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PlagiatsaffäreBuchmann-Rücktritt: Das sind die Hintergründe

Der steirische ÖVP-Landesrat Christian Buchmann scheidet mit 25. April 2017 aus der Landesregierung aus. Neue steirische Wirtschaftslandesrätin wird die bisherige Klubobfrau im ÖVP-Landtagsklub, Barbara Eibinger-Miedl. Im Wirtschaftsbund übernimmt Kammerpräsident Josef Herk.

Schützenhöfer präsentierte Eibinger-Miedl als Buchmanns Nachfolgerin © Jürgen Fuchs
 

Der steirische Wirtschafts- und Kulturlandesrat Christian Buchmann gibt nun doch seinen Rückzug bekannt: „Ich musste in den letzten Tagen zur Kenntnis nehmen, dass ein Fehler vor 17 Jahren schwerer wiegt als Leistungen in der Gegenwart und Ideen für die Zukunft“, so Buchmann zu seinen Beweggründen. Das gab das Büro des Landesrats am heutigen Dienstagvormittag bekannt.

 

Buchmann wird nächsten Dienstag im Zuge der Landtagssitzung aus seiner Funktion scheiden, die er seit 2005 innehatte. Um 12 Uhr traten Landesparteivorstand und Landtagsklub zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen.

 

Die Kleine Zeitung streamte live - hier das Video zum Nachschauen:

Eibinger-Miedl folgt nach, Klubobmann wird Lackner

Neue steirische Wirtschaftslandesrätin wird die bisherige Klubobfrau im ÖVP-Landtagsklub, Barbara Eibinger-Miedl (37). Sie stammt aus Seiersberg bei Graz, ist seit 2010 Landtagsmandatarin und seit 2014 Klubobfrau. Eibinger-Miedl ist politisch im Wirtschaftsbund verankert. Sie kehrte erst vor wenigen Wochen aus einer Babykarenz zurück. "Es war für mich völlig klar, dass es eine Frau sein wird - weil wir wissen, dass wir mit ihr eine exzellente Frau im Team haben", sagte Schützenhöfer. Sie übernimmt auch die Tourismus- und Europa-Agenden. Zur Kultur sagte Schützenhöfer nur abschließend: "Wenn sie die Kultur nehmen will, hat sie sie".

Als Klubobmann folgt Eibinger-Miedl Karl Lackner (62) nach, der sie bereits während ihrer Karenz vertreten hatte. Lackner war bis 2014 Bürgermeister von Donnersbach und seitdem Abgeordneter zum Steiermärkischen Landtag.

In der Sitzung des Landesvorstandes des Wirtschaftsbund Steiermark Dienstag abend wurde Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk einstimmig zum geschäftsführenden Landesgruppenobmann gewählt. Buchmann legte auch dort seine Funktion nieder.  "Er übergibt eine top aufgestellte und professionell geführte Organisation". Es sei ein bewegender Abschied gewesen, gefolgt vom allgemeinen Appell, auch die Nachfolgerin zu unterstützen.

Landesrat Buchmann, der auch Obmann des steirischen Wirtschaftsbundes ist, wurde Anfang April sein Doktortitel aberkannt, da er nicht sauber zitiert hat. Laut Karl-Franzens-Universität handelt es sich um "gravierende Verstöße".

Foto © Jürgen Fuchs

Ein Hauch von Selbstkritik

Partei- und Regierungskollege Johann Seitinger sagte in einer ersten Reaktion der Kleinen Zeitung: "Christian Buchmann hat sich die Sache nicht leicht gemacht und aus meiner Sicht eine für ihn erlösende Entscheidung getroffen. Mann muss sich das Leben eines Menschen vorstellen und nicht das eines Politikers. Jeder Auftritt in der Öffentlichkeit, jeder kleine Scherz würde auf Dauer zu einer mehr als anstrengenden Sache werden." Der Umweltlandesrat ließ aber auch leise Kritik an der Darstellung der Causa nach außen anklingen: "Da hätte man vielleicht das eine oder andere besser kommunizieren können. Wenn man einen Fehler begeht, muss man ihn so transparent wie möglich eingestehen und auch offen drüber reden."

In weiteren Reaktionen zollten SPÖ-Vizelandeshauptmann Michael Schickhofer und Grünen-Landtagsklubobmann Lambert Schönleitner dem scheidenden Wirtschaftslandesrat Respekt. Schickhofer dankte Buchmann dafür, „dass er gemeinsam mit mir eine fortschrittliche Wirtschafts- und Haushaltspolitik betrieben hat“. Den Rücktritt halte er für „die richtige Entscheidung“.  

FPÖ-Klubchef Mario Kunasek sagt: „Landesrat Buchmann hat die notwendigen persönlichen Konsequenzen gezogen. Der öffentliche Druck war einfach zu groß. Die steirische Volkspartei konnte nicht zur Tagesordnung übergehen.

 

Kommentare (99+)

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Na und in Fohnsdorf war's anders?

Da gings, soviel hab ich mitbekommen, um Millionen und das war ein anderer Betrug, Mr. mariner!

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homerjsimpson
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Gute so!

Man sieht Druck bringt doch was, hätten alle geschwiegen, er wäre in 20 Jahren noch Landesrat, würde nichts bewegen und sein Umfeld hätte klar gemacht: Schummeln beim Studium kein Problem. Vor allem Letzteres wäre eigentlich Anlass, dass einige Wirtschaftsbundfreunde gleich auch noch gehen könnten, immer sagen wie wichtig Bildung ist für den Wirtschaftsstandort, und bei erster Gelegenheit Bildungseinrichtungen sabotieren und diffamieren ("zitieren eh alle falsch").

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homerjsimpson
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@Gut so... Mensch was man alles vertippselt wenn man sich freut...

:-)

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wosinetwas
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Re: @Gut so... Mensch was man alles vertippselt wenn man sich freut...

Welche Art von Freude verspüren Sie? Ich vermute, Freude über die Rehabilitierung des guten Rufs der KFU und die wiederhergestellte Glaubwürdigkeit unserer Landesregierung.
Denn Schadenfreude und Genugtuung - nehme ich mal an - werden es nicht sein.

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Lodengrün
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Er sieht es einfach nicht ein,

fühlt sich ungerecht behandelt, spricht von Fehler obwohl es Betrug war. Ich schätzte ihn als Landesrat, doch ist er mit diesem Makel in einer öffentlichen Position nicht mehr zu tolerieren.

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BigBang12
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@Lodengrün

Der öffentliche Druck in dieser Angelegenheit ist auch ein bedeutendes Signal an den akademischen Nachwuchs und hält hoffentlich für längere Zeit davon ab sich mit unlauteren und ungesetzlichen Mitteln Vorteile für den Start in das Berufsleben zu verschaffen. Es gibt diesbezüglich aber auch noch andere Baustellen in Österreich. So wäre für mich zu hinterfragen wie der Ex-Präsidentschaftskandidat Hofer oder auch einige andere zu Berufsunfähigkeitspensionen gelangt sind! Ob da jedes medizinische Gutachten einer seriösen Überprüfung standhält?

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Lodengrün
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Diese Hofer Geschichte

waere wirklich eine eingehende Untersuchung wert zumal es sich um einen selbst verschuldeten (der Fluglehrer hatte ihm den Flug untersagt) Sportunfall handelte der, so entnahm ich erst kuerzlich, eine Pensionseinleitung ausschliesst.

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SagServus
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Der öffentliche Druck in dieser Angelegenheit ist auch ein bedeutendes Signal an den akademischen Nachwuchs und hält hoffentlich für längere Zeit davon ab sich mit unlauteren und ungesetzlichen Mitteln Vorteile für den Start in das Berufsleben zu verschaffen.

So lange du nicht in die Politik gehst, ist die Chance der nachträglichen Überprüfung einer Dissertation wohl sehr gering.

Als Politiker sind solche Arbeiten aber brand gefährlich wie man sieht.
Da brauchst nur den falschen Standpunkt zu einem Thema haben und schon hast das Messer im Rücken.

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BigBang12
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@SagServus

Es gibt unzählige Beispiel, wo ein konkurrierender Kollege einen Mitbewerber, der es mit gefälschten oder erschlichenen Zeugnissen "probiert", aufgeblattelt hat. Das Messer im Rücken ist völlig wirkungslos, so "schräg" oder wenig ambitioniert kann eine Dissertation gar nicht sein - sie muss nur eigenständig erarbeitet worden sein.

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SagServus
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Es gibt unzählige Beispiel, wo ein konkurrierender Kollege einen Mitbewerber, der es mit gefälschten oder erschlichenen Zeugnissen "probiert", aufgeblattelt hat.

Und trotzdem ist die Chance sehr gering.

Vor allem wenn man, wie im Falle Buchmann bedenkt, die Bezahlung der Überprüfung auch von den Anklägern erfolgt ist.

Also da musst schon in sehr hohen Kreisen unterwegs sein, damit sowas passiert.

Nur auf Zuruf prüfen nämlich auch die Prüfer nicht. Die wollen dafür ja auch entschädigt werden.

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BigBang12
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@SagServus

Ich halte aber den "Anklägern" zugute, dass sie zunächst auf Verdacht und auf eigene Rechnung die Überprüfung veranlasst haben und vor allem, dass sie das Ergebnis nicht dazu benutzt haben um den Herrn Buchmann für die Zukunft sehr gefällig zu machen oder krass ausgedrückt - zu erpressen. Die Methoden in der Privatwirtschaft sind nicht weniger diffizil, da wird weniger über die Bande gespielt, da versenkt man den unbotmäßigen Kollegen mit anderen Methoden.

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SagServus
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Ich halte aber den "Anklägern" zugute, dass sie zunächst auf Verdacht und auf eigene Rechnung die Überprüfung veranlasst haben und vor allem, dass sie das Ergebnis nicht dazu benutzt haben um den Herrn Buchmann für die Zukunft sehr gefällig zu machen oder krass ausgedrückt - zu erpressen.

Haha....hier musste ich lachen.

Die Ankläger haben genau das geschafft was sie wollten. Buchmann als Wirtschaftslandesrat, der sich gegen die SCS und eine mögliche Einzelstandortgenehmigung gestellt hat, abgesägt.

Sagen sie jetzt nicht, sie hätten davon noch nichts gehört, dass die Ankläger aus dem Dunstkreis von Seiersberg kommen sollen.

Oder meinen sie wirklich, es ist nur Zufall, dass jemand aus Lust und Laune plötzlich die Dissertation eines LR prüfen hat lassen?

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BigBang12
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@SagServus

Na klar könnte das aus dieser Ecke kommen- und ich habe eine vage Vermutung, welcher umtriebige Mensch und Meister gefinkelter Rechtsauslegungen Regie führen könnte. Die neue Landesrätin stammt übrigens aus Seiersberg, einen weiteren Kommentar dazu verkneife ich mir.

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Er redet von einem Fehler, sorry

das war und ist Betrug.

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UHBP
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@fan61

Er redet, dass es ein Fehler war, betrogen zu haben!

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voit60
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und Diebstahl

von geistigen Eigentum

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wosinetwas
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Re: und Diebstahl

Vor allem "Geistiges Eigentum" der Wirtschaftskammer-Zeitung, nota bene.

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schadstoffarm
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der Fehler vor 17 Jahren

vertuschen des selben mit "eh nur schlampig" und am Sessel kleben. Das Gesamtbild ist entscheidend.

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pesosope
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Was heißt ER tritt zurück?

In jedem anderen Job in der Privatwirtschaft wäre er sofort gekündigt worden!!!!
Und in jedem anderen Job in der Privatwirtschaft hätten seine Vorgesetzten nicht einen Tag mit der Kündigung zugewartet!!!!

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wellenreiter
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@pesosope: Buchmann war meines Wissens noch keinen..

..einzigen Tag in der Privatwirtschaft.
Nicht einmal im öffentlichen Dienst durfte er sich 'beweisen'.

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wosinetwas
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Da reiben sich jetzt ...

... ein paar Leute genussvoll die Hände. Vermutlich vor allem Parteifreunde. Mission completed.

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BigBang12
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Warum nicht gleich?

Der Rückzug war und ist notwendig. Die Versuche der Wirtschaftskammer ihren Lobbyisten in der Regierung halten zu wollen, haben der ÖVP und der Landesregierung insgesamt sehr geschadet. Wenn schon einem Normalbürger mit Pflichtschulabschluss bei jedem behördlichen Formular mit rechtlichen Sanktionen bei nicht wahrheitsgemäß eingetragenen Angaben gedroht wird, dann ist ein Regierungsmitglied mit einem erschlichenen Doktortitel ganz sicher nicht tragbar.

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goje
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mimimi

jetzt auch noch mimimi? das darf ja wohl nicht sein. selbstverständlich wird man an seinen taten gemessen. doch gibt es ein sprichwort, welches schon vor mehr als 17 jahren bestand hatte. wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. wie lang hat er sich jetzt gewunden und versucht zu erklären, dass eigentlich alle anderen schuld an seiner lüge sind? mimimi und mehr nicht.

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Ichweissetwas
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Bin neugierig, welche Frau sie aus der ÖVP

"versorgen" müssen....!

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wellenreiter
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@ichweissgarnix: unabhängig vom Anlass, dem Rücktritt des Herrn Magister

Was sind denn Sie für ein Sonderfall?
Frauenhass und verbohrte Dumpfigkeit bedingen sich zwar, aber selten so offensichtlich wie bei Ihnen.

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sapientia
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@ichweissgarnix: Es ist wirklich bedauerlich für Sie, dass Sie in einem Land leben MÜSSEN (?),

in welchem Ihnen zum Thema PolitikerInnen nur einfällt, "... wer von der xy-Partei muss nun versorgt werden?".
Die Psychoanalyse von "wellenreiter" brauche ich wohl nicht zu wiederholen, aber für so eine Haltung, insbesondere den Frauen gegenüber, fielen mir noch deftigere ein, welche vielleicht den hiesigen Forenregeln zuwiderliefen ;-)

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Ichweissetwas
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Das zeigt seine Größe.....

und ojjjjje: eine Frau als Nachfolger......

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hfg
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Leider zu spät

Wenn er gleich zurück getreten wäre hätte er Ehre und Anstand bewiesen und sich, seinen Parteikollegen und der Partei viel erspart.

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