Harleys, Whiskey, JeansEU bereitet Vergeltung auf US-Stahlzölle vor

Nach der Ankündigung hoher Schutzzölle für Stahl durch US-Präsident Donald Trump holt die Europäische Union zum Gegenschlag aus. Betroffen sind typisch amerikanische Produkte. Auch innerhalb der US-Wirtschaft wird allerdings schon gegen Trump mobil gemacht.

17. HARLEY-TREFFEN AM FAAKER SEE
© APA/GERT EGGENBERGER
 

Nach der Ankündigung hoher Schutzzölle für Stahl durch US-Präsident Donald Trump holt die Europäische Union zum Gegenschlag aus. In Vorbereitung seien Strafzölle auf typisch amerikanische Produkte wie Bourbon-Whiskey, Harley-Davidson-Motorräder oder Levi's-Jeans, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach Angaben einer Sprecherin am Freitag in Hamburg.

Indes regt sich auch innerhalb der USA heftiger Widerstand gegen Trump und seine Pläne. Der IWF wies darauf hin, dass die Zölle das produzierende Gewerbe und die Bauwirtschaft in den USA selbst treffen würden. Besorgt ist er zudem, dass nun auch andere Länder unter Berufung auf nationale Sicherheitsinteressen zu groß angelegten Importbeschränkungen greifen könnten. China kritisierte die Pläne als unbegründet. Der deutsche Mittelstand-Verbandspräsident Mario Ohoven erklärte, nicht nur deutsche Stahlfirmen würden die US-Beschränkungen treffen, sondern auch viele Mittelständler. 

Die EU werde nicht tatenlos zusehen, wenn Unternehmen und Arbeitsplätze in Europa bedroht seien, sagte Juncker den Angaben zufolge. Europa brauche "eine wehrhafte Handelspolitik", so Juncker. "Wir werden nicht naiv sein." Junckers Stellvertreter Jyrki Katainen äußerte unterdessen die Hoffnung, dass ein Handelskrieg mit den USA noch vermieden werden könne. Es bleibe ein "kleines Zeitfenster", sagte Katainen. Trump habe noch keine Anordnung für Strafzölle unterzeichnet. "Deshalb hoffen wir, dass er seine Absichten noch einmal überdenkt", sagte Katainen.

"Welt steht kurz vor Handelskrieg"

US-Präsident Donald Trump hatte am Donnerstag Zölle im Stahl- und Aluminium-Bereich angekündigt, um die US-Industrie zu schützen. Bei Stahl sollen 25 Prozent auf den Import aufgeschlagen werden, bei Aluminium zehn Prozent. Trump will damit US-Unternehmen vor Konkurrenz schützen und so neue Jobs schaffen.

EU-Vizekommissionspräsident Katainen warnte, die Welt stehe kurz vor einem allgemeinen Handelskrieg - "und in einem solchen Krieg gibt es nur Verlierer und keine Sieger". Brüssel werde jedoch keine "einseitigen Handlungen gegen uns und den Rest der Welt akzeptieren". Die von der EU vorbereiteten Gegenmaßnahmen entsprächen den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) und sollten von ihrem Umfang her die durch die US-Strafzölle verursachten Verluste für die europäische Industrie ausgleichen.

"Ernsthafte Folgen für die Welthandelsordnung"

"Wir wollen diese Maßnahmen nicht in Kraft setzen, aber wenn die USA ihren engen Verbündeten absichtlich schaden wollen, müssen wir reagieren", betonte Katainen. Er kündigte zugleich an, mit anderen von den US-Strafzöllen betroffenen Staaten einschließlich Chinas Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam Klage bei der WTO einzureichen.

Ein Sprecher des Internationalen Währungsfonds (IWF) erklärte, die Strafzölle würden voraussichtlich auch der Wirtschaft in den USA selbst schaden. Der IWF fürchte, dass nun auch andere Länder ebenso wie die USA Gründe der nationalen Sicherheit anführen könnten, um weitreichende Handelsbeschränkungen zu verhängen. China warnte ebenfalls vor "ernsthaften Folgen für die Welthandelsordnung". Russland äußerte sich "besorgt".

Auch die deutsche Regierung reagierte mit harscher Kritik: "Diese Zölle würden die internationalen Handelsströme unserer Stahl- und Aluminiumindustrie empfindlich treffen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Problem weltweiter Überkapazitäten bei Stahl und Aluminium lasse sich durch "einseitige Maßnahmen der USA nicht lösen".

Trump: "Handelskriege gut und einfach zu gewinnen"

Selbst im eigenen Land erntete der Präsident Widerspruch: Notenbankchef Jerome Powell etwa erklärte, Zölle seien nicht der beste Weg. Generell habe Handel positive Folgen für die eigene Wirtschaft. Trumps eigener Wirtschaftsberater Gary Cohn habe gegen die Zölle argumentiert, hieß es in Washington.

Trump konterte mit Trotz: "Wenn ein Land viele Milliarden Dollar im Handel mit quasi jedem Land verliert, mit dem es Geschäfte macht, sind Handelskriege gut, und einfach zu gewinnen", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Widerstand innerhalb der US-Wirtschaft

In der US-Wirtschaft formiert sich Widerstand gegen die von Präsident Donald Trump angekündigten Schutzzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe. Äußerungen von Vertretern großer Handels- und Branchenverbände deuteten am Freitag darauf hin, dass hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet wird, die Regierung von Ausnahmen oder einem Abmildern der Pläne zu überzeugen.

Die deutlichste Kritik kam aus der Dosen-Industrie. "Wie die meisten Brauer verkaufen auch wir eine wachsende Menge Bier in Aluminiumdosen, und dieses Vorhaben wird zu steigenden Aluminiumpreisen und wahrscheinlich zu Jobverlusten in der gesamten Bierbranche führen", sagte ein Sprecher des Brauereikonzerns MillerCoors.

Sorge um Dosen-Preis

Die Zoll-Gegner unter den Unternehmen treibt die Furcht vor höheren Kosten und Engpässen bei der Belieferung mit Stahl und Aluminium um. Die Dosen-Hersteller wollen in der kommenden Woche Druck auf Abgeordnete und Regierungsvertreter ausüben. Zumal die Zoll-Pläne auch im Trump-Lager umstritten sind.

Denn während sich etwa Handelsminister Wilbur Ross und Trumps Handelsberater Peter Navarro für die härtere Gangart aussprachen, lehnen unter anderem Finanzminister Steven Mnuchin und der Chef des Nationalen Wirtschaftsrates, Gary Cohn, sie ab. Ross sei nicht klar, dass ein paar Cent bei der Menge an Dosen für Getränke, Suppen und andere Lebensmittel viel Geld sei, sagte der Verbandspräsident der Dosenfabrikanten, Robert Budway.

Warnungen auch aus der Autoindustrie

Auch aus der Autoindustrie gibt es Warnungen vor Preiserhöhungen wegen der Schutzzölle. Dadurch würden nicht nur die Verbraucher belastet, sondern dies schade auch der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Hersteller, erklärte etwa Ford.

Laut einem führenden Vertreter eines Industrieverbandes, der namentlich nicht genannt werden wollte, versuchen die Unternehmen, Trump von seinen Plänen abzubringen, bevor er sie in der kommenden Woche in Kraft setzt. Dazu werde hinter den Kulissen alles aufgefahren. Allerdings würden die Erfolgsaussichten wegen der derzeitigen Dynamik im Präsidialamt aber eher pessimistisch eingeschätzt.

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Danke für Ihr Verständnis.

Leberknoedel
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Strafzölle auf

Harleys sind mehr als begrüßenswert. Das würde unsere Straßen etwas sicherer machen

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Gotti1958
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Leberknödl

Diesen Kommentar kann nur jemand abgeben, der sich im Straßenverkehr nicht auskennt oder nicht richtig verhalten kann.

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Sepp57
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Diese Trump-Aktion

ist ein Ablenkungsmanöver. Er braucht etwas Stoff für seine naiven Fans. Die letzte Woche ist für Trump nämlich gar nicht so gut gelaufen. Da war die Sache mit Kushner, dem wurde die "security clearance" downgegraded, er hat jetzt keinen Zugang mehr zu Geheiminformationen. Außerdem ist Mueller hinter dem her. Dann hatte Trump wieder Ärger wegen Jeff Sessions. Dann hat seine Kommunikationsleiterin ihn verlassen. Der Prediger Graham ist ihm weggestorben. Und dann war natürlich noch das Massaker in Florida mit dem NRA-Thema.
Da braucht er schon etwas Ablenkung. Natürlich muss man was ordentlich "Patriotisches" bieten, was sonst? Also die armen Stahl- und Kohlearbeiter retten . . .

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Sepp57
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Die Stahl-Zölle

werden kaum Auswirkungen haben. Einen Intel-Prozessor verteuert so ein Stahlzoll kaum, eine Dose Red Bull auch nur wenig und Google ist das sowieso wurscht.
Der Grund dafür ist einfach, dass wir heute keine Industriewirtschaft mehr haben. Wir sind nicht mehr in 1960. Die Amerikaner haben noch etwa 10% Industrie, in Europa ist der Anteil der verarbeitenden Industrie am BIP bei 17%.
Wir haben heute ein Dienstleistungs- und Technologiegesellschaft. Der Skiurlaub wird wegen dem Stahlzoll kaum teurer. Auch beim Auto ist der Elektronik- bzw. Computer-Anteil mittlerweile über 50%, ein höherer Stahlpreis verteuert ein Auto um etwa 30 Cent.

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botschafter1
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In

der EU und auch in den USA sind zahlreiche Arbeitsplätze in der
Industrie in den letzten Jahrzehnten durch Rationalisierung
und durch Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer
verloren gegangen.
Ursachen sind z.B. die Gewinnmaximierungsstrategie
der Großkonzerne, aber auch die Geldgier der Finanzindustrie.
Trotz vieler Möglichkeiten der legalen Steuervermeidung
für Großkonzerne in der EURO-Zone hat die EU-Kommission
jetzt möglicherweise ein Problem.
Dies ist eben ein Nachteil des westlichen Wirtschaftssystems.
Neoliberale Ansätze in der Wirtschaftspolitk helfen hier auch nicht
unbedingt weiter.
Wichtig ist in Zukunft auch, dass die EZB eine vernünftige
Geldpolitik macht, die der wirtschaftlichen Leistungskraft der
EURO-Zone entspricht.
Europa darf in der weltweiten Wirtschaftspolitik nicht übrigbleiben.

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Sepp57
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Und daher

hat diese "Handelsbilanz", auf der Trump immer herumreitet, heutzutage sowieso absolut keinen Sinn mehr.
Die Handelsbilanz ist ein Relikt aus der alten Industrieära, die heutige komplexe Weltwirtschaft ist damit nicht abzubilden.
Es hat keinen Sinn mehr, Warenströme auf Ländergrenzen zu beziehen, es gibt im Gegensatz zu 1960 keine "nationalen" Unternehmen mehr, alle großen Unternehmen sind international.
Trump ist einer von vorvorgestern, er will Kohlejobs retten, die es gar nicht mehr gibt . . .

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bb65
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@Sepp

Aber es eben so einfach für den Vollkoffer auf diese Zahlen zu schauen und zu rufen: „Wir werden betrogen!“ Das Problem mit dem Trump ist dass er sich bei nix auskennt, und dadurch leicht manipuliert werden kann (Wer nix weiß muss alles glauben).

Also wer als letzter in Trump‘s Ohr flüstert formt seine Meinung. Diesmal eben die Stahl und Alu Lobby.

Leider kann er die Strafzölle bei Dekret verordnen, kann also nicht vom Kongress
Eingebremst werden.

Nur wer weiß was dem senilen Idioten nächste Woche einfällt, vielleicht vergisst er ja drauf um die Verordnung zu unterzeichnen…..

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Sepp57
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Die wichtigsten

amerikanischen Produkte sind nicht Motorräder oder Jeans. Sondern Intel-
und Nvidia-Prozessoren, Betriebssysteme, Software, Smartphones, Cisco Router und andere Technologieprodukte.
Und die können wir nicht verteuern, sonst schneiden wir uns in das eigene Fleisch. Denn wir haben selber ja überhaupt keine Firmen, die sowas herstellen!
Außerdem gelten iPhones in der Handelsbilanz gar nicht als amerikanische Produkte, sie werden ja aus China in die EU transportiert, sind also chinesische Exportprodukte . . .

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Sepp57
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Harleys, Jeans

und Boubon Whiskey soll verteuert werden? Sind die deppert? Das sind doch die Grundbedürfnisse . . .

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selbstdenker70
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...

China soll der EU bei einer Klage helfen? China?? Der Erfinder vom Straffzoll. ...

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Pitchmarke
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Peanuts...

Herr Juncker, wie wär´s mit Chevrolet, Chrysler, I-Pod, Mc Donalds, Starbucks uvm.? Schlagen wir da ordentliche Strafzölle drauf, das würde die Amerikaner mehr schmerzen als der vernachlässigende Markt von Motorrädern, Whiskey und Jeans. Für Ketten wie Kentucky Fried Chicken usw. überlegen wir höhere Steuern, die sie am Standort abzuführen haben und nicht irgendwo in der Karibik! Trumps Aussage, wonach in der 5 th Avenue jeder zweite Wagen ein Mercedes ist, ist ziemlich kurzsichtig und zeigt genau wes Geistes Kind Mr. President ist. Hat noch nicht mal gecheckt, dass sich die wenigsten Durchschnittsamerikaner einen Mercedes leisten können.

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pesosope
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Pitchmarke

Sie wissen aber schon, dass höhere Zölle dem Konsumenten schaden und das speziell bei Gütern, die auf unserem Markt keine wirkliche Konkurrenz haben! Außerdem nutzt es der EU gar nichts

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Kristianjarnig
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Wichtiger wäre...

...Boeing.....DAS würde denen richtig weh tun. Vor allem wenn die Chinesen da auch mitaufspringen würden, die haben immerhin ein der am schnellsten wachsenden Airlinelandschaften mit immensen Bedarf an Airlinern....

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bb65
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@Kris,

völlig richtig, aber man kann sein Pulver ja nicht gleich in der ersten Runde verschießen. Boeing ist im eigen Land super einflussreich, siehe die 300% Straffzoll auf den C-Serie Jet von Bombardier die sie sich herausgeraunzt hatten.

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Seppi1902
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...

Harley und Co waren mit ziemlicher Sicherheit nur einige Beispiele, natürlich würde das auch die von Ihnen genannten Marken umfassen...

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