als "der braucht eine Irrenarzt". Unsere Gesellschaft hinkt in diesem Fall anderen noch Jahrzehnte hinterher.

Gerade Leute in deren Umfeld nie psychische Probleme auftraten oder solche nicht als Krankheit erkannt und behandelt wurden bemerken oft abwertend, dass der/die Betroffene ja einen an der Waffel haben muss - und wundern sich dann, wenn es zu schweren Folgen bis hin zum Selbstmord kommt.

Und ist bekannt, dass ein Mensch eine psychische Erkrankung hatte ist er - auch wenn diese längst überstanden ist - sein Leben lang gebrandmarkt.

Traurig aber wahr.

melahide
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@Hans

Ein paar Beamte können nichts dafür. Vom Finanzministerium (ÖVP geführt) kam due Vorgabe, dass die Impfstoffbeschaffung maximal 200 Millionen Euro kosten darf! Hätte hier „koste es was es wolle“ gegolten, hätte man mehr Biontec/Pfizer Impfstoffe bestellen können - und die Sache wäre erledigt!

Das die ÖVP gerade HIER sparen will - gerade bei der Gesundheit der Menschen, wo ein Tag Lockdown teurer ist, das verstehe ich nicht. Und wie die ÖVP es schafft die EU und Beamte für schuldig zu erklären? Wer führt das Finanzministerium?

Bluebiru
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Wenn ich mich recht erinnere,

gingen in den Foren seinerzeit die Wogen wegen der unterschiedlichen Impfstoffe hoch und niemand wollte den Impfstoff von Pfizer oder von Moderna haben, weil die Mehrheit Angst vor RNA-Impfstoffen hatte. Jetzt auf einmal sollen alle den Pfizer, auch die, die seinerzeit total dagegen Front gemacht haben.

Ich kann mir allerdings schon vorstellen, dass nicht nur der Preis, sondern auch die nicht vorhandene Akzeptanz in der Bevölkerung dann eher für die Beschaffung von Astra-Zenece sprach.

lombok
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@melahide

Es steht sogar im Artikel, dass es nicht am Geld lag!

Grazer1960
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Stimmt so nicht

Die 200 Millionen spielen in der Praxis überhaupt keine Rolle. 2020 wurden 200 Millionen als Deckel ausgegeben, aber nur 30 Millionen vom Gesundheitsministerium abgerufen. Man war nicht einmal annähernd in der Nähe der 200 Millionen. In 2021 wurde auf 300 Millionen erhöht und bis jetzt nur 53 Millionen abgerufen. Das Finanzministerium ist hier nicht das Problem, sondern eindeutig die Unfähigkeit im Gesundheitsministerium. Wenn der Minister zugeben muss, über den Sekundärmarkt für Impfstoffe nicht informiert gewesen zu sein, dann läuft schon einiges in seinem Laden schief. Und nicht zum ersten mal.

mtttt
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@Grazer

korrekte Zahlen sind da nicht gefragt, obwohl´s im Artikel stehen. Zum Anpatzen und Vernadern eignen sich diese nicht. Damit kann man halt nur eine sehr kleine Gruppe ansprechen., das vergessen die meisten Agitateure.

Hanst99
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@melahide

ganz so ist es nicht. Politiker holen sich immer den Rat von Fachexperten bzw. sog. Spitzenbeamten. Und Beamte sind nun mal entscheidungsschwach nicht Risikofreudig. Wenn man nix tut kann man keinen Fehler machen.

Isidor9
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Theologe als Gesundheitsexperte

Dr.Auer ist Theologe. Und er verantwortet das ganze Chaos. Der Gute hat tatsächlich weniger Imofstoff bestellt,als er bestellen hätte können. Ein gefährlicheres Versagen kann man sich derzeit nicht vorstellen.

Hanst99
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Ein betriebswirtschaftlicher Supergau.

Wenn man bedenkt, dass die Kosten für die Impfung der ganzen Bevölkerung in etwa gleich hoch sind wie der wirtschaftliche Schaden durch einen Tag Lockdown wird klar das hier am falschen Ort gespart wurde. Da können ein paar Spitzenbeamte nicht rechnen und sollten ausgetauscht werden. Von den zusätzlichen unnötigen Toten ganz zu schweigen. Uns wurde immer verkauft wie gut unser Gesundheitssystem im Gegensatz zur USA ist. Präsident Biden hat versprochen, dass im Mai alle die es wollen geimpft sind. Sogar das arme Chile ist schneller. Ich war immer EU-Befürworter aber jetzt würde ich keine Abstimmung über den Verbleib in der EU machen. Bei der Reihung schlägt die Stunde der Lobbyisten. Da werden quietschfidele junge Lehrer und Feuerwehrmännern vor echten Risikopatienten geimpft. Die Ärztevertreter stellen auf stur weil sie kein Geld für zusätzliche Infrastruktur bekamen und verstecken sich hinterm Datenschutz. Die Hausärzte könnten längst impfen. Jetzt erst wird verhandelt. Dafür war ein 3/4 Jahr Zeit als klar war das es eine Impfung geben wird. Es ist zum k.....

heri13
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Von den geimpften,

Gibt es kein Schmiergeld!

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