Rind, Schwein, Lamm, Wild – Fleisch, das sich regelmäßig auf unseren Tellern findet. All das gibt es seit einiger Zeit auch aus dem Labor, ohne dass tatsächlich ein Tier dafür sein Leben lassen musste. Man braucht bloß etwas Gewebe, aus dem man die Stammzellen gewinnt und damit „echtes“ Fleisch züchtet. Das ist derzeit noch teuer und verhältnismäßig energieaufwändig, aber technisch bereits so weit fortgeschritten, dass der weltweite Vormarsch kaum zu stoppen scheint. „Israel hat vor wenigen Tagen die Produktion und den Verkauf von Laborfleisch zugelassen, die Schweiz dürfte bald folgen. In den Niederlanden finden bereits Verkostungen unter kontrollierten Bedingungen statt, während in Singapur und in den USA Laborfleisch längst angeboten wird“, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Deshalb ist der Punkt nun auch auf der Tagesordnung der derzeit laufenden Ratssitzung der EU-Landwirtschaftsminister in Brüssel gelandet. Österreich, Frankreich und Italien haben auf Initiative von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) das Thema angezogen, mittlerweile sind zehn weitere EU-Länder der „Kulinarik-Allianz“ beigetreten. „Wir sind über Landesgrenzen hinweg für unsere Qualitätslebensmittel und kulinarischen Traditionen bekannt“, so Totschnig, „wir wollen, dass das weiter so bleibt.“ Aus seiner Sicht geht es nun um die Frage, „ob wir uns künftig mit Kunstfleisch aus der Fabrik oder mit natürlichen, regionalen Lebensmitteln ernähren wollen.“

Weniger Fleischkonsum

Auch die Umweltorganisation Greenpeace warnt davor, allzu voreilig auf Laborfleisch als Alternative zum „umweltschädlichen Status quo“ zu setzen. „Das bedeutet aber nicht, die Forschung zu behindern oder zu verhindern. Es sollen keine möglicherweise zukunftsfähigen Ansätze aufgegeben werden – solange jedoch das Vorsorgeprinzip beachtet wird“, heißt es in einer Stellungnahme zum Ratstreffen. Zum jetzigen Zeitpunkt seien eine Reduktion des Fleischkonsums und mehr pflanzliche Lebensmittel die „eindeutig beste Wahl“.

Die Kulinarik-Länder haben nun mehrere Forderungen aufgestellt, die sich vor allem an die EU-Kommission richten. Sie wollen eine Folgenabschätzung für die strategische Autonomie und Ernährungssouveränität der EU, unabhängige und wissenschaftlich fundierte Auswertungen („gegen Greenwashing“, wie es aus dem Landwirtschaftsministerium heißt) sowie Transparenz und klare Kennzeichnung für den Fall des Markteintritts. Zu den Sorgen der Bauernvertreter gehört unter anderem, dass in Zukunft die Fleischerzeugung von einigen wenigen Großkonzernen aus der internationalen Lebensmittelindustrie bestritten wird.

Neue Gentechnik im Umweltausschuss

Laborfleisch sei keinesfalls vergleichbar mit natürlich gewachsenem Fleisch, sagte Totschnig am Dienstag. Die heimische Landwirtschaft sei nachhaltig, das sei für ihn die Zukunft. Doch auf die bäuerlichen Betriebe warten noch zahlreiche weitere Herausforderungen: Schon am Mittwoch wird im Umweltausschuss des EU-Parlaments über die Position zur neuen Gentechnik (NGT) abgestimmt. Der Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vom Juli sieht vor, dass einige der neuen genomischen Verfahren nicht mehr unter die strengen Regeln für gentechnisch veränderte Organismen (GVO) fallen sollen. Gentechnik-Skeptiker lehnen den Vorschlag ab, im Agrarsektor fand er hingegen Zustimmung. Die Pläne sehen einen deutlich lockereren Umgang mit NGT in der Landwirtschaft vor. Neue Mutationsverfahren wie die Genschere Crispr/Cas (Kategorie NGT-1) sollen demnach künftig einfacher zum Einsatz kommen und damit bearbeitete Pflanzen nicht mehr als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden.

Laborfleisch
Laborfleisch © Adobe Stock