Neue Mutation in TirolWas die Öffnungsschritte Mitte Mai verhindern könnte

Die Regierung bereitet Öffnungsschritte im Mai vor. Doch das Infektionsgeschehen ist immer noch hoch und regional unterschiedlich. Eine neue Virusvariante in Tirol bereitet Sorgen.

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Öffnung, Mai, Corona, Covid, Mutationen
Vor allem eine Mutation, die sich in Tirol ausbreitet, steht unter besonderer Beobachtung © (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
 

Aber … es ist ein Wort, das in Gesprächen mit Experten dieser Tage häufig fällt. Auf Sätze, die positiv beginnen, fällt dieses Wörtchen und setzt Inzidenzen, Intensivpatienten und Öffnungsschritte in Relation zu einander. „Grundsätzlich denke ich, dass wir über den Berg sind“, sagt Gerald Gartlehner. „Aber leichtsinnig dürfen wir nicht werden“, fügt der Epidemiologe der Donau Universität Krems in Bezug auf die angekündigten Öffnungsschritte Mitte Mai hinzu.

Die Regierungsmannschaft, allen voran Bundeskanzler Sebastian Kurz, spricht optimistisch vom Ende der Pandemie Mitte Mai. Doch dieser Optimismus wird von Experten nur bedingt geteilt. Zu unsicher und auch unterschiedlich ist die Lage in Österreich. Ja, bundesweit gesehen gehen die Zahlen langsam aber doch zurück, jene der Neuinfektionen ebenso wie jene der Intensivpatienten, der R-Wert bewegt sich rund um eins. „Die Situation ist unter Kontrolle, aber wir dürfen es mit den Öffnungsschritten nicht übertreiben“, sagt Komplexitätsforscher Peter Klimek. Im Osten sind die Zahlen, auf hohem Niveau, eher rückläufig, einige Bundesländer wie etwa die Steiermark sind in einer Plateauphase. Bleibt noch der Westen des Landes. Und dieser ist auch der Grund, warum die Experten derart vorsichtig mit ihren Prognosen sind.

Weitere "variant of concern" in Tirol

„Der Ausblick für Tirol ist sehr unsicher“, sagt Klimek. Diese Unsicherheit wird massiv von einer weiteren Virusvariante geschürt: B.1.1.7 samt der Mutation E484K. Diese „Fluchtmutation“ hat ungustiöse Eigenschaften: „Die epidemiologischen Daten zeigen ganz klar, dass sie infektiöser ist als B.1.1.7“, erklärt Ulrich Elling. Der Molekularbiologe zeichnet mit seinem Team (Institut für Molekulare Biotechnologie/ÖWA) für einen Gutteil der Sequenzierungen in Österreich verantwortlich. Zudem bedingt E484K, dass diese Variante den Impfschutz umgehen kann. Was in weiterer Folge bedeutet, dass die Wirksamkeit der aktuellen Impfstoffe gegen diese Variante herabgesetzt ist.

B.1.1.7+E484K hat sich mittlerweile über ganz Tirol ausgebreitet, rund 1800 Fälle dürfte es geben. Womit wir zurückkommen zur Unsicherheit: „Weil wir noch nicht genau sagen können, inwieweit diese Variante den Impfschutz umgeht, müssen wir sehr vorsichtig sein“, mahnt Elling. Denn eine Eindämmung, wie sie bei B.351, also der südafrikanischen Variante, gelungen ist, ist hier aufgrund der fortgeschrittenen Verbreitung nicht mehr möglich. „Tirol ist näher am Lockdown als am Aufsperren“, sagt Elling.

Virologe Andreas Bergthaler im Ö1-Morgenjournal am Freitag zur Virusmutation: „Warum das bedenklich ist? Weil gezeigt wurde, dass diese Fluchtmutation dazu führt, dass Antikörper das Virus schlechter abtöten können und das könnte in weiterer Folge dazu führen, dass es zu vermehrten Reinfektionen kommt.“ Dieses Virus würden den Impfungen stärker trotzen. Wichtige Studien im Labor würden suggerieren, dass Antikörper, die das Virus töten, sechs- bis zehnfach weniger effektiv seien. Auf die Wirklichkeit sei das schwierig umzulegen.

Jeder, der geimpft sei, habe eine unterschiedliche Immunantwort und unterschiedliche Antikörpertiter. Es könne sein, dass gerade die Personen, die besonders niedrige Antikörpertiter hätten, gefährdeter seien, wiederinfiziert zu werden, obwohl sie schon einmal eine Infektion hatten oder geimpft seien.

Vorarlberg: Modellregion als Sorgenkind

Wie schnell sich die Situation drehen kann, zeigt das Beispiel Vorarlberg. Als Testregion mit Gastro-Öffnungen und einer verstärkten Teststrategie am 15. März gestartet, haben sich die Coronafälle vervierfacht. Was bedeutet, dass die Teststrategie nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat. Mit dem vermehrten Testen ist der Anstieg nicht zu erklären, denn auch die Rate der positiven Tests ist während der letzten zehn Tage stark gestiegen. Was aber genau den Anstieg in Vorarlberg verursacht, ob es die Öffnung der Lokale war oder die vermehrte Ausbreitung von B.1.1.7, kann nicht genau gesagt werden. Genau diesen Blindflug kritisieren Experten, denn die Lockerungen wurden nicht wissenschaftlich begleitet. „Wir fischen seit einem Jahr im Trüben und dann wird am Ende wieder nur undifferenziert zugesperrt“, sagt Gartlehner in Richtung Politik.

Wir fischen seit einem Jahr im Trüben und dann wird am Ende wieder nur undifferenziert zugesperrt

Gerald Gartlehner

Das Infektionsgeschehen schwankt: Waren zuletzt die östlichen Bundesländer Sorgenkinder und haben sich einen Lockdown verschrieben, ist es nun wieder der Westen mit Tirol und Vorarlberg, der Sorgenfalten bereitet. Sobald sich die Lage etwas entspannt, wird über Öffnungen gesprochen. Und getätigte Öffnungen werden bei einer negativen Entwicklung auch nicht zurückgenommen. Kommen die Ankündigungen für die Öffnungsschritte im Mai also zu früh? „Nein“, sagt Gartlehner. „Aber diese Schritte müssen vorsichtig erfolgen.“ Auf keinen Fall dürfe alles auf einmal aufgemacht werden.

Entspannter Sommer möglich, aber ...

Die frühlingshaften Temperaturen, also der saisonale Effekt und auch der Fortschritt der Impfkampagne, sollten helfen, die Infektionszahlen zu drücken. Und auch einen entspannten Sommer ermöglichen. Aber nur, wenn Bevölkerung und Politik in den kommenden Wochen konsequent handeln. Sollte sich die Variante B.1.1.7+E484K über Tirol hinaus verbreiten, könnte sich die Situation rasch wieder umkehren. Elling etwa plädiert für weitere Social-Distancing-Massnahmen. „Ein entspannter Sommer kann sich schon ausgehen, aber nur, wenn wir zuerst unsere Hausaufgaben machen und die Inzidenz senken.“ Und da ist es wieder, das Wörtchen „aber“.

Kommentare (29)
Rot-Weiss-Rot
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Es sind, global gesehen, nicht nur die Leugner, es ist die Politik, ihre Fehlentscheidungen, eben viele Faktoren.

Vorarlberg ist jetzt der Beweis dafür, dass eine Öffnung gleichbedeutend mit einer Ausbreitung von Corona ist. Innerhalb eines Monats haben sich die Zahlen vervierfacht, obwohl außerordentlich viel getestet wurde und viele Auflagen verfügt wurden.
Das verfrühte Öffnen, durch den Druck der Wirtschaft ist auch von der Wirtschaft kurzsichtig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es bringt nichts zu früh zu öffnen und dann wieder zusperren zu müssen. Es ist ein Schrecken ohne Ende und ich bin überzeugt, dass ein Ende mit Schrecken besser wäre. Wir "doktern" seit Anfang März herum, nicht Fisch und nicht Fleisch, kein Mensch weiß wie es weitergeht und das ist gut für die Wirtschaft???
Durch Corona-Leugner können Cluster entstehen, aber nichts Großes, dafür sind wir alle verantwortlich. Die Kellnerin beim Sorger, die gestern ihre Maske herunten hatte, die 10 alten Männer die hinter den "Standln" am Lendplatz bei Bier und Zigarette INNERHALB von EINEM Meter tratschten usw..
Was würde helfen? Kurzer, harter, Lockdown mit hohen Strafen für die Unbelehrbaren. Nicht, so wie beim Kicklhuber, dem € 500.- drohen. Der lacht uns aus!
Der zweite Weg wäre einfach laufen zu lassen, wie auch hier einige schreiben und Corona-Kranke nur zu einem gewissen Prozentsatz auf der Intensiv zu behandeln um andere Intensivbehandlungen zu gewährleisten und eben zu triagieren. Wenn die Menschen am Gang ersticken wir vielleicht ein Umdenken erfolgen und die Menschen befolgen die Verordnungen.

franki20
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Das Problem mit Vorarlberg wurde im Artikel bereits erwähnt.

Man weiß nicht ob die steigenden Zahlen mit der Öffnung oder der britischen Mutation zusammenhängen. In Deutschland ist die Inzidenz auch ohne Öffnungsschritte wieder nach oben gegangen.
Wir tappen leider noch immer im Dunklen.

Rot-Weiss-Rot
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@franki20, bitte logisch denken!

Wenn man keinem Menschen zu nahekommt, wenn man die Vorgaben wirklich einhält, dann muss es schon mit dem Teufel zugehen, dass man sich ansteckt.
In DE gehen die Zahlen nach oben, da sich die Menschen nicht an den Lockdown halten.
Man kann sich nur anstecken, wenn man Kontakt hat. Ohne Kontakt geht das nicht, also müssen die Menschen Kontakt haben. Entweder sie treffen sich heimlich, oder sie sind am Arbeitsplatz nicht ausreichend geschützt, tragen die Krankheit nach Hause und los geht's. Es ist absolut logisch.
Seit März 2020 war kein Lockdown so drastisch wie damals, daher war auch dessen Wirkung nicht so stark.
Daher Lockdown total, mit Homeoffice überall dort wo möglich, ansonsten zusperren und wirklich empfindliche Strafen für Verweigerer
Hätten wir das im März 2021 für 3 Wochen!!! so gemacht wären die Zahlen so weit unten, dass wir heute nicht diskutieren müssten. Davon bin ich wirklich überzeugt, da es logisch ist. Kein Kontakt, keine Infektion! Lieber kurz und "schrecklich", als ein Schrecken ohne Ende.

franki20
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@Rot-Weiss-Rot

Das ist schon klar dass ein richtiger Lockdown wie im Frühjahr 2020 am besten hilft. Meine Antwort bezog sich auf Ihren Kommentar dass durch die Öffnungen in Vorarlberg die Zahlen nach oben gehen, aber genau das kann man mit der Datenlage nicht klar beantworten.

AndiK
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Ja genau!

Wenn die Menschen am Gang ersticken....
Wenn die Triage kommt.....
Wenn das Gesundheitssystem zusammenbricht....
Wenn wenn wenn

Rot-Weiss-Rot
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@AndiK, ja genau. Gott sei Dank können wir "wenn" schreiben.

In Indien oder Brasilien können sie nicht mehr "wenn" schreiben, da schreiben sie "ist" und zum Glück konnte diese Situation bei uns noch verhindert werden.
Ihr Blauen seid ja wirklich nicht gesellschaftsfähig.

Lodengrün
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Guter @Rot-Weiss-Rot

Mein Vater meinte zu solch pathologischen Fällen man müsste sie „anrennen“ lassen. Wenn wir hinweisen, versuchen zu warnen, stellen sie uns als Paniker hin. Als ob wir etwas davon haben. Da geht wirklich nur Methode Herdplatte.

Rot-Weiss-Rot
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@Lodengrün, wahre Worte.

Nur solche Typen verbrennen sich die linke Hand und greifen dann noch mit der Rechten auf die Herdplatte. Wenn sie dann beide Handerln verbrannt haben, setzen sie sich drauf.
Blau bürgt für Qualität. Daher sagt man ja:
Blau machen, blau sein, das Blaue vom Himmel reden ein blaues Auge usw.. Im Grunde nicht viel Gutes, was mit "Blau" zusammenhängt. 😊😉

Lodengrün
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Wie unten @Andik

von mir beschrieben. Das hat der Baumeister aus dem Burgenland sich zum Hobby gemacht. Alles als Hysterie hingestellt. Jetzt erzählt er das nicht einmal seinen Angestellten die seine Frau nach seinem Tod kündigen musste.

Industriefreund
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Nur ein kleiner Denkanstoß

121.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr vorzeitig an den Folgen des Rauchens. An jedem Tag sind das über 300 Menschen, so viele wie in ein großes Flugzeug passen.

In der gesamten Corona Krise seit Beginn 2020 sind in Deutschland rund 90.000 Menschen an den Folgen von Corona verstorben.

Lodengrün
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Armer Vergleich @Industrie

Das Rauchen kann man selbst einstellen wenn man das schafft. Das COVID besucht dich mit hoher Wahrscheinlichkeit wenn Du nicht aufpasst. Dann hast die weiße Lunge die Matsch ist ohne Glimmstängel.

Rot-Weiss-Rot
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@Industriefreund, nur ein anderer kleiner Denkanstoß.

Jetzt schauen sie sich noch die Statistik an, wie viele Menschen an Corona erkrankten und innerhalb eines Monates verstarben und wie das bei Rauchern ist. Es sterben weit mehr Menschen an Krebs, doch die benötigen keine Intensivbehandlung und nur darum geht es.
Geht das nicht in eure Köpfe, dass es nicht um die Gesamtzahl an Toten geht, sondern um die plötzlichen Überlastungen der Intensivstationen und dadurch Menschen sterben müssen, die gerettet werden könnten, wäre ein Intensivbett frei.
Was würden sie sagen, wenn sie eine Blinddarmentzündung hätten und daran sterben mussten, nur, weil kein OP-Saal frei ist?
Haben sie die Bilder aus Italien vergessen? Kurzzeitgedächtnis? Schauen sie nach Indien in die Spitäler oder nach Brasilien!
Ich frage mich ob sich manche Menschen dumm stellen, oder ob sie wirklich dumm sind.
Sie benötigen wirklich einen Denkanstoß!

pescador
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@Rot-Weiss-Rot

Zitat: "Ich frage mich ob sich manche Menschen dumm stellen, oder ob sie wirklich dumm sind."

Ich fürchte, letzteres ist der Fall.

lieschenmueller
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Dummheit braucht man nicht säen,

die wächst von selbst.

Ninaki
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zusperren

Am besten wir sperren für immer zu. Dann können wir alle vereinsamt an anderen Krankheiten sterben...

lieschenmueller
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vereinsamt

Wir haben ja uns im Forum ;-)

DavidgegenGoliath
20
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Je mehr Menschen geimpft werden,

umso mehr Fluchtvarianten wird es geben! Und die Impfungen sind nutzlos!

KleineMeinung
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Olles zua lossn

wär am besten!!

lieschenmueller
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Irgendwie kriegt man es bei den Schlagzeilen

kalt/warm!

stadtkater
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Absicht?

Das frage ich mich schön langsam.

lucas200497
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Mutation

Langsam reicht es mit dieser hysterischen Panikmache.
Mutationen sind was ganz normales. Jede Krankheit hat hunderte Mutationen.

Lodengrün
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Ja

so lange es einen nicht selbst erwischt kann man die große Lippe führen. Soeben hat es einen Mitarbeiter bei uns erwischt. Triathlet, 41, keine Vorerkrankungen. Seine Frau versteht jetzt mit 2 Kindern die Welt nicht mehr. Und Ihren Kommentar lese ich Ihr verständlicherweise nicht vor.

AndiK
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So viele Triathleten

wie es seit Coronastart in Ö angeblich schon erwischt hat, gibts in ganz Europa ned.

Lodengrün
5
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@Andik

Leute wie Sie muss auch das Schicksal belehren sonst „schnallt“ er es nicht. Letztlich das Schicksal des COVID Leugners aus dem Burgenland in der ZIB gesehen? Der hatte gar einen Blog wo er alles verniedlichte.

KleineMeinung
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...jo wie erwischt??

Is a positiv? Is a krank? Is a auf da Intensivstation? Is a gstorben? GENAUERE AUSKUNFT bittschen

lieschenmueller
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:-(

Gute Besserung an den Mitarbeiter.

 
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