Arbeitspreis & Netzentgelt teurerKelag dreht kräftig an der Strompreis-Schraube

Strom-Arbeitspreis steigt um rund 40 Prozent, durchgerechnet beträgt die durchschnittliche Mehrbelastung pro Haushalt bis zu 6 Euro. Das Netzentgelt wird um 6,7 Prozent teurer, dämpfend wirkt die Aussetzung der Ökostromförderung. Opposition protestiert.

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Kelag erhöht Arbeitspreis für Strom um rund 40 Prozent
Kelag erhöht Arbeitspreis für Strom um rund 40 Prozent © PUCH JOHANNES
 

Massiv steigende Gas- und Strompreise in ganz Europa treiben seit Wochen auch in Österreich die Strompreise in zuvor ungeahnte Höhen. Die Großhandelspreise für Strom haben im Dezember ein neues Rekordniveau erklommen. Das schlägt sich nun in drastisch steigenden Preisen für Abnehmer nieder.

Nun kündigt auch die Kelag kräftig steigende Energiepreise ab 1. März 2022 an. Laut Aussendung steigen die monatlichen Kosten des Gesamtstrompreises bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 kWh um 3,60 bis 6 Euro. Das ergibt rechnerisch ein Plus von 4,7 Prozent. Eingerechnet sind darin auch die 6,7-prozentige Erhöhung der Netztarife der Kärnten Netz AG, umgerechnet rund 2 Euro pro Monat. Bereits mit 1. Jänner steigen die Netztarife, dafür fallen die Ökostromförderungen weg, das bremst wiederum den Preisauftrieb.

Der reine Energiepreis für Standardtarife wird von der Kelag um rund 40 Prozent auf 10,87 Cent netto bzw. 13 Cent brutto angehoben. Für Wärmepumpen-Besitzer gilt ein niedrigerer Preis von 8,7 Cent netto bzw. – ab 3500 KWh – 7,9 Cent.

"Sehen keine fallenden Preise"

Kelag-Vorstand Danny Güthlein sieht zu den Preiserhöhungen keine Alternative, "wir sehen auch keine fallenden Preise. Die Märkte spielen verrückt." Im Gegenteil: "Eigentlich ist es schon zu wenig, was wir jetzt machen. Nicht alle erwarteten Mehrkosten können abgedeckt werden." Denn die "langfristige Beschaffungsstrategie" der Kelag könne "preisdämpfend" wirken.

Kelag-Vorstandssprecher Manfred Freitag spricht von "wahnsinnigen Verwerfungen am Markt". Was dazukommt: Die Kelag muss diesen Winter mehr Strom teuer zukaufen als in normalen Jahren, die Wasserführung im Herbst sei die niedrigste seit 40 Jahren. Im Dezember betrug die Wasserführung nur knapp 70 Prozent vom Normalwert. "Das führt zu 30 Prozent weniger Eigenerzeugung im Herbst."

Bereits vor mehr als einem Monat kündigte die Kelag die Preiserhöhung für sogenannte Wahltarife an. Für jeden zehnten Kelag-Stromkunden wurde der Strom 15. Dezember deutlich teurer - von 6,54 Cent auf 8,148 Cent je Kilowattstunde (kWh). Prozentuell verteuerte sich der Arbeitspreis um kräftige 21,6 Prozent (die Grundpauschale war davon nicht berührt).

Auch Klagenfurt erhöht Strompreise

Eine Anhebung der Strompreise stellt auch der Vorstand der Klagenfurter Stadtwerke Erwin Smole in Aussicht. Die Energie Klagenfurt GmbH (EKG) werde mit 1. April die Tarife anheben, in welcher Höhe wolle man im Jänner entscheiden. Der Netztarif in Klagenfurt steigt laut Smole ab 1. Jänner um rund 8 Prozent.

Opposition protestiert

Proteste gegen die Preiserhöhung kommen von Oppositionschefs: Für Gerhard Köfer (Team Kärnten) steht die Preiserhöhung im krassen Widerspruch zu den Kelag-Gewinnen, er vermisst einen Aufschrei von LH Peter Kaiser (SPÖ). Auch Erwin Angerer (FPÖ) wundert sich, dass die Vertreter der SPÖ-ÖVP-Landesregierung im Kelag-Aufsichtsrat dem „Preisschock“ zugestimmt haben.

 

Kommentare (8)
Robinhood
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Teurer?

Der Strom wird von den Energieanbietern 3 Jahre im Vorhinein eingekauft, d.h. das die Kelag jetzt für 2024 den teuren Strom im Großhandel einkaufen muss. Dann sollte die Strompreiserhöhung auch erst 2024 umgesetzt werden, unbedacht das man ja eigene Kraftwerke auch hat, welche ja nicht teurer werden. Außerdem hat uns ja der Landeshauptmann bei der letzten Wahl versprochen, dass der Strom billiger wird.

himmel17
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Kelag wird/muss sterben

Die sind - ohne Politik - nicht mehr überlebensfähig!

ronny999
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Strompreis ok -

ist Weltmarkt ua - aber Netzbereitstellung ist reine Abzocke - 6,70% ??? - die Kelag ist wohl irre?

archiv
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Hauptsache die Aktionäre und ....

... auch das Land Kärnten werden wieder ordentliche Gewinne einfahren!

Hapi67
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Keine Sorge,

beim Klopapier wars lustig.

Die Inflation wird uns kommendes Jahr noch viel Freude bereiten.

Sorgen sind unbegründet, die EZB und die Experten sehen im Auftrag der Politik kein Problem.

Vielen Dank

umo10
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Uff, das heißt, die Öko-Kelag muss den Ökostrom massiv verteuern

weil das schmutzige CO2-schleudernde Gas knapp wird😮 Da gibts nur eins: weg von der Kelag, hin zu reinen Stromanbietern. Den fossile Brennstoffe werden sowieso verteuert

Amordsgaude
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@umo10, es wird nichts nutzen

den Anbieter zu wechseln, meistens sind es nur ein paar Euro, der Strom selbst ist ja nicht so teuer, auffressen tun uns die Netzgebühren der Kelag! Bei mir betrugen die reinen Stromkosten bis jetzt € 18.- , ( bei einem anderen Anbieter), die Netzgebühren der Kelag betrugen allerdings bis jetzt € 52.-, bei einem Verbrauch von ca. 3.500 kw im Jahr!

umo10
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Magst ja Recht haben

Mir missfällt die Doppelstrategie; Strom und Gas. Die Kostenverschiebung darf nicht sein. Wenn die CO2 bepreisung massiv anziehen wird, ist man mit einer grünen wärmepumpe trotzdem die Cashcow für die Kelag