Sechs Fakten: Mit Wissen und Kraft durch die Wechseljahre
Die Wechseljahre waren lange Zeit ein Tabuthema. Das hat sich während der letzten Jahre zwar etwas verändert, dennoch ranken immer noch zahlreiche Mythen um den „Wechsel“. Zeit, diese zu (er)klären.

1 Von Frau zu Frau anders: Die Wechseljahre starten zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten.
So individuell wie jede Frau ist, so individuell gestalten sich auch die Wechseljahre. Das heißt auch, dass der Start des Wechsels ganz unterschiedlich erfolgen kann. Im Durchschnitt sind Frauen bei der Menopause um die 51 Jahre alt. Die Menopause tritt dann ein, wenn ein Jahr lang keine Regelblutung aufgetreten ist. Grundsätzlich setzen sich die Wechseljahre (medizinisch: Klimakterium) aus vier unterschiedlichen Abschnitten zusammen: Den Beginn macht die Prämenopause. Ihr folgen Perimenopause, Menopause sowie Postmenopause. Manche Frauen erleben auch einen vorzeitigen Wechsel, die vorzeitige Menopause. Davon spricht man, wenn schon vor dem 40. Lebensjahr dauerhaft keine Regelblutung mehr auftritt.
Weltmenopausentag
Alljährlich steht der 18. Oktober im Zeichen der Wechseljahre, wenn der Weltmenopausentag begangen wird.
2 Adieu, rote Welle: Die Periode wird unregelmäßiger, verhüten sollte man dennoch.
Mit der Pubertät wird der weibliche Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Das passiert, indem die Sexualhormone Progesteron, Östrogen sowie Testosteron unsere Körper fluten, als Folge stellt sich die Menstruation regelmäßig ein. Im Wechsel passiert genau das Gegenteil: Die Hormonspiegel sinken wieder. Diese Umstellung kann Jahre in Anspruch nehmen. Eines der ersten Anzeichen ist die zunehmende Unregelmäßigkeit der Regel. Um Abweichungen vom eingespielten Rhythmus erkennen zu können, lohnt es sich, schon in Zeiten vor dem Wechsel über den eigenen Zyklus Bescheid zu wissen. Für mindestens sechs Monate sollte man dieses spezielle Tagebuch samt Symptomen führen, das geht mit einem Kalender ebenso wie mit Tracking-Apps. Unregelmäßigkeiten können aber nicht nur bedeuten, dass es längere Abstände zwischen den Regelblutungen gibt, auch kürzere Abstände sind möglich. Theoretisch kann eine Schwangerschaft auch beim allerletzten Eisprung entstehen. Aus diesem Grund gilt: Nicht auf die Verhütung verzichten. Unter 50 empfehlen Fachleute, zumindest zwei Jahre regelfrei zu sein, bevor man auf Verhütung verzichtet, über 50 Jahren sollte es zumindest ein Jahr sein.

3 Hitzewallungen sind nicht das einzige Symptom der Wechseljahre.
Ganz grundsätzlich gilt: Nicht jede Frau leidet unter Wechselbeschwerden. Etwa ein Drittel hat keine Beschwerden, ein weiteres Drittel leidet zeitweise unter Symptomen und ein weiteres Drittel leidet in einem Ausmaß, das es schwierig macht, Alltags- und Berufsleben zu bewältigen. Am häufigsten genannt werden Hitzewallungen. Das ist aber bei weitem nicht das einzige Symptom. Auch unter Schlafstörungen und Wassereinlagerungen leiden viele Frauen, ebenso können Stimmungsschwankungen sowie depressive Verstimmungen vorkommen. Weiters können Konzentrationsstörungen den Alltag erschweren, auch Libidoverlust ist möglich. Frauen können diesen Beschwerden aber entgegenwirken. Einerseits mit Wissen über den Wechsel: Wenn ich weiß, was mich erwartet, kann ich besser damit umgehen. Anderseits kann man schon vorher die Grundlagen legen, um den Eintritt in die neue Lebensphase einfacher bewältigen zu können. Dazu zählen: eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und Sport sowie ein gesundes Gewicht.
4 Die Gewichtszunahme ist nicht unausweichlich.
Die Hormonumstellung beeinflusst auch den Stoffwechsel. Es ist zwar kein medizinischer Fachbegriff, aber der „Hormonbauch“ umschreibt das Phänomen, dass Frauen im Wechsel aus hormonellen Gründen mehr Bauchfett einlagern. Doch: Dieses viszerale Fett kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Ein Risiko, das durch die Hormonumstellung ohnehin gesteigert ist – denn zuvor sind Frauen vor dem Wechsel im Vergleich zu Männern weniger „herzgefährdet“. Während und nach dem Wechsel können Cholesterinwerte, Blutdruck und auch Insulinresistenz (Diabetes-Risiko) zunehmen. Das Gewicht sowie die Blutfettwerte kann man über die Ernährung beeinflussen. Es gilt: mehr pflanzliche Lebensmittel in den Menüplan einbauen, vor allem Zucker und Salz reduzieren. Ebenso wichtig: Sport und Bewegung – siehe dazu Punkt 5.
5 Starke Knochen: Kraftsport ist der Garant für Stabilität in den Wechseljahren.
Körperliche Aktivität ist ganz generell für das Wohlbefinden essenziell. Aber im und nach dem Wechsel ist vor allem Kraftsport besonders wichtig. Denn: Östrogen bremst den Knochenabbau. Im Wechsel sinkt der Hormonspiegel aber. Die Folge: Im Schnitt verlieren Frauen während der ersten fünf Jahre des Wechsels zehn Prozent ihrer Knochendichte. Um einerseits das Risiko für Osteoporose (Knochenschwund) und andererseits Gewicht sowie Blutfettwerte (siehe Punkt 4) in Schach zu halten, ist Muskelmasse essenziell. Diese kann durch Krafttraining aufgebaut werden. Denn mehr Muskeln verbrennen auch mehr Kalorien. So wird es auch etwas einfacher, ein gesundes Gewicht zu halten. Die Empfehlung lautet: Zusätzlich zu den Bewegungsempfehlungen von mindestens 150 Minuten pro Woche sollte man an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen Krafttraining in den Alltag integrieren.
6 Die Hormonersatztherapie kann Beschwerden lindern.
Sind die Wechselbeschwerden extrem stark, kann eine individuell zugeschnittene Hormonbehandlung, auch Hormonersatztherapie (HET), helfen, die Beschwerden zu lindern. Diese Art der Therapie hat einen schlechten Ruf in Bezug auf die Steigerung des Krebsrisikos, vor allem aufgrund einer mittlerweile mehrfach widerlegten, sogenannten WHI-Studie. Auf jeden Fall sollte man mit seiner Gynäkologin, seinem Gynäkologen über diese Therapiemöglichkeit samt ihren Wirkungen und Nebenwirkungen sprechen. Ein Nebeneffekt der Hormonersatztherapie ist zudem, dass diese das Herz-Kreislauf-Risiko senken kann.
Lexikon
Menarche: Dieser Begriff bezeichnet die erste Regelblutung im Leben einer Frau, es ist der Beginn der fruchtbaren Lebensphase.
Menstruation: Die Regelblutung ist Teil des weiblichen Zyklus, zwischen fünf und sieben Tagen dauert die Periode durchschnittlich an. Auch der Zyklus an sich kann sich von Frau zu Frau stark unterscheiden und zwischen 24 und 38 Tagen lang sein (im Schnitt 28 Tage). Laut Definition beginnt dieser am ersten Tag der Blutung. Er endet am Tag vor der nächsten Periode.
Wechseljahre: Die Wechseljahre (medizinisch: Klimakterium) setzen sich aus vier unterschiedlichen Abschnitten zusammen. Den Beginn macht die Prämenopause. Ihr folgen Perimenopause, Menopause sowie Postmenopause. Die Menopause tritt ein, wenn ein Jahr lang keine Regelblutung aufgetreten ist.
